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Ausnahmezustand bei Schalke 04 : Wer spielt noch mit?

  • -Aktualisiert am

Schutzhaltung beim Schalker Spieler Amine Harit: Sich besser nicht den radikalen Fans zeigen. Bild: EPA

Nach der dem Abstieg folgenden Nacht der Gewalt will Schalke 04 Strafanzeige stellen und überlässt es seinen Fußballern, ob sie in dieser Saison noch für den Klub spielen wollen.

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          Gerald Asamoah ist ein sehr emotionaler Mensch, auch deshalb passt der ehemalige Stürmer so gut zum FC Schalke 04. Das galt während seiner Zeit als Spieler, und auch jetzt – Asamoah ist Team-Manager. Nach der tiefen Abstiegstrauer, die ihn am Dienstag erfasst hatte, berichtete er nun von ganz anderen Gefühlen aus diesem finsteren Gelsenkirchener Fußballkapitel.

          Bundesliga

          „Es war eine harte Situation. So etwas kenne ich nicht von Schalke“, sagte er zu den Übergriffen eines Mobs von angeblich 500 Personen, der die Mannschaft in der Nacht nach dem Abstieg auf dem Vereinsgelände erwartet hatte. „Mir bleiben zwei Bilder in Erinnerung: Ein Mitarbeiter liegt auf dem Boden und wird getreten, und die Angst in Buyos Augen werde ich nicht vergessen.“ Buyo ist der Spitzname von Assistenztrainer Mike Büskens.

          Die Polizei ermittelt noch, womöglich sind nur Einzelne wirklich aggressiv gewesen. Und doch sind Profifußballer in Deutschland nie zuvor nach einem Misserfolg auf diese Art und Weise angegriffen worden und in ihrer körperlichen Unversehrtheit bedroht gewesen. Augenzeugen berichten, dass einer der Rädelsführer in einer Rede offen Drohungen ausgesprochen haben soll. Auch die Polizei, die mit einer Hundertschaft vor Ort war, berichtete von „massiven Aggressionen“ die weiterhin eine Bedrohung darstellen.

          Der Redner soll verkündet haben, dass Spieler, die sich in den kommenden Wochen nicht nach den Vorstellungen der Gewalttäter verhalten, verfolgt werden. Das geht aus dem Bericht eines Augenzeugen hervor, der in den sozialen Netzwerken kursiert. Gefordert wurde demnach, dass in den verbleibenden vier Partien nur noch Profis zum Einsatz kommen, die im kommenden Jahr bereit sind, auf Schalke für das Projekt Wiederaufstieg zu kämpfen. Es sei „desaströs, wenn man um Leib und Leben unserer Mitarbeiter fürchten muss“, teilte Sportvorstand Peter Knäbel mit.

          Aus der Nacht der Gewalt zog der FC Schalke nun eine bemerkenswerte Konsequenz. Zwar wurde entgegen erster Berichte kein Polizeischutz für die Spieler angefordert, aber es soll Strafanzeige gestellt werden. Zum anderen wurde den Fußballern freigestellt, ob sie in dieser Saison noch für den Klub spielen wollen. „Wir führen mit jedem Spieler Einzelgespräche. Fragen, was hängen geblieben ist, und bieten Hilfe an“, sagte Knäbel. „Wenn einer die restlichen vier Partien nicht mehr für Schalke auflaufen will, kann ich mit dieser Position leben.“

          Die Spieler haben nun Zeit, sich in Ruhe zu überlegen, wie sie nach diesen Erlebnissen weitermachen wollen. Das Duell mit Hertha BSC, das an diesem Wochenende angesetzt war, wurde aufgrund der Covid-Fälle im Kader der Berliner auf den 12. Mai verlegt. Schalkes nächster Bundesliga-Termin ist ein Spiel in Hoffenheim am 7. Mai (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky).

          Dort spielt dann womöglich nur noch eine Rumpftruppe, was einerseits nachvollziehbar wäre nach den Ereignissen und der berechtigten Sorge vor neuen Übergriffen. Andererseits sind die Schalker Spiele gegen Berlin, Frankfurt sowie in Köln von großer Bedeutung für andere Klubs. Die Schalker selbst machen sich unterdessen ganz andere Sorgen. Denn welcher Profi will nach diesem Desaster künftig auf Schalke spielen, wenn er für ein ähnliches Gehalt in Heidenheim, Paderborn oder Regensburg spielen kann?

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