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Relegation gegen Braunschweig : Wolfsburg mitten im Nervenspiel

  • -Aktualisiert am

Zumindest eine Konstante ist noch im Spiel. Mario Gomez steht wie ein Turm mitten in einem Durcheinander, an dem alle Halt suchen. Mit 16 Saisontreffern hat der Wolfsburger Torjäger dafür gesorgt, dass es überhaupt noch Hoffnung auf den Klassenverbleib gibt. Ein umstrittener Elfmeter von ihm musste im ersten Relegationsspiel herhalten, um Außenseiter Braunschweig besiegen zu können. „Wir werden das schaffen“, versichert Gomez. Er entscheidet über das Schicksal des VfL und damit auch über seine Zukunft. Steigt Wolfsburg ab, will Gomez den Verein verlassen. Gelingt die Rettung, soll er als Galionsfigur erhalten bleiben und beim deutschen Meister von 2009 einen grundlegenden Neustart anführen. Mehr Talente und weniger Stars, ein Saisonetat von nur noch 60 statt bisher bis zu 100 Millionen Euro: Ob solche Aussichten Gomez dazu bewegen können, sich als Leader weiter zur Verfügung zu stellen, erscheint fraglich.

Statt der internationalen Fußballwelt zeigen zu können, was er im Alter von 31 Jahren noch drauf hat, steckt der Nationalspieler in niedersächsischen Rivalitäten fest und zieht dabei alle Register. Gomez hätte im mit Emotionen und Anfeindungen überladenen Hinspiel gegen Braunschweig zugeben können, dass sein Elfmetertor irregulär zustande gekommen war. Das Format für eine solche Heldentat besitzt er. Aber Gomez tat lieber ahnungslos, ob der Ball nun an seiner Brust oder an seinem Arm gelandet war. Die Rettung von Grün-Weiß ist ihm im Moment wichtiger als moralischer Ruhm.

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Wer neulich noch eine Größe wie Real Madrid zumindest einmal besiegen konnte, braucht doch eigentlich keine Angst vor Eintracht Braunschweig zu haben. Aber weil eine Relegation die Dramatik im Auf- und Abstiegskampf zuspitzt und weil in einem Derby wie dem der beiden von VW unterstützten Niedersachsen-Klubs nichts normal sein kann, ist mit allem zu rechnen. „Wir wollen alles dafür tun, um das Ding zu drehen“, sagt Eintracht-Kapitän Ken Reichel.

Und sein Trainer stellt abermals unter Beweis, dass er ein Meister darin ist, die Dinge zu emotionalisieren und seine Spieler bei der Ehre zu packen. „Montagabends in Braunschweig, da weißt du schon, was da los ist“, sagt Cheftrainer Torsten Lieberknecht. Mit der Eintracht nach 2013 abermals aufzusteigen wäre für ihn das schöne Schlusskapitel eines zweitklassigen Märchens. Und Lieberknecht weiß ganz genau, wie viel für Wolfsburg auf dem Spiel und wie es um das Gemüht des völlig verunsicherten Gegners steht.

Das Braunschweiger Stadion ist eine dieser typischen kleinen Arenen, in denen die Leidenschaft schon seit Jahrzehnten als Daueruntermieter lebt. Direkt neben dem Stadion an der Hamburger Straße befindet sich eine VW-Produktionsstätte. Das große Logo des Autobauers ist in luftiger Höhe plaziert und bestens sichtbar, wenn sich der Wolfsburger Mannschaftsbus seinen Weg unter das schützende Dach des Stadions bahnt. Was der VfL an diesem Montag antritt, ist die letzte und merkwürdigste Dienstreise der Saison.

Um in der Vorbereitung auf den Showdown nicht gestört zu werden, hat die Wolfsburger Geschäftsführung der eigenen Frauenmannschaft verboten, an diesem Sonntag eine feuchtfröhliche Meisterschafts- und vielleicht auch Pokalfeier zu starten. Wer so unsensibel handelt, muss mit seinem eigenen Ego und der Angst vor dem Scheitern fürchterlich viel zu tun haben.

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