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Mainzer Sieg in wildem Spiel : Rückstand, Ausgleich, Kunstschuss, Jubel

Guter Schütze aus der Distanz: Robin Quaison brachte Mainz gegen Köln in Führung. Bild: dpa

Das Kellerduell zwischen Mainz 05 und dem 1. FC Köln verläuft turbulent. Am Ende aber siegt der FSV 3:1 und schiebt sich damit vorerst aus der Abstiegszone. Torhüter Robin Zentner trumpft auf.

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          Die Anerkennung war Robin Quaison sicher: Kaum war sein Schuss im Kölner Tor eingeschlagen zur wegweisenden 2:1-Führung beim 3:1-Sieg seines FSV Mainz 05, da wurde er nicht nur entsprechend von seinen Mitspielern bejubelt. Moussa Niakhaté nahm sich zudem die Zeit, seinem Mitspieler voller Anerkennung die Hand zu schütteln und eine Verbeugung anzudeuten. Einen solchen Vollspannschuss aus mehr als 20 Metern ins Tordreieck sieht man schließlich nicht alle Tage aus der nächsten Nähe eines Mitspielers.

          Bundesliga

          Quaisons viertes Saisontor war ein Befreiungsschlag für die Mainzer, die somit den Gegner überholt und die Abstiegsplätze wieder verlassen haben, obwohl das Spiel durch die Kölner Führung durch Simon Terodde schlecht begonnen hatte. Jean-Paul Boetius (21.), Quaison und Levin Öztunali (83.) sicherten aber den wichtigen Erfolg.

          „Das war ein umkämpftes Spiel“, sagte Quaison und fügte mit Blick auf sein Traumtor hinzu: „Ich habe nur geschossen und der Ball war drin. Fußball ist einfach.“ Kölns Torhüter Timo Horn war dagegen enttäuscht: „Das ist brutal. Wir haben gut angefangen, dann hat Mainz Druck gemacht. Dazu hatten sie einen guten Torhüter. Dann kommt dieser Schuss, das ist sensationell. Das dritte Tor kreide ich mir an.“ Trainer Achim Beierlorzer zeigte sich kämpferisch: „Wir müssen weiter an den Dingen arbeiten, die wir nicht so gut gemacht haben. Wir werden den Weg weitergehen.“

          Trotz der misslichen Tabellensituation der beiden Klubs aus den Karnevalshochburgen entwickelte sich ein flottes Spiel im mit über 30.000 Zuschauern gut gefüllten Mainzer Stadion. Beide Teams suchten ihr Heil in der Offensive statt sich aus Angst um eine weitere Niederlage in der noch jungen Saison in der eigenen Abwehr zu verschanzen. Bei ihren Angriffsbemühungen profitierten sie von beiderseits teils recht fahrlässigem Abwehrverhalten.

          Köln, beflügelt vom Sieg gegen Paderborn am vergangenen Wochenende, begann dabei deutlich inspirierter und mutiger. Vor allem über die linke Seite von Florian Kainz nahm das Spiel immer wieder Tempo auf. Nach vier Minuten hatten die Rheinhessen noch großes Glück: Ein Treffer von Kainz nach einer schönen Kombination wurde von Schiedsrichter Frank Willenborg aberkannt, da Schaub zuvor im Abseits gestanden hatte. Die Entscheidung hätte auch anders ausfallen können. Doch zehn Minuten später war es dann soweit: Abermals setzte sich Kainz auf der linken Außenbahn durch, durch das Zentrum fand der Ball den Weg zu Simon Terodde, der den Ball per Drehschuss unhaltbar für den im restlichen Spiel herausragenden Mainzer Schlussmann Robin Zentner einschoss.

          Die Mainzer verinnerlichten dann allerdings die Worte ihres Trainers vor dem Spiel. Da hatte Sandro Schwarz Beharrlichkeit auch gegen Widerstände wie einen Gegentreffer gefordert. Boetius nahm sich die Worte offenbar besonders zu Herzen: Der im bisherigen Saisonverlauf enttäuschende Niederländer probierte es direkt im Gegenzug aus 20 Metern, scheiterte aber noch an Timo Horn im Kölner Tor. Beim nächsten Versuch war Boetius erfolgreicher. Nach Vorarbeit des Strafraumwühlers Adam Szalai schlug er sechs Meter vor dem Tor einen Haken und schob dann kaltschnäuzig ein (21.).

          Torschütze zum zwischenzeitlichen Ausgleich: Mainz-Profi Jean-Paul Boetius

          Die Mainzer wussten aber auch in der Folge nicht, wie sie Kainz bei den schnellen Kölner Gegenstößen aus dem Spiel hätten nehmen können. Immer wieder wurde er von Stoßstürmer Terodde, der die Bälle geschickt behauptete und auf den Flügel spielte, in Szene gesetzt. Dann schlug Kainz die Bälle gefährlich von der linken Seite gefährlich flach an die Strafraumkante, wo sich wiederum Terodde in Schussposition brachte. So wie die Kölner durch Kainz die Defizite seines Gegenspielers Öztunali in der Rückwärtsbewegung zu nutzen verstanden, so kamen die Mainzer just über Öztunali wegen des in der Defensive ähnlich sorglosen Kainz immer wieder zu gefährlichen Vorstößen. Die beste Chance zur Führung noch vor dem Pausenpfiff vergab Quaison.

          Nach einer abermals guten Kölner Anfangsphase zu Beginn der zweiten Halbzeit machte der schwedische Stürmer es dann besser. Er nahm den Ball etwa 30 Meter vor dem gegnerischen Tor in zentraler Position recht unbedrängt an, lief noch ein paar Meter und zog dann mit dem Vollspann ab. In der 63. Minute waren die Mainzer dann im Glück: Ein Handspiel von Niakhaté im Strafraum wertete der Unparteiische als nicht ahndungswürdig. „In der Regelkunde vor der Saison haben wir gelernt, dass ein solches Handspiel nicht zwangsläufig geahndet werden muss“, sagte der Mainzer Trainer Sandro Schwarz. „Es ist dann Ansichtssache des Schiedsrichters.“ Mit dessen Ansicht waren die Kölner freilich nicht einverstanden.Trainer Beierlorzer ließ keinen Zweifel, dass er eine Elfmeterentscheidung erwartet hätte, spätestens nachdem Schiedsrichter Willenborg sich die Videobilder angesehen hatte. „Aber Schiedsrichter sind Menschen und machen Fehler.  Es fühlt sich nur durch den Videoschiedsrichter für uns beschissener an.

          So entschied Öztunali nach einem Konter die Partie mit einem Schuss ins kurze Eck, bei dem Horn schlecht aussah. Da dessen Gegenüber Zentner hingegen einen Glanztag erwischt hatte und auch in der Schlussphase noch mehrmals seine Klasse bewies, blieb es beim 3:1-Endergebnis.

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