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Fußball-Regelecke : Wie lange dauert die Nachspielzeit?

Erklärt den Fußball: die FAZ.NET-Regelecke Bild: Bernd Helfert

Wer zwei Minuten anzeigt, muss auch nach zwei Minuten abpfeifen, behaupten Trainer und Spieler des VfL Bochum. Sie empfinden das Gladbacher Tor nach Ablauf der Nachspielzeit als regelwidrig. Haben sie Recht? Die FAZ.NET-Regelecke klärt auf.

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          Von „Schande“ und „Frechheit“ sprachen die Spieler des VfL Bochum am Donnerstag Abend, nachdem sie im Relegationsspiel bei Borussia Mönchengladbach in der dritten Minute der Nachspielzeit doch noch einen Gegentreffer zur 0:1-Niederlage kassiert hatten. Grund für ihren Ärger war aber nicht etwa die missratene Rettungsaktion, die dem späten Tor von Igor de Camargo vorausgegangen war, sondern die überlange Extrazeit, die Schiedsrichter Günther Perl gewährte.

          Achim Dreis
          (ad), Sport

          Der vierte Offizielle an der Seitenlinie hatte zwei Minuten Zuschlag angezeigt, der möglicherweise für den Bochumer Nicht-Aufstieg maßgebliche Treffer war aber erst 20 Sekunden nach Ablauf dieser Zeitspanne gefallen. Trainer Friedhelm Funkel tobte und behauptete: „Deswegen haben wir das Spiel verloren.“ Es sei traurig, „dass der Schiedsrichter das Spiel so entscheidet“, legte Funkel nach und versteifte sich auf strikt einzuhaltendes Time-Management: „Wenn er zwei Minuten Nachspielzeit anzeigt, dann muss er auch nach zwei Minuten abpfeifen.“ Aber stimmt das auch?

          Der Schiedsrichter kann die Nachspielzeit bei Bedarf verlängern

          In Regel 7 zur „Dauer des Spiels“ erklärt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) unter dem Stichwort Nachspielzeit: „In jeder Spielhälfte wird die Zeit nachgespielt, die verloren geht für Auswechslungen, Verletzungen von Spielern, Transport verletzter Spieler vom Spielfeld, Zeitschinden oder jeden anderen Grund.“ Und als Nachsatz folgt der Hinweis: „Die nachzuspielende Zeit liegt im Ermessen des Schiedsrichters.“

          Unterschiedliches Zeitgefühl: Trainer Friedhelm Funkel (r.) und Schiedsrichter Günter Perl (Mitte)
          Unterschiedliches Zeitgefühl: Trainer Friedhelm Funkel (r.) und Schiedsrichter Günter Perl (Mitte) : Bild: dpa

          Im Richtlinien-Katalog des Weltverbandes (Fifa) heißt es, der vierte Offizielle zeige am Ende der letzten Minute jedes Spielabschnitts an, wie viele Minuten gemäß Entscheidung des Schiedsrichtern mindestens nachgespielt werden.“ Das Wörtchen mindestens ist dabei das Entscheidende, denn es heißt nachfolgend: „Diese Anzeige ist keine exakte Angabe der nachzuspielenden Zeit. Der Schiedsrichter kann die Nachspielzeit bei Bedarf verlängern, nicht aber kürzen.“ Einspruch abgewiesen.

          Theorie und Praxis mit Herbert Fandel

          Auch Herbert Fandel, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission, legte Wert auf die Begriffsdefinition „Mindestdauer der Nachspielzeit“ und lässt den Bochumer Klagen keinen weiteren Raum: „Wie lange der Schiedsrichter darüber hinaus weiterspielen lässt, liegt in seinem Ermessen.“ Fandel selbst stand zu seiner aktiven Zeit als Fifa-Schiedsrichter auch einmal wegen seiner Auslegung der Nachspielzeit-Regel im Mittelpunkt der Kritik. Das Champions-League-Finale 2007 zwischen dem AC Mailand und dem FC Liverpool (2:1) pfiff er nach exakt zwei Minuten und 41 Sekunden Nachspielzeit ab - obwohl drei Minuten angezeigt waren - und raubte somit dem FC Liverpool seine finale Ausgleichsmöglichkeit.

          Obwohl dieser verfrühte Pfiff tatsächlich gegen das Mindestmaß-Axiom verstieß, musste sich Liverpool in sein Schicksal fügen: Punkt 9 der „Zusätzlichen Erläuterungen“ zum Thema Nachspielzeit lautet nämlich: „Mit der Festlegung der Spielzeit trifft der Schiedsrichter eine Tatsachen-Entscheidung.“

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