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Fußball-Klubs : Großinvestoren - nicht überall willkommen

  • -Aktualisiert am

Symbolträger für externe Macht: Roman Abramowitsch Bild: AP

Was in der englischen Premier League als Erfolgsmodell gefeiert wird, ist in Spanien derzeit noch undenkbar. Auch in der Fußball-Bundesliga herrscht beim Thema Fremdbestimmung eher Skepsis. Aber wie lange noch?

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          Klaus Fuchs gehört nicht zu den Bundesliga-Managern, die sich bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund zu drängen pflegen. Daraus zu schließen, dass der Geschäftsführer des VfL Wolfsburg ein Hinterbänkler des deutschen Profifußballs sei, würde dem gern im Hintergrund agierenden Pfälzer in Niedersachsen aber nicht gerecht. Am Montag, bei einem Zürcher Symposion der schweizerischen Gesellschaft International Football Arena, saß Fuchs in einer Reihe mit einigen kaufmännischen Zelebritäten seines Sports: Neben der Führungskraft des Liga-Mittelständlers hatten auch Peter Kenyon, der Generaldirektor (CEO) des FC Chelsea, Peter Dein, 24 Jahre lang Vorstandsmitglied des FC Arsenal, und Ferran Soriano, Vizepräsident des FC Barcelona, Platz genommen.

          Gesprochen wurde über das Thema „Fußball und Investoren“, das in dieser Runde mit einer Ausnahme harmonisch zusammengehörte. Nur der Unternehmer Soriano, der bei Barça für alle wirtschaftlichen Fragen zuständig ist, verweigerte sich dem allgemeinen Applaus für die wohltätigen Geldgeber. Spaniens neben Real Madrid größter und wie der Uraltrivale von jeweils über 100.000 Mitgliedern getragener Klub denkt nicht im Traum daran, sich einen Investor ins Haus zu holen und sich von fremdem Kapital steuern zu lassen. „Wir im Vorstand“, sagt Soriano, „werden von unseren Mitgliedern gewählt, und die beharren wie wir darauf, dass wir die Kontrolle über unseren Verein nicht aufgeben dürfen.“

          „Die Premier League ist ein heißes Produkt“

          Der FC Barcelona, der einen jährlichen Umsatz von 350 Millionen Euro macht, kann mit den bestehenden Verhältnissen sehr gut leben. Ein im Wege der Einzelvermarktung üppig ausstaffierter Fernsehvertrag, hohe Einnahmen aus den Spielen in der Riesenarena Nou Camp, beträchtliche Zuwendungen von Seiten der Sponsoren und Mäzene des Vereins halten Barça auch ohne Finanzier in der elitären Spitzengruppe des europäischen Klubfußballs. Der Klub der Katalanen gehört in der Primera División neben Real, Athletic Bilbao und Osasuna zu den vier mitgliederbestimmten Vereinen; die anderen 16 Klubs, die als Kapitalgesellschaften am spanischen Fußballmarkt agieren, kommen ebenfalls ohne Investor aus.

          Romans Spielzeug: Didier Drogba
          Romans Spielzeug: Didier Drogba : Bild: AFP

          Der Rahm ist, wie Soriano sagt, „zu siebzig Prozent“ von den beiden Großen der Liga abgeschöpft. Außerdem weiß der Katalane, dass der „englische Markt, zweimal so groß wie der deutsche, der spanische und der italienische, der attraktivste in ganz Europa ist“. Dein, der Arsenal vor ein paar Monaten im Zorn verließ, weil er im Gegensatz zu anderen Vorstandsmitgliedern die Tür für die Übernahme durch einen Großinvestor öffnen wollte, sagt: „Die Premier League ist ein heißes Produkt, daran wollen auch Investoren teilhaben.“

          „Er ist ein Fußballfreund, ein richtiger Chelsea-Fan“

          Und wie. Acht der zwanzig Klubs sind inzwischen in fremder Hand. Das Symbol für externe Macht und neuen Reichtum in Englands Profifußball heißt Roman Abramowitsch. Der russische Milliardär hat nach besten pekuniären Kräften mitgeholfen, den bis dahin oft übersehenen FC Chelsea zu zwei englischen Meisterschaften und einem Spitzenplatz im europäischen Vereinsestablishment zu führen. Dessen erste Kraft in diesem Londoner Fußballbetrieb preist logischerweise seinen Big Boss.

          „Roman“, sagt Peter Kenyon, „ist ein Fußballfreund, ein richtiger Chelsea-Fan. Er wird noch lange da sein.“ Dein, früher einer von Kenyons profiliertesten Gegenspielern, pflichtet dem Kollegen bei: „Die Fans interessiert nur ein erfolgreiches Team.“ Dass der FC Chelsea auch mit Verbindlichkeiten von 360 Millionen Euro belastet sein soll, darüber wurde in Zürich nicht geredet. Nur Soriano erlaubte sich die generelle Bemerkung, dass es Investoren gebe, die „jenseits des Marktverträglichen“ Geld in einen Klub steckten.

          „Regel ist eine Behinderung des freien Marktes“

          Im Kreis der Großen sang auch Fuchs, der Geschäftsführer der Wolfsburger Fußball-GmbH, deren Anteile zu neunzig Prozent vom örtlich ansässigen Volkswagenkonzern erworben wurden, das Hohe- lied auf den positiven Einfluss der Investoren. Dass hierzulande der jeweilige Stammverein - Ausnahmen bilden die Firmenklubs Bayer Leverkusen und Wolfsburg - die Mehrheit der Stimmrechtsanteile (50 plus eins) an den Bundesliga-Kapitalgesellschaften halten muss, mag Fuchs nicht länger einsehen. „Ich bin mal gespannt“, sagte er in Zürich, „ob in Deutschland mal jemand gegen die Fünzig-plus-eins-Regel klagt. Sie ist eine Behinderung des freien Marktes.“

          Ähnlich wie in Wolfsburg und Leverkusen denken sie auch bei Hannover 96. Marktführer Bayern München hat zuletzt zwar in Person seines Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge eine gewisse Öffnung hin zum großen Investorengeld erkennen lassen, andere Meinungsführer im Klub wie Manager Uli Hoeneß sind von der Vorstellung, eines Tages fremdbestimmt werden zu können, aber gar nicht begeistert.

          Rauball: „Man muss aber auch die Risiken sehen“

          Die Deutsche Fußball Liga hat zwei Rechtsgutachten zum Thema Investoren in der Bundesliga in Auftrag gegeben - mit unterschiedlichen Ergebnissen. Dass die Vorschrift „Fünfzig plus eins“ in Zukunft modifiziert werden könnte, ist nicht völlig auszuschließen. Die Mehrheit der Liga indes ist derzeit noch dagegen. Auch Ligapräsident Reinhard Rauball neigt in dieser komplexen Frage zur Vorsicht. Er sagt: „In der Öffentlichkeit wird im Wesentlichen und oft populistisch über die Chancen gesprochen. Man muss aber auch die Risiken sehen. Sicher ist: Wenn wir die Schleuse einmal öffnen, kriegen wir sie nicht mehr zu.“

          Investorengeld gleich international erheblich verbesserte Wettbewerbschancen: Ganz so simpel und wie von selbst wird auch diese Rechnung nicht aufgehen. Auch wenn demnächst viel und möglichst sauberes Geld in die Bundesliga strömte, wäre der Standort England mit seiner Erfolgsstory Premier League immer noch und allemal eine interessantere Plattform für Investoren - solange der Fußball auf sie noch einen unwiderstehlichen Reiz ausübt.

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