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Geisterspieltag der Bundesliga : Besser als befürchtet

Schöne Tore sind auch wieder gefallen: Guerreiro trifft gegen Schalke. Bild: AFP

Allen Widerständen zum Trotz: Die Bundesliga ist wieder da – und startet mit ersten Erfolgen. In der Corona-Saison verlieren auch Geisterspiele an Schrecken.

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          Größere Menschenansammlungen wurden am Samstag in mehreren deutschen Städten gesichtet. Es handelte sich um ein buntes, mitunter auch etwas seltsames Völkchen. Es waren allerdings nicht, wie von Innenministern und Polizeigewerkschaften über Wochen imaginiert, Zusammenrottungen von unbelehrbaren Fußballfans rund um die Stadien der Bundesliga, die am Samstag um 15.30 Uhr ihren Betrieb wieder aufnehmen durfte.

          Auf deutschen Straßen demonstrierten nur Gegner der Corona-Politik und ein Haufen Verschwörungstheoretiker. Ultras und andere Fans sind beim Liga-Comeback dagegen brav zu Hause geblieben und haben sich an die Regeln gehalten, so, wie sie es angekündigt hatten.

          Das war der erste und vermutlich wichtigste Gewinn für den deutschen Profifußball bei seinem weltweit beachteten und national kritisch und skeptisch beobachteten Comeback, bei dem (fast) alles anders war. Sogar der Ball wurde desinfiziert. Und Fußball unter Corona-Regeln ist im Stadion auch ein Maskenball mit Echo-Tonspur.

          Am Samstag bekam man einen Fußball vorgesetzt, den die Mehrheit der Deutschen laut Umfragen gar nicht will. Und an den sich die Fans glauben, weder gewöhnen zu wollen noch zu können. Das Spiel war dann aber doch das alte, auch wenn es zunächst noch nicht so richtig in Gang kam – und kommen konnte. Darüber musste man sich nach der langen Pause nun wirklich nicht wundern.

          Bundesliga

          Doch bei den Übertragungen rückte weit stärker in den Mittelpunkt, was ansonsten nur noch einen Teil des Produkts ausgemacht hat: das Spiel an sich. Die Kameras schwenkten nicht zwischen Spielfeld und Publikum und Promis auf den Tribünen hin und her. Der Bildausschnitt war meist so eng auf das Geschehen auf dem Rasen fokussiert, dass die Geisteratmosphäre nicht ganz so schlimm durchschlug, wie es zu befürchten war. Strittige Entscheidungen, auch nach Videostudium, nahmen die Spieler gelassener hin. Die Schiedsrichter schienen es insgesamt leichter zu haben.

          Und irgendwann fielen dann auch wieder schöne Tore, das erste beim Sieg des BVB im Derby gegen Schalke durch Torjäger Haaland – wie in Zeiten vor Corona. Die Torjubel mussten dann auch keine Extrashow mehr sein. Mit anderen Worten: Ein Anfang ist gemacht – und auch Geisterspiele können ihren Schrecken verlieren. Zumindest für Fernsehzuschauer, und andere gibt es ja nicht mehr.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

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