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Fußball in Europa : Wenn immer die Gleichen siegen

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Teuerster Spieler der Welt in einer spannungsarmen Liga: Cristiano Ronaldo von Real Madrid Bild: AP

Im deutschen und französischen Ligafußball geht es spannend und ausgeglichen zu. Doch im Europapokal haben England, Spanien und Italien die Vorherrschaft. Der Fußball leidet unter ungleichem Wettbewerb. Und es wird noch schlimmer.

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          Wenn Hochspannung belohnt und eine relative Ausgeglichenheit im nationalen Wettbewerb international prämiert würde, könnten sich die Fußball-Bundesliga und die Ligue 1 große Hoffnungen machen. Tatsächlich aber sucht man seit Jahren vergebens wenigstens mal einen deutschen oder franzöischen Teilnehmer an einem Halbfinalspiel in der Champions League.

          Diese Königsdisziplin des europäischen Kräftemessens beherrschen die Spitzenmannschaften der englischen Premier League, der spanischen Primera División und bis vor kurzem auch der italienischen Serie A, die daheim mit einer an Langeweile grenzenden Selbstverständlichkeit Titel gewinnen oder die begehrten Plätze zur Teilnahme an der Champions League erobern. Dieses absehbare Ergebnis einer längst bekannten Entwicklung beleuchtet auch die sechste Fußballstudie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young unter dem Rubrum „Bälle, Tore und Finanzen“ (siehe auch: Fußball-Kommentar: Beule statt Blüte).

          Deren sportlicher Teil, in dem es um Balance oder Ungleichgewicht der führenden fünf Profiligen Europas geht, attestiert der Bundesliga wie der Ligue 1 beste Noten für ihren Unterhaltungswert. Dort, wo ein auf dem Grundsatz der Solidarität fußender Verteilerschlüssel zu einer verträglichen Spreizung der zentral vermarkteten Medieneinnahmen führt, wo ein strenges und gerechtes Lizenzierungssystem finanzielle Exzesse unterbindet und wo Investoren anders als in England nicht zu Eignern von Vereinen aufsteigen können, ist der nationale Wettkampf noch halbwegs aufregend.

          „Spannung bleibt auf der Strecke und der Zuschauer zu Hause“

          Doch auch in Deutschland gibt es längst Ausnahmen – wie die Beispiele der Werksklubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg oder der vom Mäzenatentum des Dietmar Hopp profitierenden TSG Hoffenheim zeigen. Auch eine scheinbar in Stein gemeißelte Regel wie die Formel 50 plus 1 wird wohl nicht für immer den Status quo festschreiben, dass ein Klub mehrheitlich den Vereinsmitgliedern zu gehören habe.

          Dass die Wettbewerbssituation auch in der Bundesliga allen Regularien und Kontrollmechanismen zum Trotz von Jahr zu Jahr mehr aus der Balance zu kippen droht, dafür sorgen schon die Millionenprämien aus der Champions League. In diesem Klub der Besten ist so mancher Marktführer von heute erst richtig reich geworden. Deshalb sagt Arnd Hovemann, Autor des sportlichen Teils der Ernst&Young-Studie: „Die erfolgreichen Klubs vereinnahmen immer höhere Prämien und können somit ihre sportliche Qualität weiter steigern und die Wahrscheinlichkeit des erneuten Erfolgs erhöhen.“ Daher sei eine Veränderung der Ausschüttungsmodalitäten in der Champions League notwendig. „Wenn die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinandergeht, bleibt die Spannung auf der Strecke und der Zuschauer eines Tages zu Hause.“

          Während in England Manchester United, der FC Chelsea, der FC Liverpool und der FC Arsenal die Premier League seit Jahren dominieren, leidet dort die Attraktivität des Wettbewerbs. In Spanien werden die traditionell hofierten und bewunderten Spitzenklubs FC Barcelona und Real Madrid zusätzlich von den dezentral vergebenen Fernsehrechten begünstigt. Während die beiden Fußballriesen jährlich mehr als 150 Millionen Euro kassieren, fallen für die kleinen Klubs der Primera División weniger als 10 Millionen Euro ab.

          „Sämtliche Topligen Europas haben sinkende Spannungskurven“

          Dass Real mit Hilfe seiner Hausbank und Ausgaben von über 200 Millionen Euro in diesem Sommer als Großeinkäufer der Stars (Cristiano Ronaldo, Kaká, Benzema) die Märkte abgraste – und das im Jahr der Weltwirtschaftskrise –, beunruhigt längst auch die Europäische Fußball-Union, die seit Jahren auf der Suche nach einem einheitlichen europäischen Lizenzierungssystem ist.

          Erst dann könnten sich wenigstens ein paar Ungleichgewichte wieder einpendeln. Der Trend aber scheint fürs Erste vorgezeichnet und verheißt wenig Gutes. Studien-Autor Hovemann sagt: „Sämtliche Topligen Europas haben sinkende Spannungskurven zu verzeichnen.“ Schade für ein Spitzenprodukt, das mit David-besiegt-Goliath-Episoden seine schönsten Geschichten erzählt hat.

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