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Fußball-Kommentar : Mehr Zeit, bitte

Das bisherige Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ ist umstritten Bild: picture alliance / dpa

Die DFL lebt in der Debatte um das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ nun brutalst mögliche Transparenz vor. Doch es wurde zu viel Porzellan zerschlagen, als das Papier erstmals vorgestellt wurde. Es bedarf viel mehr Zeit als nur bis zum 12. Dezember.

          Die Sache ist verfahren. Da kann es auch nicht mehr entscheidend weiterhelfen, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) nun brutalst mögliche Transparenz vorlebt und ihre geplanten Anträge zum Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ ins Internet stellt, über die die 36 Erst- und Zweitligaklubs am 12. Dezember abstimmen sollen. Es wurde zu viel Porzellan zerschlagen, als am 27. September das von einer DFL-Kommission erarbeitete Sicherheitskonzept erstmals vorgestellt wurde und dabei Maßnahmen vorgeschlagen wurden, die nicht nur Fanvertreter als unzumutbar bezeichneten.

          Auch viele Vereine kritisierten das Papier, das - ohne die Fanorganisationen einzubeziehen - erarbeitet worden war. Der Fußball hatte sich durch die Politik treiben lassen, die sich des populären Themas angenommen hat und vehement Zucht und Ordnung verlangt.

          Auf den 37 Seiten, die nun jedem ohne Verschlüsselung zugänglich sind, ist neben einigen organisatorischen und verbandstechnischen Details einiges ins Vage gesetzt worden (zum Beispiel Personenkontrollen) was vorher strammer geklungen hatte. Eine Reaktion auf die Kritik, die in dieser Woche um die Aktion 12:12 erweitert wurde. Die organisierten Fans demonstrierten schon mal, wie es sein könnte, wenn die Maximalforderung mancher Sicherheitsexperten durchgesetzt würde, die Stehplätze abzuschaffen, auf denen sich die eingefleischten Anhänger, darunter viele Ultragruppen, sammeln.

          An allen Schauplätzen des 14. Bundesliga- und 16. Zweitligaspieltages in dieser Woche schwiegen die Fans die ersten 12 Spielminuten und 12 Spielsekunden. Es war ein irritierendes Erlebnis für alle - Spieler, Trainer und Zuschauer. Das allgemeine Rauschen und Gemurmel im weiten Rund, das der Rest des Publikums erzeugte, minderte das Stadionerlebnis in erheblichem Maße.

          Der Beitrag der Fankurven zum Fußball wurde dadurch noch einmal ins Bewusstsein gerückt. Choreographien und Schlachtgesänge sind keine Selbstverständlichkeit, sie drücken die besondere Verbundenheit der Fans mit ihrem Verein aus. Allerdings kann daraus kein Anspruch erwachsen, sich außerhalb des Gesetzes stellen zu dürfen - Stichwort Pyrotechnik.

          Das Thema Fußball und Gewalt hat aber viel mehr Facetten als das Abbrennen von Bengalos. Es bedarf viel mehr Zeit als bis zum 12. Dezember, um sie alle zu besprechen, und noch mehr Zeit, um Lösungen zu finden. Deshalb wäre es am besten, den Termin zu verschieben oder zumindest Punkte über die Spielorganisation hinaus auszuklammern.

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