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Fußball-Nationalmannschaft : „Demütigung“ - Torsten Frings denkt an Rücktritt

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Ohne „Rückendeckung, Vertrauen und Respekt”? Torsten Frings denkt an Rücktritt Bild: REUTERS

Droht der Nationalelf nach Kevin Kuranyi der zweite „Abgang“ in kurzer Zeit? Torsten Frings - einst Stammspieler, nun Bankdrücker - denkt an Rücktritt. Dabei lässt der Bremer kein gutes Haar an Bundestrainer Joachim Löw und sprach von Demütigung.

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          Nationalspieler Torsten Frings hat erstmals einen Rücktritt aus dem DFB-Team angedeutet. „Derzeit bin ich echt nachdenklich, der Rücktritt schießt mir immer wieder durch den Kopf“, sagte der Mittelfeldspieler vom Bundesliga-Verein Werder Bremen der „Bild“-Zeitung (Freitag). Bei Bundestrainer Joachim Löw vermisse er „Rückendeckung, Vertrauen und Respekt“.

          Frings saß bei den letzten beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Russland (2:1) und Wales (1:0) nur auf der Bank. Gegen Wales war der 78-malige Nationalspieler am Mittwochabend nicht einmal eingewechselt worden (siehe auch: 1:0 gegen Wales: Trochowskis Schussgewalt gegen walisische Zerstörungswut). Gegen Russland hatte er nur sieben Minuten Einsatzzeit erhalten (siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Alles zum 2:1 gegen Russland).

          „Wir hatten immer Respekt vor Torstens Leistungen“

          Bundestrainer Joachim Löw reagierte mit Unverständnis auf die Kritik von Frings. „Er genießt bei mir weiterhin eine hohe Wertschätzung, allerdings kann ich im Sinne des Konkurrenzkampfes keine Stammplatz-Garantie geben“, sagte der Bundestrainer. „Wir hatten immer Respekt vor den Leistungen von Torsten, aber im Hinblick auf die WM 2010 in Südafrika müssen auch jüngere Spieler, die sich in der Bundesliga ebenfalls durch gute Leistungen hervortun, ihre Chance erhalten.“

          „Ich habe nichts gegen Simon Rolfes oder Thomas Hitzlsperger. Im Gegenteil. Ich weiß aber auch: Sie sind nicht besser!”
          „Ich habe nichts gegen Simon Rolfes oder Thomas Hitzlsperger. Im Gegenteil. Ich weiß aber auch: Sie sind nicht besser!” : Bild: AP

          „Ich spiele nicht, darf mich gegen Wales noch nicht mal warmlaufen. Das war für mich die Krönung, eine Demütigung“, sagte der 31-Jährige Frings zuvor in dem Interview mit der „Bild“-Zeitung. Dass Bundestrainer Löw auf ihn baue, merke er nicht. „Und mit fast 32 Jahren hast du ein Gespür für so etwas. Ich sehe bei ihm derzeit keine Perspektive für mich.“

          „Ich habe ihm meine Wertschätzung mitgeteilt“

          Auf die Frage, ob er aus der Mannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurücktrete, antwortete Frings: „Das kann ich nicht ausschließen. Klar, ich denke an einen Rücktritt. Nicht, weil ich beleidigt bin, sondern weil mir die letzten Tage die Augen geöffnet haben. Doch so eine Entscheidung braucht Zeit.“

          Löw hatte nach dem Wales-Spiel in Mönchengladbach von einem „grundsätzlichen“ Gespräch mit Frings berichtet. „Ich habe ihm meine Wertschätzung mitgeteilt“, berichtete er und ergänzte: „Logischerweise sind Spieler unzufrieden, wenn sie nicht spielen. Aber das ist eine Situation, die ich möchte.“ (siehe auch: Löw im Gespräch: „Torsten Frings ist für mich wichtig“)

          Frings: „Rolfes und Hitzlsperger sind nicht besser!“

          Löw bescheinigte Frings einen „vorbildlichen“ Umgang mit seiner neuen, schwierigen Situation und zeichnete ihm eine Perspektive bis zur WM 2010 auf: „Ich weiß, dass er seine Leistung noch bringen kann und bringen wird. Jetzt muss er diese Pille eben auch mal schlucken. Ich setze weiter auf ihn.“

          Frings entgegnete nun: „Ich bin keine beleidigte Leberwurst. Aber ich weiß, was ich kann, was ich für den DFB und auch für Jogi Löw geleistet habe - und damit weiß ich auch, dass ich so nicht mit mir umspringen lassen möchte.“ Über seine Konkurrenten im defensiven Mittelfeld der DFB-Elf sagte der langjährige Stammspieler: „Ich habe nichts gegen Simon Rolfes oder Thomas Hitzlsperger. Im Gegenteil. Ich weiß aber auch: Sie sind nicht besser! In der Nationalelf sollte doch immer noch die Leistung aus der Bundesliga entscheidend sein.“

          „Er ist ein sportlich wichtiger Teil der Nationalmannschaft“

          „Es gibt für Torsten keine Veranlassung zurückzutreten. Ich würde ihm davon abraten“, sagte Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs dem Sport Informations-Dienst: „Er ist ein sportlich wichtiger Teil der Nationalmannschaft. Das weiß auch Joachim Löw - und wenn nicht, wird er dies noch merken.“

          DFB-Kollege Bastian Schweinsteiger hofft, auch in Zukunft gemeinsam mit Frings auflaufen zu können. „Die Rücktrittsgedanken finde ich ein bisschen schade. Torsten ist ein guter Typ und gut für die Stimmung in der Mannschaft. Ich würde versuchen, ihn zum Bleiben zu überreden“, sagte der Mittelfeldspieler von Bayern München.

          „Keiner der Spieler kann etwas für meine Situation“

          Einen Abgang wie den des Schalkers Kevin Kuranyi, der sich nach der Nicht-Berücksichtigung für den Kader des Spiels gegen Russland in der Halbzeitpause aus dem Stadion absetzte, schloss Frings für sich ohnehin aus. „Daran habe ich nie gedacht. Ich bin ja ein Teil der Mannschaft. Und keiner der Spieler kann etwas für meine Situation. Deshalb wollte ich sie nicht im Stich lassen oder durch eine Blitzaktion verunsichern“, erklärte Frings. Nach sieben Jahren als Nationalspieler haue man nicht einfach mal so eben ab.

          Frings hatte sein Debüt in der Nationalmannschaft am 27. Februar 2001 bei einer 0:1-Niederlage in Paris gegen Frankreich gegeben. Anschließend gehörte er bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 sowie den Europameisterschaften 2004 und 2008 zum DFB-Aufgebot. Er erzielte zehn Länderspieltore. Die Nationalmannschaft bestreitet ihre nächste Partie am 19. November in Berlin gegen England.

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