https://www.faz.net/-gtm-v9zq

Fußball : Lautern droht die dritte Liga

  • -Aktualisiert am

Torwart Florian Fromlowitz: „Jetzt geht es nur noch gegen den Abstieg” Bild: dpa

Der 1. FC Kaiserslautern ist am absoluten Tiefpunkt angelangt. Drittletzter der zweiten Liga, sechs Spiele ohne Sieg, mit vier Toren an Harmlosigkeit kaum zu überbieten. So tief unten standen die Erben von Fritz Walter nie zuvor.

          „Ich hatte überall Erfolg. Den werde ich auch hier haben.“ Was Kjetil Rekdal sagt, nehmen dem Trainer des 1. FC Kaiserslautern im Moment nicht mehr viele in der Pfalz ab. Die Glaubwürdigkeit des Norwegers hat durch die anhaltende Talfahrt des FCK beträchtlich gelitten. Bittere Wahrheit ist: Der Traditionsklub ist am absoluten Tiefpunkt angelangt. Drittletzter der zweiten Liga, nach sechs Spielen ohne einen einzigen Sieg, mit vier erzielten Toren an Harmlosigkeit lediglich vom FC Paderborn übertroffen. So tief unten standen die Erben von Fritz Walter nie zuvor. Was die Lage dramatisiert: Ein Ausweg aus der Krise ist nicht in Sicht.

          An diesem Mittwoch kann das nächste Höllenszenario bittere Realität werden, wenn im Heimspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden eine Minuskulisse droht, sich in der fast 50.000 Besucher fassenden WM-Arena gerade noch ein paar tausend unentwegte Fans auf den Rängen verlieren. Bei einer weiteren Niederlage wäre der selbsternannte Aufstiegsanwärter zumindest auf absehbare Zeit ein Abstiegskandidat.

          Seit 1998 geht es bergab

          Der 1. FC Kaiserslautern in der dritten Liga? Was heute noch unglaublich erscheint, mussten andere ruhmreiche Vereine wie der 1. FC Nürnberg oder der Karlsruher SC auch schon durchleiden. Wie konnte es in Kaiserslautern so weit kommen? „Es geht nur mit Geduld.“ Was Sportdirektor Michael Schjönberg als einzigen Weg aus dem Dilemma sieht, hört sich wie eine Durchhalteparole an. Die geben auch andere Verantwortliche des Klubs seit längerem immer wieder aus. Vorstandsvorsitzender Erwin Göbel etwa, wenn er sagt: „Wir müssen Ruhe bewahren.“

          Lauterns Trainer Kjetil Rekdal kann die anhaltende Talfahrt nicht bremsen

          Die besseren Zeiten am Betzenberg jedenfalls liegen lange zurück. 1998 wurde der FCK sensationell als Aufsteiger deutscher Meister. Seitdem geht es bergab. Kapitale Fehler ehemaliger Vorständler und Trainer brachten die Institution des südwestdeutschen Fußballs in Schieflage. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Jürgen Friedrich kaufte zum Beispiel ein (unter anderen Youri Djorkaeff oder Mario Basler), was die Kasse hergab. Nachfolger René C. Jäggi wählte - zwangsläufig - den umgekehrten Weg und sanierte den finanziell angeschlagenen Klub auf Kosten des Stadions und der Qualität der Mannschaft, die 2006 schließlich die Bundesliga verspielte.

          Kommen und Gehen auf dem Betzenberg

          Nur noch zweitklassig zu sein, das haben sie bis heute nicht angenommen auf dem Betzenberg. So leistet man sich einen kostspieligen Verwaltungsapparat, der inklusive Stadionmiete (3,2 Millionen Euro) mit 14,5 Millionen Euro fast doppelt so hoch ist wie der Lizenzspieleretat (acht Millionen). Oder einen zweiten Co-Trainer. Wofür? Ebenso die Position eines Sportmanagers für Sport-Organisation und Administration - die haben nicht viele andere Klubs besetzt. Auch nach der Ära Jäggi sind rund um das Fritz-Walter-Stadion Fehler über Fehler gemacht worden. Im Vorstand ist Erwin Göbel der Finanzexperte, Arndt Jaworski der Marketingfachmann. Was beide nicht haben, ist Fußballkompetenz. Auch deshalb wurde der ehemalige Spieler Michael Schjönberg als Sportdirektor verpflichtet, dazu Kjetil Rekdal als neuer Trainer. Was beide, die mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet sind, nicht haben, ist Erfahrung in der Zweiten Bundesliga.

          Neuland ist die zweithöchste Spielklasse in Deutschland ebenfalls für die Neuverpflichtungen Patrice Bernier, Esben Hansen, Björn Runström, Sebastian Stachnik oder Erik Jendrisek. Wenn dann noch Verletzungspech oder Anpassungsprobleme hinzukommen, sind schlechte Ergebnisse die logische Folge. Dem FCK fehlen Qualität, Erfahrung, Konstanz. Schjönberg und Rekdal ist es zunächst nicht gelungen, das Kommen und Gehen auf dem Betzenberg zu stoppen. 16 Abgängen stehen neun Neuzugänge gegenüber. Eine derartige Runderneuerung braucht Zeit. Die aber hat der 1. FCK nicht. Wer seit dem Jahr 2000 81 neue Spieler verpflichtet und sich von 100 Profis wieder getrennt hat, darf sich nicht wundern, dass sich nichts entwickelt.

          Die Krise in Kaiserslautern ist nur dann zu meistern, wenn sie sich auf dem Betzenberg nicht länger etwas vormachen, offenen Auges wahrnehmen, was die Stunde geschlagen hat. „Uns muss allen endlich bewusst werden, dass es jetzt nur noch gegen den Abstieg geht!“ Für Torwart Florian Fromlowitz ist die Zeit des Schönredens vorbei.

          Weitere Themen

          „Neuer ist Deutschlands Nummer 1“ Video-Seite öffnen

          Niko Kovač : „Neuer ist Deutschlands Nummer 1“

          Der Bayern-Trainer freut sich über den Auftaktsieg in der Königsklasse und fordert, die Torwartdiskussion zwischen Neuer und Ter Stegen endlich zu den Akten zu legen.

          Der Mann, der immer trifft

          Dortmunds Paco Alcácer : Der Mann, der immer trifft

          Paco Alcácer bringt Borussia Dortmund entscheidend weiter – nicht mehr nur als Joker. Mit dem FC Barcelona hat der Torjäger noch eine Rechnung offen. Insbesondere mit Lionel Messi, vertraut man Diego Maradonas Worten.

          Topmeldungen

          Hasserfüllt: Ein Anhänger der White Supremacists bei einer Demonstration der New Black Panther Party und des Ku Klux Klans in South Carolina.

          Rechtsextreme Netzwerke : Wie stoppt man den Hass?

          Rechtsextreme Netzwerke stiften im Internet immer wieder zu blutigen Taten an. In einer neuen Studie untersuchen Physiker die Dynamiken des Hasses – und entwickeln vier Strategien dagegen.
          Justin Trudeau im September in Truro

          Wahlkampf in Kanada : Der Politik-Star stellt sich den Wählern

          Ende Oktober wird in Kanada gewählt. Premierminister Justin Trudeau, der seiner liberalen Partei vor vier Jahren einen Rekordsieg einbrachte, führt einen Wahlkampf mit Startschwierigkeiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.