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Fußball-Kommentar : Die Last der Dzeko-Millionen

Edin Dzeko verlässt am Mittwoch das Mannschaftshotel des VfL Wolfsburg in Richtung Manchester Bild: dpa

Für 35 Millionen Euro wechselt Edin Dzeko aus Wolfsburg zu Manchester City - es ist der teuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte. Der Druck der Millionen beschwert nicht den Torjäger, er lastet auf Dieter Hoeneß. Die Zeit der Erklärungen, um nicht zu sagen, Ausreden, ist nun vorbei.

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          Der teuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte – dieser Titel ist nach der Meisterschaft in Wolfsburg die zweite Auszeichnung, die Edin Dzeko aus Deutschland mit in die Premier League nimmt. Seinem Vorgänger Mario Gomez hat dieser Rekord gar nicht gut getan. Erst allmählich befreit sich der deutsche Nationalspieler bei den Bayern von der bisherigen Rekordsumme von 30 Millionen Euro, die ihm wie ein hartnäckiger Gegenspieler ständig im Genick saß. Eine solche Kosten-Nutzen-Rechnung, also die Geld-Tore-Rechnung für einen Stürmer, lässt sich in Deutschland kaum gewinnen.

          Die Transfersumme von rund 35 Millionen Euro aber, die Manchester City für den Bosnier überweist, dürfte für Dzeko weit weniger schwer wiegen. Denn Geld spielt bei den „Citizens“ keine allzu belastende Rolle mehr, seit Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi, im September 2009 über seine Investmentfirma zum Hauptanteilseigner des Klubs wurde. Dzeko wird im Sturm neben dem Argentinier Tevez spielen, für den Manchester ebenfalls rund 30 Millionen hinlegte. Für Robinho zahlte der Scheich zum Einstand sogar 42 Millionen, für Kaka, der sich schließlich für Real Madrid entschied, war eine Ablöse von rund 130 Millionen Euro im Gespräch.

          Kreislauf des verbrannten Geldes

          Dzeko ist also nicht mehr und nicht weniger als ein weiterer Baustein im sündhaft teuren Team von Trainer Roberto Mancini auf dem Weg zur Meisterschaft und dem Gewinn der Champions League – den erklärten Zielen des Investors aus Abu Dhabi. In dieser Saison hat es Manchester City schon in die Spitzengruppe geschafft, ein weiterer Aufstieg käme nicht sonderlich überraschend.

          Es sind Klubs wie Manchester City, die dafür sorgen, dass der Kreislauf des verbrannten Geldes im europäischen Fußball munter weitergeht. Wo der Fußball als strategisches Investment betrachtet wird, und nicht als gewinnbringendes Geschäft, kommt immer wieder frisches Geld in den Kreislauf – und überdeckt damit gnädig die Fehlkalkulationen von so vielen anderen Klubs, die sich mit diesen Einnahmen sanieren oder sofort wieder atemlos investieren.

          Der Druck der Millionen beschwert nicht Torjäger Dzeko, er lastet nun auf Dieter Hoeneß. Der Manager, der bei Hertha BSC immer wieder darüber geklagt hatte, dass für seine Visionen in der Hauptstadt das Geld fehlte, hat in Wolfsburg mit Volkswagen einen fordernden Geldgeber im Hintergrund gefunden, wie er ihn sich nur wünschen konnte – und mit den Dzeko-Millionen einen atemraubenden finanziellen Spielraum, um endlich eine erstklassige Mannschaft zu formen, die zu den enormen Investitionen passt.

          Die Zeit der Erklärungen, um nicht zu sagen, Ausreden, ist für Hoeneß nach dem Dzeko-Deal in Wolfsburg vorbei. Bisher mehr als 36 Millionen Euro in eine Mannschaft gesteckt zu haben, die in der Bundesliga den Abstiegsrängen entgegen taumelt, bedeutete eine der ärmlichsten Kosten-Nutzen-Rechnungen eines Fußballmanagers in der Hinrunde. Der Verkauf von Dzeko ist für Wolfsburg zwar ein weiterer sportlicher Verlust, für Hoeneß und Wolfsburg aber zugleich auch eine Chance – für Hoeneß vermutlich die letzte.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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