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Fußballvermarktung : Alle Macht den Zuschauern

„Wettbewerb funktioniert auch ohne Finanzausgleich” Bild: picture-alliance/ dpa

Jeder spielt für sich allein. Aber wer Fußball sehen darf, regelt ein Kartell. Das Problem hat einen Namen: Zentralvermarktung. Die ist teuer. Und bringt den Fans nichts.

          Die Manager der Fußball-Bundesliga ärgern sich. Eigentlich wollten sie ja, dass die Spiele der Fußball-Bundesliga von Sommer 2009 an erst nach 22 Uhr im kostenlosen Fernsehen gezeigt werden und vorher nur im Bezahlfernsehen. Dann wären nämlich die Übertragungsrechte für das Bezahlfernsehen wertvoller geworden – und umso mehr Geld hätte die Bundesliga dafür verlangen können. Doch das Bundeskartellamt hat das verboten. Stattdessen müssen die wichtigsten Szenen der Spiele schon vor 20 Uhr frei zu empfangen sein.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das freut die Fußballfans. Sie hätten aber noch mehr Grund zur Freude, wenn das Kartellamt konsequenter gewesen wäre. Das findet zumindest der Ökonom Justus Haucap an der Universität Erlangen-Nürnberg, der auch der Monopolkommission vorsitzt. Dann gäbe es wohl bald mehr Spiele im Fernsehen, und zwar kostenlos.

          Das Problem hat einen Namen: Zentralvermarktung. Das heißt: Die Fernsehrechte für alle Bundesligaspiele werden zentral von der Deutschen Fußball Liga (DFL) verkauft, die die Bundesliga organisiert – und nicht etwa von Bayern München oder dem VfL Wolfsburg, also den einzelnen Heimvereinen, die die Spiele ausrichten. „Nüchtern betrachtet, handelt es sich bei der Zentralvermarktung um eine Kartellvereinbarung“, sagt Kartellamtschef Bernhard Heitzer. Das Kartellamt hat die Zentralvermarktung trotzdem ausnahmsweise genehmigt. Doch es ist wie so oft mit Kartellen: Wenn sie ganz verboten wäre, wäre Fußball für die Fans ein noch größerer Genuss als heute.

          Live-Übertragungen wären vermutlich günstiger

          Denn die Live-Übertragungen wären vermutlich günstiger. Schließlich hat Kartellamtspräsident Heitzer selbst festgestellt: In England, wo die Premier League noch härter vermarktet wird, sind die Bezahlsender viel teurer. Denn mit der Zentralvermarktung schafft die Fußballliga ein Monopol auf die Spiele – nicht nur bei sich, sondern auch bei den Sendern. Die können dann umso mehr für das Abo verlangen. „So entscheiden die Vermarktungskartelle, was im Fernsehen gezeigt wird“, sagt der Hamburger Sportökonom Jörn Quitzau. Viele Spiele der Premier League sind im Fernsehen gar nicht live zu sehen.

          Das ist in Deutschland nicht so – zum Glück für den Fan. Doch sein Glück könnte noch größer werden: Wenn Vereine wie Energie Cottbus ihre Spiele selbst an die Fernsehsender verkaufen dürften, könnten solche Spiele sogar öfter live im kostenlosen Fernsehen zu sehen sein, vermutet der Ökonom Justus Haucap. Denn dann könnten kleinere Sender die Spiele auch einzeln kaufen. Was dann passiert, hat der MDR am Freitagabend am Beispiel der dritten Liga gezeigt: Er übertrug das Spiel zwischen Rot-Weiß Erfurt und Dynamo Dresden. Andere Spiele würden vielleicht gleichzeitig ins Internet übertragen. Zwar fürchten manche wie der Magdeburger Ökonom Joachim Wiemann, dass dann Bayern am Ende nur noch auf Premiere spielt. Doch diese Gefahr hält Jörn Kruse von der Bundeswehr-Uni Hamburg für gering: Premiere habe so wenig Zuschauer, dass die Bayern dann Schwierigkeiten mit ihren Sponsoren bekämen.

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