https://www.faz.net/-gtm-9z9ib

Fußball-Start in Corona-Krise : Gewagtes Spiel mit der Bundesliga

Fußball ohne Zuschauer: An dieses Bild muss sich die Bundesliga gewöhnen. Bild: AP

Als erste Topliga will die Bundesliga den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Dafür gibt es Applaus aus dem Ausland und Pfiffe aus der Republik. Der Fall Dresden zeigt nun, wie groß das Risiko ist.

          1 Min.

          Es ist ein Wagnis, das die Fußball-Bundesliga eingeht. Laut einer Umfrage für den „ARD-DeutschlandTrend“ sind fünfzig Prozent der Deutschen gegen einen Neustart, nur noch 36 Prozent sind dafür. Selbst diverse Fanorganisationen gingen in ihren Stellungnahmen zuletzt auf Distanz zu ihrem Lieblingssport.

          Bundesliga

          Die Volksdroge Fußball hat in der Corona-Krise an Wirkung verloren. Am Samstagabend bekamen die Kritiker neue Nahrung: Dynamo Dresden meldete zwei Corona-Fälle, die Mannschaft muss zwei Wochen in Quarantäne.

          Alle Klub-Verantwortlichen ließen in den vergangenen Wochen kaum eine Gelegenheit aus, um von Demut und Verantwortung zu sprechen und davon, dass der Fußball selbstverständlich augenblicklich zurückweichen werde, wenn die Corona-Symptome in der Republik wieder zunehmen. Im Kopf aber bleibt bei vielen das Bild von einem Milliarden-Business, das wieder einmal eine Sonderrolle zugesprochen bekommt.

          Das ist falsch. Bund und Länder haben mit ihrer Entscheidung, den Neustart der Bundesliga zu unterstützen, so lange gewartet, bis auch Geschäfte und Spielplätze wieder öffnen durften, bis auch der Breiten- und Freizeitsport eine Perspektive erhalten hat und weitere Konzepte für Schulen, Kindergärten und Gaststätten vorlagen. Was von all diesen Plänen der neuen Corona-Realität standhält, werden erst die kommenden Wochen zeigen.

          Die Deutsche Fußball Liga (DFL), so viel aber ist schon jetzt sicher, schlüpft weltweit in eine Art Pionierrolle. Als erste Topliga überhaupt nimmt sie den Spielbetrieb wieder auf. DFL-Chef Christian Seifert hat in dieser Woche nicht ohne Stolz erzählt, dass andere Ligen in Europa, ja sogar die größten amerikanischen Profiligen, die NFL, die NHL und die NBA, voller Interesse auf das deutsche Corona-Fußball-Projekt blicken und analysieren wollen, was sie vom Hygienekonzept übernehmen könnten, das die DFL ausgearbeitet hat.

          Applaus aus dem Ausland, Pfiffe aus der Republik – so ließe sich die Situation etwas verkürzt darstellen. Aber der Schlusspunkt ist noch nicht gesetzt. Wenn der Fußball wirklich den Corona-Ernstfall übersteht, dann könnte das Konzept für die kommenden Monate als eine Art Blaupause für Theaterensembles, Opernhäuser oder Orchester gelten. Weltweit: „Made in Germany“ – ein Gütesiegel auch während einer Pandemie. Und wenn nicht? Das Risiko tragen allein die Spieler, die Vereine und die Liga – das zeigt nicht zuletzt der Fall Dresden.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          „Joker“ Petersen stoppt die Borussia

          0:1 in Freibuirg : „Joker“ Petersen stoppt die Borussia

          Der Freiburger Rekordtorschütze richtet es als Einwechselspieler: Nils Petersen trifft gegen Mönchengladbach nach weniger als 60 Sekunden. Die Borussia verliert Alassane Plea und Max Eberl begeht eine traurige Premiere.

          St. Pauli muss aufpassen

          Zweite Bundesliga : St. Pauli muss aufpassen

          Es herrscht weiter Bewegung in der zweiten Bundesliga: Bochum und Sandhausen setzen ihre guten Serien fort. St. Pauli muss noch einmal nach unten schauen.

          Topmeldungen

          Michael Zahn hat sich mit Äußerungen zur Wohnungspolitik in Berlin nicht überall beliebt gemacht.

          Deutsche-Wohnen-Chef Zahn : Der unbeliebte Vermieter

          Nach 14 Jahren hat die deutsche Hauptstadt wieder einen Dax-Konzern. Michael Zahn ist der Mann, der ihn führt. Doch viele Berliner sind auf den Immobilienmanager nicht gut zu sprechen.
          Die Firmenzentrale des Zahlungsdienstleisters Wirecard im bayrischen Aschheim.

          Marktmanipulation : Bafin zeigt Wirecard an

          Nach den Vorwürfen wegen Marktmanipulation gegen den Zahlungsdienstleister hat nun die Finanzaufsicht Bafin Anzeige erstattet. Die Geschäftsräume des Unternehmens in Bayern wurden untersucht. Die Vorwürfe richten sich gegen Vorstände.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.