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Fußball : Ein manchmal unwürdiges Transfer-Schauspiel

  • -Aktualisiert am

Umgarnt beim ersten Auftritt: Per Mertesacker Bild: dpa

Stühlerücken in der Fußball-Bundesliga: Das Feilschen um Per Mertesacker, Frank Fahrenhorst und Michael Thurk hat kurz vor dem ersten Spieltag doch noch ein Ende gefunden. Es waren Wechselspiele, an denen viele gut mitverdient haben.

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          Um vorherzusagen, daß diese Transfers zustande kommen würden, mußte man kein Prophet sein. Ein Spieler, der unbedingt weg will von seinem alten Verein, wird auch, unabhängig von seinen vertraglichen Verpflichtungen, gehen können - sobald der Preis stimmt. Und so gingen kurz vor dem Bundesligastart auch diese Wechsel über die Bühne, an denen viele mitverdient haben.

          Nationalspieler Per Mertesacker wechselt von Hannover 96 zu Werder Bremen, dafür macht sich Frank Fahrenhorst auf den umgekehrten Weg. Nicht einmal umziehen muß Michael Thurk, der seine Forderung, von Mainz zur Frankfurter Eintracht wechseln zu können, schließlich durchsetzte: Thurk lebt ohnehin in seiner Geburtsstadt Frankfurt.

          Welche Rolle spielt der Spieler?

          Nach wochenlangem Hin und Her wurde Per Mertesacker am Dienstag bei Werder Bremen als Zugang präsentiert. Mit der Einigung am späten Montag abend fiel der Vorhang nach einem bisweilen unwürdigen Transfer-Schauspiel. Zwischenzeitlich schien es dabei auch um die Frage zu gehen, welche Rolle der Wille eines Spielers im Transfergeschäft einnehmen darf. Denn lange hatte sich Fahrenhorst gegen ein Tauschgeschäft gesträubt - und am Ende eingewilligt. Es war wohl vor allem doch ein Finanzpoker, denn auch Fahrenhorst ließ sich den Abschied aus Bremen mit einer Abfindung versüßen.

          Neu bei Werder: Per Mertesacker
          Neu bei Werder: Per Mertesacker : Bild: dpa

          Die nackten Zahlen lesen sich so: Werder zahlt für den 21 Jahre alten Mertesacker, der einen Vierjahresvertrag erhält, knapp fünf Millionen Euro und läßt Fahrenhorst ablösefrei nach Hannover ziehen. Fahrenhorst soll für drei Jahre unterschreiben und erhält, so heißt es, von Werder eine Abfindung in Höhe von einer halben Million Euro. Am Montag stockten die Verhandlungen noch einmal, weil nun auch Mertesacker von 96 eine Abfindung verlangte, da er bei einem späteren Wechsel ein höheres Handgeld von seinem neuen Verein hätte aushandeln können.

          Gut verhandelt

          Wirtschaftlich gesehen hat 96 gut verhandelt, denn in einem Jahr hätte Mertesacker für eine festgeschriebene Ablöse von 1,2 Millionen Euro wechseln können. Für Werder ist dieser Transfer - in der Addition mit der entgangenen Ablöse für Fahrenhorst - der teuerste Deal der Vereinsgeschichte, zumal im Falle einer erfolgreichen Saison wohl Nachzahlungen an Hannover fällig wären. Im Mai 2005 war Mertesacker erstmals mit Werder in Verbindung gebracht worden, als sich der Wechsel von Ismael nach München abzeichnete. Im Januar dieses Jahres bestätigte Werder-Manager Allofs das Interesse; zugleich wurde über ein Tauschgeschäft spekuliert. Um das zu realisieren, mußten drei Voraussetzungen erfüllt sein. Erstens: Mertesacker mußte sich für Werder entscheiden. Zweitens: Hannover mußte bereit sein, ihn vorzeitig abzugeben. Und drittens: Fahrenhorst mußte einverstanden sein.

          Punkt eins war der einfachste. Unmittelbar nach der WM legte Mertesacker sich öffentlich auf Werder fest. „Bremen ist genau das, was ich jetzt brauche. Der richtige Klub, um mich auf internationaler Ebene weiterzuentwickeln“, sagte er. Damit geriet Hannover 96 in Zugzwang. Im März hatte der Klub die erste offizielle Anfrage von Werder-Manager Allofs - angeblich rund drei Millionen Euro - als unzureichend zurückgewiesen. Erst mit der Rückkehr von Martin Kind auf den Chefsessel in Hannover im Juli änderte sich die Lage. Der Transfer von Per Mertesacker wurde nun, was er vermutlich von Beginn an war: in erster Linie eine Frage des Preises.

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