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Neuer Hertha-Trainer Labbadia : Ein Smalltown Boy für den Big City Club

  • -Aktualisiert am

Der neue Mann an der Berliner Seitenlinie: Bruno Labbadia Bild: dpa

Bruno Labbadia soll Hertha BSC aus der Abstiegsnot befreien. Dabei könnte auch seine ganz eigene Art entscheidend sein. Was genau zeichnet den neuen Berliner Trainer aus – und was ist seine besondere Gabe?

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          Seine Nähe macht ihn stark. Kräftiger Händedruck, ein aufmunterndes Schulterklopfen, dazu unbedingt direkter Augenkontakt: Am gewohnten Handwerkszeug von Bruno Labbadia muss leider ein wenig gearbeitet werden. Mitten in einer Zeit, in der Abstandhalten oberstes Gebot ist, tritt der kumpelhaft agierende Cheftrainer seinen neuen Job an. Dass Labbadia an einem Ostermontag zur ersten Trainingseinheit im Auftrag von Hertha BSC Berlin bittet, bleibt eine interessante Nuance der Fußball-Bundesliga. Neulich wollte der Hauptstadtklub mit Hilfe von Jürgen Klinsmann noch die Welt erobern. Vielleicht ist die Variante, die Dinge mit Labbadia erst einmal wieder ein wenig normaler und bodenständiger anzugehen, nicht die schlechteste.

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          Das Gute an Labbadia ist und bleibt: Wer ihn verpflichtet, bekommt nichts Überraschendes, sondern etwas Verlässliches. Im Alter von 54 Jahren wird der frühere Torjäger und erfahrene Übungsleiter vom Ruf begleitet, seiner Arbeit akribisch, ehrgeizig und schnörkellos nachzugehen. Labbadia hat als Trainer von Bayer Leverkusen, dem Hamburger SV oder dem VfB Stuttgart den Fußball nie neu erfunden. Aber er besitzt die Gabe, eine gute Basis aus Fitness, Teamgeist und Motivation zu schaffen.

          Seine frischeste Referenz lässt bis heute aufhorchen. Dass Labbadia den VfL Wolfsburg 2018 in den Relegationsspielen gegen Holstein Kiel vor dem Abstieg gerettet und in der Saison danach gleich bis in die Europa League geführt hat, gleicht einem Märchen. Allerdings fehlt das gute Ende für ihn selbst. Er war in Wolfsburg nicht mehr erwünscht und scheiterte an Disharmonien mit Geschäftsführer Jörg Schmadtke. Dass Labbadia seit seiner Demission im Mai 2019 ohne Beschäftigung war, bleibt angesichts seiner Erfolge rätselhaft.

          Möglichst wenig falsch machen

          Wo auch immer im modernen Profifußball gerade ein neuer Trainer gesucht wird, klingen die Anforderungen ungefähr so. Etabliert eine moderne Spielstrategie, kommuniziert zwischen Vereinsführung und Mannschaft, begeistert die Zuschauer mit seiner offensiv ausgerichteten Taktik – so lautet das Trainerprofil aus Sicht ambitionierter Vereine. Bis vor ein paar Wochen noch war Hertha BSC mit und vor allem wegen Klinsmann ein extrem ambitionierter Verein. Dann kamen der laute Bruch und die kuriose Trennung. Mit der Verpflichtung von Labbadia signalisieren die in Abstiegsnot geratenen Berliner nun ihre Bereitschaft, nicht im Hauruckverfahren alles auf einmal richtig bis besser machen zu wollen. Nach den Kapriolen mit Klinsmann dürfte es bei der Hertha erst einmal darum gehen, möglichst wenig falsch zu machen. Und dafür ist der grundsolide, in Darmstadt geborene Labbadia eine gute Wahl. Warum denn nicht einen Smalltown Boy für den Big City Club?

          Kommt alles so, wie es sich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) erhofft, dann hat Labbadia knapp einen Monat Zeit bis zur Fortsetzung der unterbrochenen Saison 2019/20. Da er nicht im Verdacht steht, seine Spieler mit multimedialen Präsentationen oder Workshops einzustimmen, kann die harte Arbeit auf dem Platz gleich beginnen. Dass Labbadia seine Spieler dabei nicht umarmen und hautnah umgarnen darf, wird für ihn ungewohnt sein. Aber was kann im Dialog mit einer Berliner Mannschaft, die in dieser Spielzeit schon auf den vierten Cheftrainer hören soll, eigentlich schlimmer werden als bisher? Beim VfL Wolfsburg war Labbadia der Amtsantritt durch zynische Sprechchöre der eigenen Fans erschwert worden. „Wir steigen ab. Wir kommen nie wieder. Wir haben Bruno La-bba-dia“ hieß es aus der heimischen Stadionkurve. Der Geschmähte nahm es tapfer hin und ließ lieber Erfolge für sich sprechen. Das hatte nichts mit falscher Neun, hohem Pressing oder 3-4-3 zu tun. Trotzdem war es eine gute Taktik.

          Mitten im Getöse des Profisports verfügt Labbadia über eine besondere Gabe. Er findet für komplexe Sachverhalte einfache Worte. Öffentlich anzuecken oder feine, verbale Spitzen zu setzen, gehört nicht zu seinen besten Bordmitteln. In Wolfsburg wäre es für ihn ein Leichtes gewesen, aus dem bundesweit bekannten Mangel an Männerfreundschaft zwischen ihm und Schmadtke eine öffentliche Schlammschlacht zu machen. Labbadia wählte leisere Töne und trat erhobenen Hauptes ab. „Es ist menschlich“, sagte der am Ende unerwünschte Trainer, „dass man nicht immer einer Meinung ist.“ Solch simples Vokabular wäre bei der neureichen Hertha und ihrem Klamauk mit Klinsmann vor ein paar Wochen Gold wert gewesen.

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