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Fußball-Übertragungsrechte : Finanzieller Meilenstein für Bundesliga

  • Aktualisiert am

Die Duelle zwischen Schalke und Dortmund werden auch von 2013 an in Sportschau, Sportstudio und bei Sky zu sehen sein Bild: dpa

Auch von 2013 an zeigen ARD, ZDF und Sky die Spiele der Fußball-Bundesliga - und zahlen deutlich mehr Geld als bisher an den Ligaverband. Die Telekom ist bei der Rechtevergabe der große Verlierer.

          Die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga werden für die Vereine zur Goldgrube. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) nimmt in den Spielzeiten von 2013 bis 2017 insgesamt 2,5 Milliarden Euro ein. Das sind im Schnitt 628 Millionen Euro pro Saison, rund die Hälfte mehr als in den drei Jahren davor, als sie sich mit 412 Millionen begnügen musste.

          „Dieses Ergebnis hat unsere Erwartungen übertroffen“, sagte Liga-Geschäftsführer Christian Seifert am Dienstag in Frankfurt am Main. „Die heutige Entscheidung ist ein Quantensprung für die Bundesliga“, sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball.

          Als großer Sieger geht der defizitäre Bezahl-Fernsehsender Sky Deutschland aus dem Rechte-Poker hervor. Das zum Imperium von Medienzar Rupert Murdoch gehörende Unternehmen setzte sich auf ganzer Linie gegen die Deutsche Telekom durch, die sich ebenfalls um die Live-Rechte beworben hatte.

          Der Bezahlfernsehsender muss in den vier Spielzeiten von 2013/14 an allerdings fast doppelt so viel für die Live-Rechte zahlen wie zwischen 2009 und 2013. Insgesamt lässt sich das vom Medienzar Rupert Murdoch beherrschte Unternehmen die Übertragungsrechte damit gut 1,9 Milliarden Euro kosten.

          Im Schnitt werde Sky Deutschland damit 485,7 Millionen Euro pro Spielzeit für die Fernseh-, Internet- und Web-TV-Rechte zahlen, bisher waren es 250 Millionen Euro. Sky und Telekom seien jeweils „mit sehr starken, sehr ambitionierten Geboten an den Start gegangen“, sagte Seifert.

          Auch in den vier Spielzeiten von 2013 an werden die Livespiele bei Sky zu sehen sein

          Sky Deutschland darf künftig nicht nur im Fernsehen alle 612 Spiele der 1. und 2. Bundesliga live übertragen, sondern auch im Internet (Web-TV) und im internetgestützten Fernsehen (IP-TV) und auf Handys. Die Telekom hatte bisher 25 Millionen Euro für die IP-TV-Rechte gezahlt und diese für ihr „Entertain“-Angebot genutzt.

          Für Sky Deutschland ist die Bundesliga das größte Zugpferd. Der sich abzeichnende Erfolg hatte die Sky-Deutschland-Aktie im Vorfeld um ein Viertel nach oben getrieben. Nach Bekanntgabe der Preise bröckelten die Gewinne später etwas ab.

          Telekom: „Wir sind an die Grenze gegangen“

          Die Telekom setzt nach dem Zuschlag der Bundesliga-Übertragungsrechte im Bezahlfernsehen an Sky künftig auf eine Zusammenarbeit mit dem Abosender. „Ich gehe davon aus, dass wir eine kommerzielle Einigung mit Sky hinbekommen“, sagte der Marketing-Chef der Telekom Deutschland, Christian Illek, in einer Telefonkonferenz.

          So wie die Telekom es im umgekehrten Fall getan hätte, rechne man nun damit, dass Sky dem Bonner Konzern ein Angebot unterbreiten werde. Illek zeigte sich enttäuscht über den Ausgang der Auktion um die Fußballrechte. „Wir sind an die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren gegangen“, betonte der Marketing-Chef. Genaue Zahlen nannte er nicht. Nach weiteren Worten von Illek werde es das Produkt Liga Total, das die Telekom über ihr Entertain-Programm ausstrahlt, ab der Bundesliga-Saison 2013/14 nicht mehr in dieser Form geben.

          „Dieses Ergebnis hat unsere Erwartungen übertroffen“: Liga-Geschäftsführer Christian Seifert freut sich mit Liga-Präsident Reinhard Rauball (rechts)

          Vom August 2013 an sind die Höhepunkte aller Spiele auch im Internet zu sehen. Unter Bild.de werden bis zu sechs Minuten lange Zusammenfassungen der Begegnungen aus der ersten und zweiten Liga gezeigt, teilte das Medienhaus Axel Springer nach dem Kauf der Rechte von der Deutschen Fußball Liga mit.

