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DFL zu Zuschauer-Rückkehr : „Müssen angstfreie Einstellung finden“

Vorreiter: DFL-Geschäftsführer Christian Seifert will angstfrei und wissenschaftlich der Corona-Krise begegnen Bild: dpa

Die DFL will die Teil-Rückkehr der Fans in die Stadien mit wissenschaftlichen Studien begleiten. Den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung bei unterschiedlichen Zulassungszahlen lässt Liga-Chef Seifert nicht gelten.

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          Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die Vorlage Sachsens, dass RB Leipzig am Dienstag gestattete, vor 8500 Zuschauern in der Bundesliga zu spielen, zu einer allgemeinen Offensive in der Frage der Zulassung von Zuschauern bei Großveranstaltungen genutzt. „Wenn es stimmt, dass Corona noch längere Zeit zu unserem Leben gehört, dann sollten wir langsam aber sicher damit beginnen, eine angstfreie und aktive Einstellung damit zu finden – und das weit über den Profisport hinaus“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Donnerstag nach einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der deutschen Profiklubs.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          In diesem Zusammenhang kündigte Seifert an, dass sich die DFL und der Deutsche Fußball-Bund mit einer deutlich siebenstelligen Summe an drei verschiedenen wissenschaftlichen Studien beteiligen, die dazu beitragen sollen, besser zu verstehen, wie Zuschauer mit möglichst geringem Risiko wieder in die Stadien zurückkehren können. „Die Studien beginnen so schnell wie möglich. Wir gehen davon aus, dass wir nach dem Start des Spielbetriebs so schnell als möglich die ersten Ergebnisse vorlegen könne“, sagte Seifert.

          Die sich ergänzenden Studien widmen sich dabei Fragen nach den Ansteckungsmöglichkeiten bei Zuschauerbewegungen innerhalb und außerhalb der Stadien; der Untersuchung von Aerosolen in geschlossenen Räumlichkeiten sowie der Erarbeitung von alternativen Testverfahren. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen „so früh wie möglich“ mit allen interessierten Gruppen geteilt werden, sagte Seifert. Das gelte neben anderen Sportarten insbesondere für den gesamten Kultur- und Veranstaltungsbereich. Seifert machte auf der Pressekonferenz die Dringlichkeit deutlich, mit der weitergehende Lösungen in der Pandemie gefunden werden müssten. „Meine Kollegen im Eishockey, Basketball, Handball, Volleyball kämpfen in den nächsten Monaten um ihre blanke Existenz – und viele Einzelsportarten auch.“ Zahlreiche Veranstalter und Beschäftigte im Kultur- und Veranstaltungsbetrieb „blicken derzeit in einen ziemlich tiefen und finsteren Abgrund“. Der Fußball habe die finanziellen Möglichkeit, um in dieser Frage voranzugehen. „Und wir gehen voran.“

          Aus der Politik ist nach der Entscheidung, 8500 Zuschauer in Leipzig zuzulassen, auch Kritik laut worden. „Jetzt wieder Fußballspiele mit Fans zu erlauben, während gleichzeitig die Infektionszahlen steigen, wäre ein schlechtes Signal“, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder in der „Passauer Neuen Presse“. Er brachte auch Wettbewerbsverzerrung ins Spiel. „Ein Verein mit Fans, die anderen ohne – das kann weder im Sinn der Liga noch des Sports sein.“ Söder fordert „für die Bundesliga einheitliche Regeln“ bei der Rückkehr von Fans.

          Dass es nun wegen der unterschiedlichen Verfügungslagen zu unterschiedlichen Zuschauerzahlen in den Bundesligen mindestens bis zum 31. Oktober kommen wird, ist für Seifert keinen Fall von Wettbewerbsverzerrung. Keiner der 36 Profiklubs habe dieses Thema auf der Sitzung angesprochen. „Ich würde das scharfe Schwert der Wettbewerbsverzerrung mal stecken lassen. Das trifft für mich auch nicht den Kern.“

          In Berlin sieht die Infektionsschutzverordnung derzeit die Möglichkeit vor, bis zu 5000 Fans in die Stadien zu lassen. Zum ersten Hertha-Heimspiel gegen Frankfurt sollen knapp 5000 Menschen im Stadion sein, Rund 4000 Karten werden an Fans verkauft. In anderen Bundesländern dürfen dagegen keine oder nur wenige Hundert Zuschauer kommen. Grundsätzlich sei die DFL dafür, dass es zu einer „bundeseinheitlichen Regelung“ komme, sagte Seifert, nachdem die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten n der Vorwoche entschieden hatten, dass eine Arbeitsgruppe den Umgang mit Zuschauern bei Sportgroßveranstaltungen bis Ende Oktober entwickeln soll. Ohne Hygienekonzept und Kontaktverfolgung sind Großveranstaltungen bis Jahresende verboten.

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