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Fußball : Theater um Thurk

  • -Aktualisiert am

Umworben von der Eintracht: Michael Thurk Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Mainzer Stürmer Thurk, der von Eintracht Frankfurt umworben wird, schießt scharf - gegen den eigenen Verein. Von Trainer Klopp und anderen Mainzer Verantwortlichen fühlt er sich hintergangen, wie Thurk sagt.

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          Die Geschichte beginnt mit einem Anruf des Frankfurter Trainers Friedhelm Funkel bei seinem Mainzer Kollegen Jürgen Klopp. Wobei die Aussagen differieren, ob das Telefonat nun vor vier, drei oder zwei Wochen stattgefunden hat. Sicher ist; Funkel fragte an, ob die Bundesligakonkurrenz vom Rhein ihren Topstürmer Michael Thurk abgeben wolle. Der Cheftrainer des FSV Mainz 05 verneinte, und damit, so Funkel, sei das Thema durch gewesen. Offensichtlich aber nicht so ganz, denn am Samstagabend klingelte Funkel bei Thurk direkt an und bekundete Interesse, falls der 30 Jahre alte Angreifer den Bruchweg verlassen möchte.

          Was sich außerdem zugetragen haben dürfte in jüngster Vergangenheit, ist ein mehr oder weniger informelles Gespräch zwischen dem Mainzer Manager Christian Heidel und seinem Leverkusener Kollegen Michael Reschke. Hintergrund: Was würde es kosten, wenn der ukrainische Nationalstürmer Andrej Woronin nach Mainz wechselt? Die Antwort von Reschke, ob nun als Modellrechnung gedacht oder als konkretes Angebot: 1,5 bis zwei Millionen Euro plus den besten Mainzer Stürmer - also Michael Thurk.

          Das von diversen Medien kolportierte angebliche Interesse an Woronin hatte Heidel bereits in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 16. Juli vehement dementiert, und vor drei Tagen nochmals in der Mainzer Rhein-Zeitung. Doch das Kind war längst in den Brunnen gefallen, schließlich kann Thurk Zeitung lesen, und der zwölfmalige Saisontorschütze interpretierte die Kontakte seines Arbeitgebers zu den genannten anderen Klubs als Vertragsofferten, die man ihm unterschlagen habe. Und so polterte er am Sonntagabend im Mainzer Trainingslager in Bad Gögging heftig los.

          „Von Klopp verarscht“

          Ja, er sei ganz sicher, daß Mainzer Verantwortliche mit Leverkusen verhandelt hätten, er fühle sich hintergegangen, „man hat mich an der Nase herumgeführt, der Verein hat mich belogen“. Weil er nicht informiert worden sei. Auf die Nachfrage, ob ihn denn Eintracht Frankfurt verpflichten wolle, sagte Thurk: „Ja.“ Von Klopp, so der Stürmer weiter, „fühle ich mich verarscht“. Weil ihn sein Trainer nicht über den Anruf von Funkel in Kenntnis gesetzt habe.

          Nun könnte man die ganze Sache als veritables Sommertheater in punktspielfreier Zeit abtun, doch so einfach ist das alles nicht. Denn einerseits besteht zwischen Heidel und Heribert Bruchhagen, dem Vorstandsvorsitzenden der Eintracht Frankfurt Fußball AG, das Agreement, sich gegenseitig keine Profis abzuwerben. Zudem habe Funkel, so Heidel, mit seinem Angebot an Thurk (“Ich habe immer gesagt, daß ich offen bin für andere Vereine“) gegen die Statuten der Deutschen Fußball Liga (DFL) verstoßen. Deshalb ist Heidel vergrätzt, Spielerberater Klaus Gerster rät seinem Klienten Thurk, der noch einen Vertrag bis 30. Juni 2008 beim FSV Mainz 05 besitzt, sich öffentlich zurückzuhalten, die Stimmung im Mainzer Trainingslager ist ziemlich mies, und Klopp ist sauer auf Funkel.

          Rein sportlich ist für die Mainzer Verantwortlichen eines klar: Ein Vereinswechsel von Thurk kommt überhaupt nicht in Frage, schließlich sucht man nach dem Transfer von Benjamin Auer zum VfL Bochum und der Verletzung von Conor Casey seit Wochen händeringend nach einem treffsicheren Zentrumsstürmer. Und nachdem sich die Verpflichtung eines Argentiniers (Ablösebetrag etwa eine Million Euro) endgültig zerschlagen hat, packt Heidel nun den sogenannten „Plan B“ an. Mit dem Berater der zweitrangigen Personalie sei man sich einig, mit dem abgebenden Verein müsse noch die Transferentschädigung geklärt werden.

          Schlechte Stimmung wegen „privater Dinge“

          Was Thurk derzeit im Innersten antreibt, erschließt sich niemandem. Sportlicher Ehrgeiz, ad hoc wieder im Uefa-Pokal zu spielen? Fühlt er sich nicht ausreichend gewürdigt? „Ich werde mir hier in Bad Gögging meine Gedanken machen müssen“, meint er viel- und gleichzeitig nichtssagend. Doch seine überwiegend schlechte Stimmungslage ist nicht zu übersehen, seit Wochen geht das schon. „Private Dinge“, sagt er dazu.

          Schon einmal hatte der gebürtige Frankfurter für reichlich Wirbel in Mainz gesorgt, als nämlich sein Vertrag nicht frühzeitig verlängert worden war. Thurk wechselte zu Energie Cottbus, kehrte nach einem halben Jahr zurück, wobei er 50.000 Euro aus eigener Tasche bezahlte, und schoß die Mainzer im Mai 2004 in die erste Fußball-Bundesliga.

          In einer einstündigen Aussprache machte Heidel inzwischen dem streitlustigen Angreifer klar, daß man ihn nicht belogen und nie die Absicht bestanden habe, ihn an einen anderen Klub abzugeben. Zudem wurde Thurk aufgefordert, seine Beschuldigungen zurückzunehmen. Und es wurde auch bekannt, daß Mainz 05 schon vor geraumer Zeit eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2009 angeboten hat - zu erhöhten Bezügen.

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