          Der Abruf soll eine Stunde nach Spielende als Pay-Angebot und ab 00.00 Uhr des Folgetages frei empfangbar möglich sein. Das Angebot für Web-TV und Smartphones ist kostenpflichtig, ein konkreter Preis stehe noch nicht fest, sagte eine Sprecherin. Bei den Spielen am Freitag und Sonntag werden bereits 60 Minuten nach Abpfiff die Höhepunkte gezeigt, am Samstag laufen die Zusammenfassungen der 15.30-Spiele um 18.30 Uhr, ab 21.15 Uhr folgt das Top-Spiel. Das gleiche gelte für die zweite Liga.

          Springer steigt ein, Sportstudio des ZDF bleibt

          Axel Springer hatte erstmals Verwertungsrechte des Ligaverbandes erhalten. Was Europas größtes Zeitungshaus für das sogenannte Paket M bezahlt, wollte die Sprecherin nicht sagen. Die Rechtepakete seien „wie gemacht“ für die Bezahlstrategie von „Bild“, erklärte Donata Hopfen, Geschäftsführerin von Bild digital. Der Erwerb sei ein wichtiger Schritt, um auf allen digitalen Endgeräten ein attraktives Bezahlangebot etablieren zu können.

          Auch das ZDF-Sportstudio am Samstagabend bleibt erhalten, möglicherweise schon früher als zur bisherigen Anfangszeit um 23 Uhr. Der Spartensender Sport 1 zeigt weiterhin Höhepunkte der Bundesliga-Spiele am Sonntagvormittag und ein Spiel der zweiten Liga am Montagabend live.

          Teurer Fußball: Die Entwicklung der Einnahmen aus dem Verkauf der Übertragungsrechte im Inland

          Hoch erfreut hat sich der Deutsche Fußball-Bund über die Vergabe der Bundesliga-Fernsehrechte geäußert. „Große Gratulation an den Ligaverband. Das ist ein Abschluss, der über den Erwartungen liegt“, sagte der neue DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in einer Stellungnahme.

          Weiterhin betonte er: „Die Bundesliga nimmt ohne Zweifel in punkto Solidität, Seriosität und wirtschaftliche Stabilität die Spitzenposition in Europa, ja in der Welt, ein.“ Auch aus Sicht des DFB könne man sehr stolz auf die Bundesliga sein. „Wir sind froh, dass mit den neuen Medienverträgen die wirtschaftliche Position des Profifußballs in Deutschland abermals gestärkt wird, wovon auch der Amateurfußball profitiert“, sagte Niersbach weiter.

          Die Medienrechte für die Bundesligen ab 2013

          BUNDESLIGA:

          Live-Rechte Pay-TV (alle 306 Spiele) - Sky
          Live-Rechte IPTV (alle 306 Spiele) - Sky
          Live-Rechte Web- und Mobile-TV (alle 306 Spiele) - Sky
          Live-Rechte Free-TV (7 Spiele) - ARD

          Erstverwertung Pay-TV (Samstag/17.30-18.30+20.30-21.30) - Sky
          Erstverwertung Pay-TV (Sonntag/19.00-20.00) - Sky
          Erstverwertung Free (Samstag/18.30-20.15) - ARD
          Erstverwertung Free (Sonntag/21.15-23.00) - ARD
          Erst- und Zweitverwertung Free (Samstag/21.45-24.00) - ZDF
          Drittverwertung Free (Sonntag/06.00-15.00) - SPORT1
          Web- und Mobile-TV (Pay/ab 1 Stunde nach Spielende) - Springer
          Web- und Mobile-TV (Free/ab Mitternacht des Spieltages) - Springer

          2. BUNDESLIGA:

          Live-Rechte Pay-TV (alle 306 Spiele) - Sky
          Live-Rechte Free-TV (Montag/20.15) - SPORT1

          Erstverwertung Free-TV (Freitag/22.30-24.00) - SPORT1
          Erstverwertung Free-TV (Samstag/18.30-20.15) - ARD
          Zweitverwertung Free-TV (Samstag/21.45-24.00) - ZDF
          Erstverwertung Free-TV (Sonntag/19.15-21.00) - SPORT1
          Web- und Mobile-TV (Pay/ab 1 Stunde nach Spielende) - Springer
          Web- und Mobile-TV (Free/ab Mitternacht des Spieltages) - Springer

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