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Fußball-Wettskandal : Im Sumpf der Korruption

Wie tief ist der Sumpf im Fußball? Bild: Dieter Rüchel

Am Freitag ließ die Uefa eine Bombe platzen: Wettbetrüger sorgen wieder für einen Skandal im internationalen Fußball. Doch mit ihrer kriminellen Energie sind sie nicht allein. Denn an vielen Stellen wird geschmiert und kassiert - nicht nur beim Wetten.

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          Wolfgang Feldner kennt die Machenschaften der Wettbetrüger. Der Deutsche leitet das Frühwarnsystem des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) in Zürich und ist weltweit den Manipulationsversuchen im Fußballwettgeschäft auf der Spur. Seine Erfahrungen decken sich mit denen der Kollegen aus dem Europäischen Fußballverband Uefa. „Spielmanipulationen aufgrund von Sportwetten sind eine der größten Bedrohungen für den Fußball – vergleichbar gefährlich wie das Doping“, sagt er.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Freitag ließ die Uefa eine Bombe platzen, als die Organisation zusammen mit der Staatsanwaltschaft in Bochum die Fakten lieferte für den bisher größten Wettskandal im Fußball. Knapp fünf Jahre nach der Affäre um den deutschen Schiedsrichter Hoyzer stehen diesmal 200 Spiele in ganz Europa bis zur Champions League unter Manipulationsverdacht – in Deutschland gibt es mit 32 Partien von der zweiten Liga abwärts die meisten Verdachtsfälle.

          Insgesamt 17 Haftbefehle seien bislang vollstreckt worden, davon 15 angeblich in Deutschland. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter ihre Aktivitäten vom Ruhrgebiet aus gesteuert haben. Bei den Manipulationen sollen Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Klubfunktionäre mitgemacht haben. Der Schaden wird derzeit mit rund zehn Millionen Euro angegeben. Uefa und Ermittlungsbehörden gehen aber von einer Ausweitung des Skandals aus. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, heißt es.

          „Der Markt in Asien ist unser ganz großes Problem“

          Die Spezialisten und Kontrolleure bei den Fußballverbänden wie der Fifa-Mann Feldner kämpfen gegen kriminelle Banden – an einer völlig unübersichtlichen Front. Mehrere hundert Milliarden Euro werden jedes Jahr in der ganzen Welt auf Sportwetten gesetzt. Wo betrügerische Absichten dahinterstecken, ist nicht einfach zu klären.

          Das gemeinsame Frühwarnsystem des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL), welches nach dem Hoyzer-Fall installiert wurde und versucht, manipulierte Wetten durch verdächtige Bewegungen bei den Wettquoten bekannter Wettanbieter frühzeitig zu orten, schlug keinen Alarm. „So gut die Warnsysteme sind, den Schwarzmarkt werden sie schwer überprüfen können. Von Wettunternehmen, die es offiziell gar nicht gibt, lassen sich schwierig Informationen bekommen“, sagt Feldner.

          In neun von zehn Betrugsfällen führt die Spur zu windigen Buchmachern nach Asien, wohl auch beim aktuellen Skandal. Dort werden traditionell die größten Wettumsätze gemacht – und dort lauern die größten Gefahren. In Ländern wie China ist das Wetten zwar verboten, es existiert aber eine Grauzone, in der auch die Wettmafia ihre kriminellen Ziele verfolgt. Riesige Wettvolumina werden in Singapur und Malaysia registriert, gewettet wird selbst auf Junioren-Fußballspiele in Europa. „Der Markt in Asien ist unser ganz großes Problem“, sagt Feldner.

          „Wir haben uns zu lange ein heile Welt vorgegaukelt

          Die internationale Polizei-Organisation Interpol startete dort bisher zwei Operationen unter dem Namen Soga (Soccer Gambling). Zuletzt wurden in zwei Monaten 1300 Verdächtige festgenommen und etwa 1000 illegale Spielhöllen ausgehoben, die meist von Banden auch zu Wettmanipulationen genutzt worden waren. Der Wettbetrug gerät immer mehr in den Fokus von Interpol, weil meist die organisierte Kriminalität dahintersteht und oft Erpressung sowie Gewalt eine Rolle spielen, heißt es auf Anfrage in der Interpol-Zentrale in Lyon.

          Ein Schatten liegt über dem internationalen Fußball. Die Branche bewegt sich allerdings schon seit Jahren auf sumpfigem Untergrund – nicht nur wegen der Bedrohung durch Spielmanipulationen. Wo groß investiert wird, wird viel geschmiert – das gilt auch hier. Hinter seiner glamourösen Fassade muss sich der Fußball mit dubiosen Beziehungsgeflechten, schmutzigem Geld, Bestechung und Menschenhandel auseinandersetzen. Nach Ausbruch des Hoyzer-Skandals in Deutschland vor knapp fünf Jahren hatte DFB-Präsident Theo Zwanziger, der sich damals als schneller Aufklärer hervortat, festgestellt: „Wir haben uns zu lange ein heile Welt vorgegaukelt.“

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