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Fußball in Europa : Das große Transfer-Domino

Erster Dominostein: Cristiano Ronaldo von Manchester United könnte zu Real Madrid wechseln Bild: AP

Ribéry zu Manchester? Ronaldo zu Real? Diego zu Bayern? Nichts scheint unmöglich. Im Transfer-Domino könnte im Sommer die Bundesliga der große Profiteur sein. Ob dem so sein wird, hängt von einem Mann aus Madrid ab.

          Seit Jahren wird auf die große Rochade in Europas Fußballermarkt gewartet. Gerade nun, im Jahr der Krise, scheint sie wieder einmal so nah wie nie. Bringt der Sommer 2009 das große Transfer-Domino, angestoßen ganz oben, von einem der Topspieler der Branche? Wenn ja, dann könnte der große Profiteur diesmal die Bundesliga sein.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der Londoner „Guardian“ meldete am Dienstag auf seiner Titelseite ein „Weltrekordangebot“ von Manchester United für Franck Ribéry. Demnach sei der englische Top-Klub bereit, 70 Millionen Euro für den französischen Flügelmann zu bezahlen. Ein Weltrekord wäre das aber nur aus britischer Sicht, wegen des schwachen Pfund-Kurses - auf Euro-Basis wäre Ribéry immer noch etwas billiger als sein großer Landsmann Zinédine Zidane, der für 73,5 Millionen 2001 von Juventus Turin zu Real Madrid ging.
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          Und selbst pfundmäßig bliebe es ein hypothetischer Weltrekord, denn der Deal kann nur funktionieren, wenn zugleich Manchester eine noch größere Summe von Real Madrid für Cristiano Ronaldo bekommt, den Ribéry dann ersetzen soll. So bleiben zahlen- und faktenmäßig viele Unbekannte in der Rechnung, und natürlich dementierte Manchester United am Dienstag umgehend. Doch perspektivisch sind die Voraussetzungen für einen spektakulären Transfer-Sommer günstig: Superstars mit Lust auf Tapetenwechsel und dazu ein Wahlkämpfer in Madrid.

          Zweiter Dominostein: Franck Ribéry vom FC Bayern könnte wiederum zu Manchester United wechseln

          Real plant eine Neuauflage der Weltauswahl in Weiß

          Schon im vergangenen Jahr wollte Cristiano Ronaldo zu Real Madrid. Nach dem Europameisterschafts-Aus gegen Deutschland in Basel erklärte der Portugiese, nicht wieder zurückkehren zu wollen zum Champions-League-Sieger nach Manchester (siehe auch: 3:2 gegen Portugal: Der deutsche Traum vom Gipfelsturm lebt wieder). Doch Trainer Alex Ferguson pochte auf den Vertrag, mit dem er den Ballkünstler für das höchste Gehalt der Klubgeschichte langfristig gebunden hat. Nun aber ist nicht mehr ausgeschlossen, dass er seinen Star ziehen lässt, denn in Madrid deuten sich lukrative Entwicklungen an.

          Florentino Perez, der Mann, der einst die „Galacticos“ schuf mit den Verpflichtungen von Spielern wie Zidane, Figo, Beckham, hat nach drei Jahren Pause seine abermalige Kandidatur als Präsident von Real angekündigt - verbunden mit dem Versprechen einer Neuauflage der Weltauswahl in Weiß. Perez will Spieler wie Kaká, Fabregas, Xabi Alonso, vor allem aber Ronaldo holen. Solche Wahlversprechen könnten den Preis in eine Höhe treiben, bei der selbst United in Versuchung käme, Kasse zu machen.

          Die spannende Aussicht: eine Art Domino von Angeboten, die man nicht ausschlagen kann: Madrid-Manchester, Manchester-München, München-Bremen, und so weiter. Bayern-Manager Uli Hoeneß nannte zwar im Winter die futuristische Summe von 150 Millionen Euro, bei der man schwach werden und Ribéry aus dem noch zwei Jahre laufenden Vertrag lassen könne. Doch seine öffentlichen Gedankenspiele mit dem Bremer Diego (Marktwert: 24 Millionen Euro) als möglichem Ersatz für den Franzosen klangen zuletzt nicht mehr nach Prinzipientreue, sondern nach Pragmatismus. Denn Ribéry, der vor zwei Jahren für 25 Millionen Euro aus Marseille kam, wäre bei einem fast verdreifachten Verkaufspreis ein glänzendes Geschäft.

          Bayerns internationale Position als Halbschwergewicht

          Zudem wirkt der Franzose seit der Münchner Blamage in Barcelona wie jemand, der sich am falschen Ort glaubt (siehe auch: Champions League: Bayerns Problem – zu wenig Ribérys). Ein lustloser Star kann zur Belastung für ein Team werden und sein Verkauf zur Befreiung. Dennoch wäre ein Weggang Ribérys auch ein zartbitteres Eingeständnis der Bayern, dass man kein Klub für die ganz großen Spieler ist. National würden die Münchner ihre zuletzt wackelnde Ausnahmestellung durch den gewaltigen Cash-Flow betonieren, international aber auch ihre Position als Halbschwergewicht.

          Dass die Bayern den Preis noch erheblich hochtreiben könnten, ist dabei nicht sehr wahrscheinlich. Manchester City, der neureiche Lokalrivale von United, hat zwar viel Geld, aber keinen Platz in der Champions League, der Bühne der Stars. Und beim FC Barcelona kühlte das Interesse ab, nachdem ein diskretes Treffen zwischen Ribérys Berater und Barças Sportdirektor der französischen Presse gesteckt wurde.

          In Deutschland könnte viel Spielgeld vorhanden sein

          Das Interesse an dem Franzosen spricht für die allmähliche Aufwertung der Bundesliga. Deren beste Spieler weckten in den letzten Jahren wachsende Neugier in den noch größeren Ligen. Davon profitierte etwa Bayer Leverkusen, das von Tottenham 16 Millionen Euro für Dimitar Berbatow bekam, oder der Hamburger SV, der für Rafael van der Vaart, Nigel de Jong und Vincent Kompany um die 45 Millionen Euro kassierte. Und der FC Bayern erlöste über zwanzig Millionen Euro für Owen Hargreaves (der seitdem in Manchester meist verletzt ist).

          Nun darf die Liga auf den Wahlkämpfer Perez hoffen. Das Geld, das er von Madrid aus in diesem Sommer in den Markt zu pumpen verspricht, käme auf Umwegen vor allem deutschen Klubs zugute: den Bayern, den Bremern und dann wieder all denen, die Geschäfte mit Bayern und Bremen machen können. Denn dort ist dann viel Spielgeld vorhanden, das vielen anderen Klubs in Europa in diesem Sommer nicht zur Verfügung stehen wird. Weil die Krise viele Klubs erreicht hat, dürften die Preise für Spieler bröckeln - nur nicht für die im absoluten Topsegment. Wer einen von diesen wenigen Dutzend Spielern im Angebot hat, wird zu den Gewinnern gehören.

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