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Fußballer mit Sehproblemen : Augen auf im Titelkampf

Leverkusens Torwart Lukas Hradecky hält auch mal mit einem Auge ganz passabel. Bild: dpa

Kann man mit einem Auge bei den Bayern gewinnen? Leverkusens Torwart Lukas Hradecky machte es vor. Manche Fußballer holten gar mit Sehfehler große Titel. Eine reine Erfolgsgeschichte ist das allerdings auch nicht.

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          Erste Frage: Kann man mit einem Auge bei den Bayern gewinnen? Antwort: ja. Lukas Hradecky gab sie am Samstag beim 2:1-Sieg seines Teams in München, als er während der ersten Halbzeit wegen einer in den Augenwinkel verrutschten Kontaktlinse rund zwanzig Minuten lang nur einseitig sehen konnte. Mit insgesamt zwölf gehaltenen Bällen gelang ihm die herausragende Torwartleistung der bisherigen Saison.

          Zweite Frage: Kann man mit einem Auge schielen? Antwort: anatomisch gesehen nein. Sportlich gesehen: warum nicht? „Hradecky schielt auf Platz eins“, verrät die Website eines stets fundierten Fachmagazins. Für die Formulierung braucht man Mut, schließlich betrifft sie einen Klub, der beim Blick auf den Meistertitel bisher immer haarscharf daneben lag. Worauf die Bayer AG, die Mutter der Bayer-Fußballer, sich den einst als Spottnamen erfundenen Begriff „Vizekusen“ als geschütztes Markenzeichen sicherte. Kein Wunder, dass sich so was schon lange keiner mehr getraut hat in Leverkusen: so wie nun der lustige Hradecky zum Marsch auf die Tabellenführung zu blasen. Nach den jüngsten Siegen sei die Lust auf eine Überraschung im Titelkampf, so der Finne, „ganz groß“.

          Dritte Frage: Kann man als Fußballer, gar als Torwart, mit Sehfehler Titel gewinnen? Antwort: Man kann. Dr. Peter Kunter, promovierter Zahnarzt und Kontaktlinsenträger im Tor, holte 1974 mit der Eintracht den DFB-Pokal. René Adler wurde trotz Kurzsichtigkeit Nationaltorwart, ebenso wie der Spanier David de Gea, der sich allerdings einer Laserkorrektur unterzog – ein Schritt, den Hradecky nun auch erwägt. Als Feldspieler wurde Nobbie Stiles 1966 mit England Weltmeister, Kaká 2002 mit Brasilien, Andres Iniesta schoss Spanien 2010 zum WM-Titel, und Jérome Boateng wehrte 2014 im WM-Finale eine argentinische Attacke nach der anderen ab – alle spielten mit Kontaktlinsen.

          Dagegen hat Jonas Hector, privat wie Boateng Brillenträger, auf dem Spielfeld keine Sehhilfe, weil er Linsen nicht mag (und Brillen dort verboten sind). Als im EM-Viertelfinale 2016 gegen Italien im Elfmeterschießen schon 17 Schützen angetreten waren, musste Hector zum ersten Mal im Leben an den Punkt, zum alles entscheidenden Duell. Er zielte ohne Sehhilfe gut genug, um Gianluigi Buffon zu überwinden.

          Allerdings ist all das, so bedauerlich es für die Titelvisionen von Bayer Leverkusen sein mag, dann doch keine reine Erfolgsgeschichte. Denn auch Michael Ballack war, wegen starker Kurzsichtigkeit, Kontaktlinsenträger. Jener Ballack, der mit Bayer im Mai 2000 mit drei Punkten Vorsprung zum letzten Saisonspiel zum Aufsteiger Unterhaching fuhr. Man verpasste den Meistertitel, weil Ballack ins eigene Tor traf.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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