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Fußballprofi Yussuf Poulsen : Der Kämpfer und Jäger von RB Leipzig

  • -Aktualisiert am

Mit Engagement zurück: Yussuf Poulsen Bild: Reuters

Lange sah es so aus, als ginge es für Yussuf Poulsen bei RB Leipzig nicht mehr voran. Doch der Däne trumpft wieder auf. Das hat er nicht nur seinem Fleiß zu verdanken.

          3 Min.

          Im Sommer 2013 wollte der noch junge Verein RB Leipzig einen ebenso jungen Stürmer verpflichten, der in Dänemarks zweiter Liga spielte. Nicht unbedingt die Umgebung, in der aufstrebende Vereine nach aufstrebenden Talenten suchen. Trainer zu dieser Zeit war Alexander Zorniger. Um den zu überzeugen, ließ der damalige Sportdirektor Ralf Rangnick eine DVD mit zehn aussagekräftigen Aktionen des Spielers anfertigen. Leipzig hatte schon vor sieben Jahren genaue Vorstellungen von Spielanlage und Philosophie, bei potentiellen Kandidaten schauten die sportlichen Entscheider zuerst auf das Umschaltverhalten. In der ersten Szene war zu sehen, wie der Angreifer im gegnerischen Strafraum den Ball verliert. Was dann passierte, ließ Zorniger staunen.

          Champions League

          Anstatt zu lamentieren oder sich zu ärgern, setzte der Spieler in höchstem Tempo sofort hinterher, Passstafette um Passstafette, jagte über den ganzen Platz nach, so lange, bis er ihn am eigenen Strafraum endlich wieder hatte. „Danach habe ich sofort ausgemacht, die anderen Szenen brauchte ich mir gar nicht mehr anzuschauen“, erzählt Zorniger. Zu Rangnick habe er gleich gesagt: „Ralf, wenn wir den Jungen kriegen, will ich den unbedingt.“

          Zorniger und Leipzig haben ihn dann tatsächlich bekommen, es handelte sich um Yussuf Poulsen. Heute ist Poulsen 26 Jahre alt und immer noch bei RB. Der Spielstil mag sich vor allem unter Trainer Julian Nagelsmann hin zu mehr Ballbesitz geändert haben, aber das aggressive Pressing, das schnelle Umschalten sind immer noch die Kernsubstanz der Leipziger Fußball-DNA.

          Es hat sich viel getan

          Poulsen hat sie in all den Jahren so sehr zu seiner eigenen gemacht, dass man auf der Suche nach einem Leipziger Gesicht nicht um sein Konterfei herumkommen würde. Zu eng sind der Aufstieg von RB Leipzig und die Karriere des dänischen Nationalspielers miteinander verwoben. Er ist der Einzige aus dem aktuellen Kader, der noch in der dritten Liga gegen Vereine wie Burghausen oder Elversberg gespielt und es mit dem Klub bis in die Champions League geschafft hat. Als er im vergangenen August nach dem Halbfinal-Aus gegen Paris St. Germain (0:3) auf dem Rasen des Stadions in Lissabon saß und so nachdenklich dreinschaute, liefen einige der wichtigsten Etappen seiner Leipziger Zeit vor dem inneren Auge ab. So hat Poulsen das später erzählt.

          Drei Monate später trifft er mit Leipzig wieder auf Paris. Das Spiel an diesem Dienstagabend (21 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League sowie bei Sky) in der französischen Hauptstadt ist ein immens wichtiges um den Einzug ins Achtelfinale. Nachdem RB das Hinspiel 2:1 gewonnen hat, würde ein weiterer Sieg das Erreichen der K.-o.-Runde sehr wahrscheinlich werden lassen.

          Für Poulsen hat sich einiges getan seit dem Ende der vergangenen Saison, während deren es zeitweise aussah, als würden die Entwicklung des Vereins und die der Mannschaft an ihm vorbeiziehen. So als hätte er den Punkt erreicht, an dem es für ihn nicht mehr weitergeht. Er kam oft von der Bank, meist musste er Patrik Schick und Timo Werner den Vortritt lassen.

          Auch die Torausbeute war überschaubar. In der Bundesliga gelangen Poulsen nur fünf Treffer. Doch zur Überraschung vieler Beobachter hat er sich zurückgekämpft, nicht zum ersten Mal in seiner Karriere. „Als Yussuf zu uns kam, hatte er erkennbare technische Schwächen. Bei der Ballbehandlung und beim Passspiel war noch viel Luft nach oben. Ich sagte zu ihm, dass wir daran arbeiten müssen, und empfahl ihm, an der Prallwand zu trainieren. Bei manchen Spielern geht das ins eine Ohr rein und zum anderen wieder raus, aber Yussuf begann sofort mit dem Training. Diesen Fleiß hat er sich beibehalten. Alles was er braucht, um besser zu werden, setzt er sofort um“, sagt Zorniger.

          Werners Abgang hilft

          Nach Werners Abgang zum FC Chelsea kommt Poulsen auch entgegen, dass sich die neuen Stürmer Alexander Sörloth und Justin Kluivert erst noch an das Leipziger Spiel gewöhnen müssen. Poulsen ergriff die Chance. In dieser Saison erhält er mehr Einsatzzeit und weiß sie zu nutzen, aktuell steht er bei drei Saisontoren. Seine körperliche Präsenz im Angriffszentrum bietet den Mitspielern die Möglichkeit, ab und an Flugbälle als Stilmittel einzustreuen. In Sachen Ballbehauptung ist Poulsen Leipzigs Bester.

          Am vergangenen Wochenende erzielte er beim 1:1 in Frankfurt das wichtige Auswärtstor, als er mit dem Außenrist direkt in den Winkel traf. Gegen Mainz (3:1) und in Augsburg (2:0) halfen seine Tore dabei, Siege zu sichern. „Innerhalb der Mannschaft hat er wegen seines Einsatzwillens und seiner Bereitschaft schon immer ein hohes Ansehen genossen, aber durch die Tore wird seine Wichtigkeit jetzt auch der breiten Öffentlichkeit sichtbar“, sagt Zorniger. In der Champions League wartet Poulsen noch auf seinen ersten Treffer. Einen besseren Zeitpunkt als gegen Paris könnte es aus Leipziger Sicht dafür kaum geben.

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