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„Lilien“ in zweiter Liga : Was Darmstadt 98 derzeit so stark macht

  • -Aktualisiert am

Darmstädter Erfolgsgarant: Tobias Kempe (rechts) soll auch im zweiten Saisonabschnitt seinem Team helfen. Bild: dpa

Kluge Personalentscheidungen, ein gutes Gespür für Worte und Taten: Die „Lilien“ starten mit Rückenwind und hohen Ambitionen in die Rückrunde der zweiten Liga.

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          Die „Lilien“ sind enorm in Vorleistung gegangen im vergangenen Jahr. Auf die beste Zweitliga-Rückrunde der Vereinsgeschichte folgte nach dem von Corona durchkreuzten Saisonstart eine fulminante Hinserie. Die Fans des SV Darmstadt 98 hatten lange nicht mehr so viel Freude an ihrem Klub wie zuletzt. Das lag an der arbeitsamen wie sympathischen Fußballmannschaft, die weit über das Niveau hinauswuchs, was ihr zugetraut worden war. Und am basisnahen Vorarbeiter Torsten Lieberknecht, der als Cheftrainer mit viel Gespür für richtige Worte und Taten den Höhenflug anleitete und moderierte.

          2. Bundesliga

          Im (selbstgewählten) Hintergrund hat Carsten Wehlmann mit klugen Personalentscheidungen die Basis für all dies gelegt. Der Sportdirektor, dem das Volkstribunhafte von Lieberknecht abgeht, hatte bei den „Lilien“-Anhängern lange keinen leichten Stand. Dies dürfte zu einer vergangenen Episode werden, sollten die Aufstiegshoffnungen im nun beginnenden Spieljahr weiter kräftig genährt werden. Rang zwei und satte fünf Punkte Vorsprung vor den dritt- und viertplatzierten Hamburgern und Schalkern sind ein Pfund, das Zuversicht spendet. „Bei uns dreht keiner durch – da habe ich bei unseren Jungs auch keine Sorge. Vorfreude auf den Wiederbeginn ist das vorherrschende Gefühl“, sagt Wehlmann.

          An diesem Samstag zur Primetime (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Liga sowie bei Sky und Sport1) starten die Darmstädter in das 16 Partien währende Unterfangen, die unverhoffte wie große Erstliga-Chance zu ergreifen. Gegner im Stadion am Böllenfalltor, das unter normalen Bedingungen gewiss ausverkauft gewesen wä­re, ist der Karlsruher SC. Das Neujahrsprogramm sieht anschließend ein Gastspiel beim Tabellenletzten FC Ingolstadt vor, gefolgt von einem Heimspiel gegen den HSV, den die „Lilien“ dann im direkten Duell weiter distanzieren könnten. „Auch wenn es viele nicht mehr hören mögen: Wir wollen weiter so ehrgeizig jedes Spiel angehen wie in der Hinrunde. Damit wollen wir am Samstagabend wieder beginnen. Es gibt andere Teams in der Liga, die andere Ansprüche und Vorgaben haben“, sagt Wehlmann.

          Erfolgreiche Vertragsgespräche

          Der 49-jährige Norddeutsche hat in Südhessen zuletzt die Gunst der erfolgreichen Stunde genutzt und erfolgreich Vertragsgespräche geführt. Die Kontrakte von Kapitän Fabian Holland, Tobias Kempe, Marvin Mehlem, Mathias Honsak, Matthias Bader, Fabian Schnellhardt sind vorzeitig verlängert worden. Mit dem 20-jährigen André Leipold (Wacker Burghausen) ist im Winter ein Perspektivspieler für die Offensive verpflichtet worden, der sich ohne Druck in Darmstadt zunächst akklimatisieren soll. Mehlem und Tim Skarke sind nach langen verletzungsbedingten Ausfallzeiten wieder bei vollen Kräften und wirken wie Neuzugänge. Mit Adrian Stanilewicz, Ensar Arslan und Leon Müller beherbergt der Kader aber auch drei Kräfte, die bei Lieberknecht sportlich außen vor sind. Abgang in dieser Wintertransferperiode: erwünscht.

          „Die Kandidaten“, so Wehlmann, „kennen ihre Situation, dass sie voraussichtlich auf kaum oder keine Spielzeit kommen werden.“ Gegenstand von Spekulationen wird in den kommenden Wochen sicher die Personalie Luca Pfeiffer werden. Mit zwölf Treffern (ebenso viele wie Sturmpartner Phillip Tietz) hat der großgewachsene Angreifer sich in den Vordergrund geschossen und geköpft. Laut Leihvertrag kehrt der 25-Jährige am Saisonende zum dänischen Erstligaklub FC Midtjylland zurück. Wehlmann dämpft die Erwartungen, einen Stürmer mit solch einer Quote in Darmstadt halten zu können. „Es müssen viele Faktoren zusammenkommen, ihn über das Leihende hinaus binden zu können. Wir müssen schauen, welche Möglichkeiten es gibt, dies zu realisieren. Wir können nicht mit einem Tresor hochfahren und das Geld auf den Tisch legen“, sagt der Sportdirektor.

          Bleibt die akute Frage, wie das von September bis Dezember fröhlich und frei durch die Liga gezogene Ensemble mit den veränderten Rahmenbedingungen von Januar an zurechtkommt. Wird es seine Lockerheit bewahren können angesichts des Aufstiegsthemas, das rund um den Klub naturgemäß heiß diskutiert, aber intern abgestritten wird? Kann es weiter die Haltung konservieren, dass Siege ein Ge­nuss, aber keine Pflicht sind? Findet es einen Umgang damit, wenn Misserfolge fortan stets als Rückschläge im Aufstiegskampf klassifiziert werden?

          Die Darmstädter bauen auf die Kraft des vielbeschworenen intakten Binnenklimas. „Die Gruppe und der Teamgeist sind unsere Stärke. Das ist es, was diese Mannschaft auszeichnet“, sagt Wehlmann. Bei der Generalprobe im heimischen Stadion gegen Ligakonkurrent Jahn Re­gensburg am vergangenen Samstag waren die „Lilien“ schon wieder gut in Schwung. Beim überzeugenden 4:2-Erfolg (Spielzeit 4x30 Minuten) hätten „viele Abläufe schon gestimmt“, so Wehlmann. „Aber am Samstagabend zählt  es erst.“

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