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Neuer Eintracht-Trainer Hütter : „Respekt vor allem, Angst vor nichts“

Der neue Eintracht-Trainer Adi Hütter bei seiner Vorstellung in Frankfurt. Bild: dpa

Eintracht Frankfurt präsentiert seinen Trainer. Adi Hütter will weiterentwickeln, was Vorgänger Niko Kovac begonnen hat. Der Österreicher freut sich auf die Europa League, weiß aber noch nicht, wie sein Kader ausschaut.

          Eintracht Frankfurt steht vor einem Sommer, in dem der Klub mal wieder umfassende Umbauarbeiten zu bewältigen hat. Durch den Pokalsieg kehrt die Mannschaft nach vierjähriger Unterbrechung ins europäische Fußballgeschäft zurück. Die Erfolge der vergangenen Monate führten dazu, dass tragende Kräfte des Aufschwungs wie Torwart Lukas Hradecky oder Mittelfeldmann Marius Wolf das Interesse der zahlungskräftigeren Konkurrenz weckten – und weggekauft wurden. Alex Meier, von den Fans als „Fußball-Gott“ verehrt, verlor dagegen nach 14 Jahren unerschütterlicher Treue zum Verein das Vertrauen der Sportlichen Leitung und hinterlässt als Identifikationsfigur eine große Lücke, von der nicht absehbar ist, wer sie füllt.

          Die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Herausforderungen, die es in Kombination durchaus in sich haben, möglichst komplikationslos gelöst werden können, kommt künftig vor allem Adi Hütter zu. Der 48 Jahre alte Österreicher wurde am Mittwochmittag als neuer Chefcoach der Hessen offiziell vorgestellt. Hütter wird Anfang Juli, noch während die Weltmeisterschaft in Russland in vollem Gange ist, das Training bei der Eintracht aufnehmen. „Ich freue mich darauf“, sagte der ehemalige Profi, nachdem er in weißem Hemd und blauem Sakko mit Einstecktuch im Blitzlichtgewitter der Fotografen auf dem Podium in der Frankfurter Arena Platz genommen hatte: „Meine ersten Eindrücke sind sehr gut.“

          Hütter arbeitete bis dato bei Young Boys Bern. Bei den Schweizern benötigte er drei Jahre Anlauf, um Geschichte zu schreiben. Die Meisterschaft in dieser Saison war für den Erstligaverein die erste seit 32 Jahren. Am Sonntag unterlag Hütter in seinem Abschiedsspiel mit Bern im Pokalfinale dem FC Zürich. Erst seitdem, so behauptete er, beschäftige er sich eingehender mit der Eintracht. Das Engagement bei den Young Boys habe er „professionell bis zum letzten Tag“ ausgeübt.

          Eine offensive Spielphilosophie

          Zu seiner Fußballphilosophie gehöre die Vorstellung, „dass die Zuschauer ins Stadion kommen, weil sie sehen wollen, dass nach vorne gespielt wird“. Hütter bezeichnete sich als Verfechter eines „offensiven“ Stils, doch er lege Wert darauf, dass seine Lehre von den Spielern nicht so interpretiert werde, dass ein „bedingungsloses Spektakel“ daraus wird: „Das ist zu riskant, deswegen muss auch ein Plan B vorhanden sein.“ Hütter fügte an, dass er die „kompakte Verteidigung“ auch in Frankfurt nie außer Acht lasse. Es sei eine „spannende“ Angelegenheit herauszufinden, wie seine theoretischen Konzepte ganz praktisch zur Eintracht passen: „Das Gefüge der Mannschaft ist das Wichtigste, der Teamspirit muss stimmen. Es geht grundsätzlich nur übers Kollektiv und nicht um einen Einzelnen. Dann kann man Spaß haben.“ Er bezeichnete sich als „sehr kommunikativen“ Trainer, der daran interessiert sei, „welcher Mensch sich hinter dem Spieler verbirgt“.

          Disziplin, Respekt und die Bereitschaft zu harter Arbeit hätten ihn zu dem gemacht, was er heute ist – entsprechend schätzt er (wie auch Kovac) diese Tugenden, besonders. Seine Erfahrung habe ihn gelehrt, dass Profis es eher bevorzugen, wenn sie „mit strenger Hand“ anstatt der Laissez-Faire-Methode geführt würden. „Ich bin nicht der Freund der Spieler. Aber auch weit weg davon, dass ich ihr Gegner wäre. Ich habe Respekt vor allem. Aber Angst vor nichts.“

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