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Fußball : Hamburg freut sich auf den „Holländischen SV“

Noch ein Hamburger Holländer: Castelen Bild: dpa

In die Qualifikation zum Uefa-Pokal eingezogen, mit dem Niederländer Castelen einen weiteren Nationalspieler verpflichtet: Nach einer „desaströsen“ Saison steigt die Erwartungshaltung rund um den Hamburger SV.

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          Als Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer vor einem Jahr die sportliche Roadmap für den Hamburger SV absteckten, lag Chisinau gewiss nicht auf der Landkarte. Die Hanseaten waren gerade in der Champions League angekommen, und Gegner wie Arsenal London oder der FC Porto sollten nicht nur im Hier und Jetzt, sondern auch in der Zukunft der Maßstab für den ambitionierten Klub sein.

          Zwölf Monate und eine, so Vorstandschef Hoffmann, „desaströse Saison“ später gilt der Umweg über die europäische Fußball-Diaspora als unverhoffte Chance. Erst am letzten Spieltag der Vorsaison hatte sich der HSV auf den siebten Bundesliga-Platz gerettet und damit noch für den UI-Cup qualifiziert. Am Sonntag bezwang der Bundesliga-Klub den moldauischen Vertreter Dacia Chisinau in Hamburg souverän mit 4:0 und nahm damit nach dem 1:1 im Hinspiel die erste Hürde auf dem Weg in den Uefa-Pokal. Vincent Kompany (51. Minute), Kapitän Rafael van der Vaart (71.), Collin Benjamin (76.) und David Jarolim (89.) erzielten die Tore für den HSV, der sich - gegen einen allerdings schwachen Gegner - nach einer torlosen ersten Halbzeit motiviert und spielfreudig präsentierte.

          Die Rückrunde als Maßstab

          „Natürlich muss es das Ziel sein, den Uefa-Cup zu erreichen“, hatte Trainer Stevens schon vor dem Spiel in aller Deutlichkeit gesagt. Bis zur sportlich und finanziell attraktiven Gruppenphase des Wettbewerbs stehen nun noch zwei weitere K.-o.-Runden an. Dass der Sprung dorthin gelingt, ist im Umfeld des Klubs ausgemachte Sache. Längst scheinen die Fans vergessen oder verdrängt zu haben, dass der HSV vor einem halben Jahr am Abgrund stand: als Tabellenletzter der Bundesliga mit wenig Aussicht auf Besserung.

          Ein neues Gesicht in der Bundesliga

          Maßstab für die hohen Erwartungen ist die Rückrunde, in der Stevens die (zuvor kaum als solche zu bezeichnende) Mannschaft einte und zum zweitbesten Team hinter Meister VfB Stuttgart machte. Auch Spieler wie David Jarolim oder der aus Mainz gekommene Mohamed Zidan erklärten den neuen HSV schon wieder reif für die nationale Spitze. Der Trainer gibt sich derzeit alle Mühe, einerseits die Ansprüche nicht zu groß werden zu lassen, gleichzeitig aber das Team auch zu fordern. „Wir wollen besser sein als in der letzten Saison“, lautet seine bewusst unscharf gehaltene Formel. „Damit dürfte ich nicht zu viel Druck aufgebaut haben.“

          Castelen-Wechsel perfekt

          Die europäischen Qualifikationsspiele machen es ihm dabei nicht unbedingt leichter. Es liegt auf der Hand, dass die frühe Wettkampfbelastung und mühsame Reisen den planmäßigen Saisonaufbau erschweren. „In der Vorbereitung stört das immer“, bestätigt Stevens, der zudem Spieler wie Sidney Sam oder Änis Ben-Hatira, die bis vor einer Woche bei der Europameisterschaft der unter Neunzehnjährigen im Einsatz waren, in den laufenden Trainingsbetrieb integrieren muss. „Ich glaube trotzdem, dass wir einen vernünftigen Aufbau betrieben haben“, sagt er.

          An diesem Montag hat der niederländische Nationalspieler Romeo Castelen einen Vierjahresvertrag bei den Norddeutschen unterschrieben. Der Mittelfeldspieler kam für eine Ablösesumme von drei Millionen Euro von Feyenoord Rotterdam und soll jährlich etwa 1,6 Millionen Euro verdienen. Nach Rafael van der Vaart, Joris Mathijsen und Nigel de Jong ist er bereits der vierte Niederländer im HSV-Kader. „Romeo ist ein schneller Spieler für die Außenbahn. Wir sind sehr froh, dass Romeo zu uns kommt und sind sicher, dass er unseren Kader verstärken wird“, sagte Beiersdorfer.

          „Heilfroh, dass wir so eine Euphorie haben“

          Der deutliche Erfolg gegen Chisinau und die Verpflichtung eines weiteren Nationalspielers wird die ohnehin schon große Fußball-Begeisterung in Hamburg nun noch weiter anheizen. Dass die Arena am Sonntag mit 51.000 Zuschauern ausverkauft war, zeigte, wie viel Vertrauen das Hamburger Publikum seinem HSV längst wieder entgegenbringt, nachdem das Verhältnis in der Vorsaison lange von gegenseitiger Entfremdung geprägt war. „In jedem anderen Bundesliga-Stadion wäre nur die Hälfte gekommen“, sagte Sportchef Beiersdorfer.

          Es zeigte sich allerdings auch, wie nah die Extreme in Hamburg beieinanderliegen: In der Schlussphase der Partie stimmten die Fans bereits wieder das Lied von der Meisterschaft („Wer wird deutscher Meister?“) an. Dass der gestiegene Erwartungsdruck so auch zur Belastung werden könnte, glaubt man beim HSV jedoch nicht. „Ich bin heilfroh, dass wir so eine Euphorie haben“, sagt Klubchef Hoffmann.

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