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Fußball-Kommentar : Die Ex-und-hopp-Trainer

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Heute Köln, morgen Istanbul? Und übermorgen? Auch Trainer Christoph Daum ist im Wechselfieber Bild: REUTERS

Magath, Jol, Daum und einige mehr - in der Bundesliga herrscht die reinste Bindungslosigkeit. Was ist bloß los mit den Trainern? Die Vereine müssen einen Schluss aus dem Wechselfieber ziehen: Verträge mit den Vorturnern sollten kurzfristig geschlossen werden.

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          Wenigstens der VfL Osnabrück ist anders. Auch wenn die Niedersachsen eben aus der zweiten Bundesliga abgestiegen sind, vertrauen sie weiter ihrem Trainer Claus-Dieter Wollitz. Erstaunlicherweise will auch der nicht von irgendeiner Option Gebrauch machen und deshalb von sich aus gehen. Die den westfälischen „Pelé“ in ihren Reihen haben, können auf ein Unikat setzen und so die Rückkehr in den Profifußball in Angriff nehmen (siehe auch: 1:0 beim VfL Osnabrück - Paderborn steigt in die zweite Liga auf).

          Anderswo aber herrscht derzeit die reinste Bindungslosigkeit. Felix Magath gab den Trend vor, als der Meistertrainer den VfL Wolfsburg kurzerhand in Richtung Schalke verließ (siehe auch: FC Schalke 04: Der mächtige Multifunktionär Magath wirkt schon). „Und tschüs“, sagte als Nächster Martin Jol über Nacht in Hamburg (siehe auch: Hamburger SV: Trainer Jol wechselt zu Ajax). „Ich bin dann mal weg“, verkündete Christoph Daum jetzt in Köln (siehe auch: Christoph Daum: Bei Anruf fort); seinen denkbaren Abschied von Leverkusen avisierte Bruno Labbadia per Zeitungsinterview (siehe auch: Bayer Leverkusen: Auf Abstand zum eigenen Trainer).

          Was ist bloß los mit den Fußballlehrern, die sich früher nicht vom Fleck bewegten – es sei denn, sie wurden gefeuert. Selbst ist der Trainer: Heute kommen Übungsleiter, die etwas auf sich halten, ihren Klubs flugs zuvor und räumen ihren Spind. Und an der nächsten Ecke wartet schon ein neuer Verein mit reizvoller sportlicher und vor allem finanzieller Perspektive. Die Zeiten, da Trainer noch als Vorbilder an Loyalität galten, scheinen vorbei.

          Inzwischen lassen sich die Jols dieser Welt von keinem Spieler mehr etwas vormachen, wenn es darum geht, geschwind die Seiten zu wechseln. Zur Begründung für den eiligen Abgang wird hernach gern das Argument „Mission erfüllt“ oder „neue Herausforderung“ gebraucht. Gern verweisen Jobhopper in Ballonseide auch darauf, dass der alte Verein nicht auf die Wünsche, sprich: Forderungen des Trainers eingegangen sei. Der muss ja auch nicht für die wirtschaftlich möglicherweise problematischen Folgen den Kopf hinhalten.

          Da aber weiterhin die Klubs oder deren Kapitalgesellschaften für die Machbarkeit sportlicher Projektionen verantwortlich sind, kann aus dem akuten Wechselfieber nur ein Schluss gezogen werden: Verträge mit den Vorturnern der Bundesligaprofis sollten im Zweifel kurzfristig geschlossen werden. Ein Jahr reicht; geht’s beiderseits gut, kann die Liaison jederzeit um ein weiteres Jahr verlängert werden. Das spart Kosten und verhindert falsche Vorstellungen von Treue und anderen im Fußball aus der Mode kommenden Tugenden.

          Wie auf dieser Ex-und-hopp-Basis jedoch eine Mannschaft aufgebaut und weiterentwickelt werden soll, erscheint rätselhaft. Man muss kein Bundesliga-Dino wie der „ewige“ Thomas Schaaf in Bremen sein, um an einem exponierten Fußball-standort Spuren zu hinterlassen. Ein wenig mehr Kontinuität und Verlässlichkeit in den persönlichen und beruflichen Beziehungen täte auch manchem Fußballunternehmen von heute gut. Und das nicht nur bei der pünktlichen Überweisung von üppigen Gehältern und Extraprämien.

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