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Fußball-Nationalmannschaft : Kuranyi präsent - Ballack verschärft Sorgen

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Ein Bild der Vergangenheit - und eines der Zukunft? Joachim Löw (l.) und Kevin Kuranyi Bild: dpa

Joachim Löw denkt über Kevin Kuranyi nach - eine Rückkehr des Schalkers ins DFB-Team muss das allerdings nicht bedeuten. Felix Magath drängt auf eine schnelle Entscheidung - Löw aber will sich Zeit lassen. Nun verschärft auch noch Michael Ballack die Sorgen.

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          Joachim Löw will den „Fall“ Kevin Kuranyi mit seinem Stab neu beraten - ein Zeichen für eine Begnadigung des Schalker Stürmers aber ist dies noch nicht. „Wer sagt denn, dass wir umdenken?“, erklärte der Bundestrainer am Sonntag und ergänzte: „Selbstverständlich machen wir uns auch Gedanken, weil das Thema präsent ist in Deutschland. Wir werden für uns die richtige Entscheidung treffen.“ Diese soll dann noch vor der offiziellen Berufung seines WM-Aufgebots am 6. Mai öffentlich gemacht werden.

          Kuranyi war nach seiner Tribünen-Flucht während des Länderspiels gegen Russland vor 18 Monaten von Löw aus der deutschen Fußball- Nationalmannschaft verbannt worden. Nach 18 Bundesliga-Toren hatten zahlreiche Prominente mit Franz Beckenbauer an der Spitze eine Begnadigung von Kuranyi für die WM ab 11. Juni angeregt. „Jetzt ist die Frage: Wie wahre ich mein Gesicht“, kommentierte der „Kaiser“ am „Sky“-Mikrofon eine mögliche Wende in Löws Personalpolitik.

          Der Bundestrainer aber ordnet das Thema Kuranyi bei der WM- Klausurtagung, zu der sich Löw von diesem Montag an mit Ko-Trainer Hansi Flick, Torwartcoach Andreas Köpke und Chefscout Urs Siegenthaler für drei Tage in den Schwarzwald zurückziehen wird, nicht als vorrangig ein. Andere Sorgen plagen den 50-Jährigen weit mehr. So muss Löw nach dem Einzug von DFB-Kapitän Michael Ballack mit dem FC Chelsea ins englische Pokalfinale in der ersten WM-Vorbereitungsetappe auf einen weiteren wichtigen Spieler verzichten.

          „Es ist allein die Entscheidung des Bundestrainers“

          Ohnehin fehlen beim Fitnesstest am 12. Mai in Düsseldorf und beim ersten Weltmeisterschafts-Testspiel einen Tag später in Aachen gegen Malta schon die Spieler des FC Bayern und von Werder Bremen, die am 15. Mai in Berlin das DFB-Pokal-Endspiel bestreiten. Auch Ballack muss an diesem Tag ran. Erreicht der Hamburger SV noch das Finale der Europa League am 12. Mai und der FC Bayern das Champions-League- Endspiel am 22. Mai müsste Löw gleich für der Hälfte seines WM- Personals einen Sonder-Vorbereitungsplan entwickeln.

          Löw hat mit seinen Aussagen nach langem Schweigen zum Thema Kuranyi erst einmal Zeit gewonnen; er wird abwarten, ob Kuranyi auch zum Saison-Endspurt seine imponierende Quote bestätigen kann. Der frühere Nationalkeeper Oliver Kahn wies auf die besondere Bedeutung der WM-Vorbereitung und die speziellen Anforderungen eines WM-Turniers hin: „Spieler, denen vorher nichts gelungen ist, sind wie entfesselt. Andere, die vorher sensationell waren, treffen plötzlich keinen Ball mehr, weil sie dem Druck nicht standhalten. Es ist ein Trugschluss zu sagen: Wer jetzt gut in Form ist, ist es auch bei der WM.“

          Schalke-Trainer Felix Magath drängt allerdings auf eine schnelle Entscheidung, ob Kuranyi doch noch ins WM-Aufgebot rücken kann. „Es wäre schön, wenn das Thema - wie auch immer - jetzt erledigt werden könnte“, sagte Magath am Sonntag im TV-Sender Sport1 mit Hinweis auf die wichtigen Endphase in der Fußball-Bundesliga. Kuranyi würde sich „über eine zweite Chance“ freuen, bleibt aber in der „Bild am Sonntag“ defensiv: „Es ist allein die Entscheidung des Bundestrainers.“

          „So lange unser Stefan Kießling dabei ist, ist alles okay“

          Beckenbauer erwartet keine größeren Turbulenzen: „Das sind ja intelligente Menschen, die sich da zusammensetzen.“ Wie schnell sich die öffentlichen Debatten rund um das Nationalteam drehen, beweist weiter die Torwartfrage. Geriet erst der zur Nummer 1 erklärte Leverkusener René Adler nach einigen Patzern in die Kritik; so leistete sich nun Herausforderer Manuel Neuer beim 2:4 seiner Schalker in Hannover gleich eine Reihe von Fehlern.

          Und die Vereine machen sich natürlich vor allem für ihre Spieler stark, wie die jüngsten Aussagen von Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler zeigen. Der einstige DFB-Teamchef sagte zum Thema Kuranyi und WM: „So lange unser Stefan Kießling dabei ist, ist alles okay.“ Bayer-Stürmer Kießling steht mit Kuranyi an der Spitze der Liga-Torjägerliste.

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