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Fußball-Kommentar : Keine Träne den Deserteuren

  • -Aktualisiert am

Lässt seine Mannschaft im Stich: Demba Ba Bild: dpa

Demba Ba lässt seine Mannschaft im Stich und ist auf dem Weg zu seinem Traumziel: Stoke City. Fürs liebe Geld tingelt der Angreifer gern durch Europa. Im Fußballgeschäft bröckelt eben vieles, leider auch die Vertragstreue der Profis.

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          Demba Ba ist auf dem Weg zu seinem Traumziel: Stoke City. Vom Tabellenachten der Bundesliga zum Tabellenzehnten der Premier League – wenn das kein Aufstieg für den in Hoffenheim zuletzt nur noch bockigen Fußballprofi ist. Fürs liebe Geld aber tingelt der zuvor in Frankreich und Belgien stürmende Angreifer gern durch Europa. Schließlich verdienen bei einem solchen Wechselspiel ohne Rücksicht auf Verluste auch die Berater mit, die ihm zumindest nicht abgeraten haben, in den Streik zu treten, als Ba vor knapp zwei Wochen ins Trainingslager der Badener mitreisen sollte. Das aber wollte der eigenwillige Stürmer nicht und berief sich auf angebliche Zusagen seines Klubs, ihn bei entsprechenden Angeboten ziehen zu lassen.

          Hoffenheim dementierte, kündigte eine harte Bestrafung an – und gibt den Spieler, der seine Mannschaft im Stich gelassen hat, nun doch frei. Demba Ba hat sein Ziel so gut wie erreicht; der Verein, früher ein Einkaufsparadies, heute auf den Verkauf von Profis (Carlos Eduardo, Luiz Gustavo) spezialisiert, wird dem Vernehmen nach bis zu neun Millionen Euro kassieren; und alle beteiligten Parteien glauben, mit einem Gewinn aus der Sache herausgekommen zu sein.

          Vieles bröckelt, leider auch die Vertragstreue der Profis

          Doch die Affäre Ba bleibt ein eher dunkles Geschäftskapitel, weil sich hier ein hoch bezahlter Klubangestellter mit unlauteren Methoden aus seinem Vertrag gewunden hat. So ähnlich versuchte es auch der für Schalke 04 stürmende Peruaner Jefferson Farfan. Er trudelte verspätet ins Trainingslager ein, nicht ohne aus seiner Heimat angekündigt zu haben, dass er den Verein möglichst umgehend verlassen wolle. Doch Farfan hatte keinen Abnehmer zu bieten, bei dem die Schalker hätten schwach werden können. Trainer Felix Magath, im Zweifel immer Pragmatiker, brummte Farfan eine Geldstrafe von 25.000 Euro auf – das wars auch schon an Konsequenzen. Farfan wird an diesem Samstag zum Rückrundenauftakt der Schalker gegen den Hamburger SV, als wäre nichts gewesen, über die rechte Seite wirbeln.

          Beide Fälle von Arbeitsverweigerung – der von Ba wog allerdings schwerer – zeigen, dass sich auch erstklassige, straff organisierte Fußballbetriebe gegen innerbetriebliche Attacken hoch bezahlter Spieler nur in Maßen wehren können. Schon früher haben Profis wie Robinho (vom FC Santos zu Real Madrid), Claude Makelele (von Real zum FC Chelsea) oder Heiko Herrlich (von Mönchengladbach zu Borussia Dortmund) ihren Abgang durch Arbeitsniederlegung oder Schwänzen des Trainings erzwungen. Einen Abnehmer finden begehrte Kräfte immer – mag die oft nur deklamatorische Entrüstung über ihr Verhalten zunächst noch so mächtig und geschlossen wirken. Im manchmal schmutzigen Fußballgeschäft bröckelt vieles, leider auch die Vertragstreue der Profis. Darüber Tränen zu vergießen, lohnt sich nicht.

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