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Fußball : Feng Shui

Nichts muss er erst einmal aufräumen Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Das Schöne am Sport ist seine Gerümpelfreiheit. Wer etwa das Büro betritt oder die Wohnung oder gar den Keller, trifft auf den Überfluss der Dinge, die das Denken hemmen; der Einzelheiten, die Energie fressen. Ein Sportplatz dagegen braucht kein Feng Shui. Er ist sein eigenes Energiefeld.

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          Das Schöne am Sport ist seine Gerümpelfreiheit. Wer etwa das Büro betritt oder die Wohnung oder gar den Keller, trifft auf den Überfluss der Dinge, die das Denken hemmen; der Einzelheiten, die Energie fressen. Deshalb zieht es Menschen an die See, ins Gebirge. Oder auf den Sportplatz. Wer das Fußballfeld betritt, den Tenniscourt, das Golfgrün, betritt eine Oase der Leere, ein Feld der Freiheit.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Nichts muss er erst einmal aufräumen. Kein Ding mahnt ihn nachzudenken, ob er es noch brauche. Keine Sache fragt ihn, wann er sie erledige. Es gibt nur ein Ding, den Ball, und nur eine Sache, und immer tut man sie sofort, im Hier und Jetzt. Ein Sportplatz braucht kein Feng Shui. Er ist sein eigenes Energiefeld.

          Junger Berti Vogts vor Zinntellersammlung

          Aber auch Sportler müssen wohnen. Das wirkt sich auf den Sport aus. So fand die verdienstvolle Zeitschrift „11 Freunde“ erschütternde Bilddokumente aus beengter Fußballvergangenheit. Sie zeigten etwa den jungen Berti Vogts verschüchtert vor seiner Zinntellersammlung. Oder Sepp Maier, der in seiner Stube fast wie ein Gefangener dasaß - vor einem derart monströsen, Berliner-Mauer-artigen Fenstervorhang, dass die Redaktion vermutete, dieser hätte "selbst Gammastrahlung abhalten können".

          Von der bleiernen Zeit des Kickermobiliars hat uns nicht der gelernte Raumausstatter Matthäus, sondern erst der autodidaktische Innenarchitekt Klinsmann befreit. Feng Shui für die Fußballseele, Buddhas an der Säbener Straße, das wurde belächelt, als er zu den Bayern kam. Inzwischen atmet das Münchner Spiel eine gerümpelfreie Geräumigkeit, die von der Einrichtung vorgemacht wurde.

          Wider die bequeme Ersatzbank

          Wie Mobiliar die Mobilität beflügelt, zeigte vor zwei Jahren der FC Reading. Er ließ Business-Methoden auf das Fußballteam anwenden. Schwächen wurden analysiert, Ziele definiert, es galt der Grundsatz: für Fortschritte keine Einzelprämien, sondern Gemeinschaftsbelohnungen. Die Mannschaft bekam neue Farbe auf die Wände im Trainingszentrum, Grünpflanzen, einen Flachfernseher - und ein neues Sofa von Ikea. Sie stieg in die Premier League auf.

          So schließt auch die Inneneinrichtung allmählich zum Trend des Profisports auf: den Stars was Gutes tun, damit sie was Gutes tun. Schon sehen die Stadion-Umkleiden mancher Klubs aus wie Wellness-Oasen - während die der Gastmannschaft manchmal spartanisch gehalten sind. Das zählt zum Heimvorteil. Doch gibt es eine Sitzgelegenheit, bei der man es übertreiben kann mit dem Komfort: die Ersatzbank. Mehr und mehr macht ihr hartes Holz Platz für körpergeformte, kuschelige Fauteuils. Dabei darf die Ersatzbank doch nie bequem werden. Sie frisst sonst Energie, das ist das Feng Shui des Fußballs. Guter Fußball braucht eine Bad Bank.

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