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Gipfeltreffen bei den Frauen : Keine Wunderdinge gegen Wolfsburg

  • -Aktualisiert am

In gemeinsamen Tagen: Sara Doorsoun (links) von der Eintracht und die heutige Wolfsburgerin Merle Frohms vergessen ihre Freundschaft für 90 Minuten. Bild: picture alliance / Eibner-Pressefoto

Sara Doorsoun will mit der Eintracht der Liga einen Dienst erweisen und den deutschen Meister auswärts bezwingen. Dafür müssen die Hessinnen ihre ehemalige Torhüterin Merle Frohms überwinden.

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          Mit den echten, tiefen Freundschaften sei das so eine Sache im Profisport, sagt Sara Doorsoun. Konkurrenzdenken in den Teams und auch kurzfristige Vereinswechsel gehören schließlich längst zum Frauenfußball. Die 31-Jährige sagt aber über sich, dass sie in ihren dreieinhalb Wolfsburger Jahren „Freundinnen fürs Leben“ gefunden hat. Über den Jahreswechsel beispielsweise wird sie einige Tage mit ehemaligen VfL-Kolleginnen verreisen.

          Was Doorsoun aber an diesem Samstag nicht davon abhalten würde, die Freundinnen „anzupöbeln, wenn nötig“. Nun ist die gebürtige Rheinländerin nicht bekannt für ein aufbrausendes Temperament, wohl aber als wehrhafte Abwehrspielerin mit reichlich Erfahrung auf den kleinen und großen Bühnen ihres Sports.

          An diesem Samstag (13 Uhr, Livestream im NDR) wird ihr und den Kolleginnen der Frankfurter Eintracht eine weitere große Bühne geboten. Das Bundesliga-Gipfeltreffen findet in der Wolfsburger Arena statt, über 14.000 Zuschauer werden erwartet. Die heimischen Niedersachsen treffen als Spitzenreiter (acht Spiele, acht Siege, 24 Punkte) auf den Tabellenzweiten und ersten Verfolger aus Hessen (20 Punkte).

          Am Mittwoch luden beide Klubs zu einer gemeinsamen Video-Pressekonferenz mit Doorsoun und der Wolfsburger Torhüterin Merle Frohms. Beide haben als Nationalspielerinnen im Sommer daran mitgewirkt, dass die Europameisterschaft mit dem Einzug ins Finale von Wembley zu einem großen Erfolg wurde. Im Vereinsleben sind sie unlängst gegensätzliche Wege gegangen.

          Sara  Doorsoun steht seit Januar in Diensten der Eintracht.
          Sara Doorsoun steht seit Januar in Diensten der Eintracht. : Bild: Huebner

          Doorsoun wechselte in der vorigen Winterpause von Wolfsburg nach Frankfurt, Frohms zog es im Zuge des EM-Sommers von der Eintracht zum VfL und damit zurück in die Nähe ihrer Heimatstadt Celle. Als häufige Zimmerpartnerinnen bei der Nationalmannschaft und als Vereinskolleginnen auf Zeit am Main sei zwischen ihnen persönlich ein sehr gutes Verhältnis entstanden. Dies werde auch in diesen Tagen bis zum Anpfiff der Ligapartie nicht ruhen, betonen beide. Für die 90 Minuten im direkten Duell werde es aber komplett ausgeblendet.

          „Sportlich einen großen Schritt gemacht“

          „Es ist für mich ein sehr besonderes Spiel“, erzählt Frohms. „In der Zeit in Frankfurt habe ich sportlich einen großen Schritt gemacht. Das hat mir den Weg bereitet, und ich konnte mich intensiv auf die EM vorbereiten.“ Beim Turnier in England zeigte sie als deutsche Nummer eins starke Leistungen – und hat dieses Niveau auch in der neuen Saison im Trikot des VfL und der DFB-Auswahl konserviert. In ihrer persönlichen Gesamtbilanz für 2022 spricht Frohms sogar von „entscheidenden Schritten in meiner Karriere“.

          Ihre beiden Jahre bei der Eintracht endeten auf Platz sechs (inklusive Einzug ins Pokalfinale) und drei – zwei Saisons, in denen sie ihren Status als deutsche Nummer eins zu zementieren wusste. Vorbei die Zeit, in der ihr Torhüterinnen-Star Almuth Schult im Verein in Wolfsburg (sieben Jahre) und in der Nationalmannschaft immer voraus war. Im Sommer hat Frohms die einst Unantastbare in der DFB-Auswahl hinter sich gelassen und deren Platz eingenommen beim VfL Wolfsburg, dem deutschen Serienmeister und -pokalsieger.

          Frohms zu überwinden und gegen die „Wölfinnen“ zu punkten stellt die aktuell schwierigste Aufgabe im deutschen Frauenfußball dar. „Wie unfassbar stark der VfL ist, habe ich in meiner Zeit dort erlebt. Es steckt in diesem Team die Mentalität, gegen jeden Gegner, ob groß oder klein, voll fokussiert zu sein. Davon lebt die Mannschaft“, sagt Doorsoun und folgert daraus für die SGE: „Wir sollten ganz bei uns bleiben – und nicht versuchen, Wunderdinge zu vollbringen.“

          Das Match ist für die Frankfurterinnen schon aus dem Grund bedeutungsvoll, weil sie nach dem frühen Ausscheiden aus Champions League und DFB-Pokal nur noch die Bundesliga haben. Dort nicht zu verlieren und die Wolfsburgerinnen davonziehen zu lassen wäre auch ein Dienst an der Liga, die in der aktuellen WM-Pause der Männer so viel Aufmerksamkeit bekommt wie noch nie zuvor. Am vergangenen Wochenende stellten Werder Bremen mit 20.417 Zuschauern im Weserstadion und der 1. FC Köln mit 5400 Besuchern Vereinsbesucherrekorde auf.

          Merle Frohms ist nach zwei Jahren in Frankfurt zurückgekehrt nach Niedersachsen.
          Merle Frohms ist nach zwei Jahren in Frankfurt zurückgekehrt nach Niedersachsen. : Bild: Alex Corrie / SPP/firo Sportphoto /

          Der letzte Sieg einer FFC- oder Eintracht-Mannschaft in Wolfsburg rührt tatsächlich vom ersten Spieltag der Saison 2010/11. Einer Zeit, in der sich die Wolfsburgerinnen aufmachten, zu einer bestimmenden Kraft hierzulande und in Europa zu werden.

          Auch wenn die Eintracht sich gerade erst auf den Weg begeben hat mit Ziel europäische Frauenfußball-Elite, war der Wechsel von Wolfsburg nach Frankfurt für Sara Doorsoun ein Karriere-Booster. Beim VfL nur noch Reservistin, hatte sie bei der SGE in der Verteidigung als Stammkraft sofort stabilisierende Wirkung.

          Die 1:4-Heimniederlage gegen die alten Kolleginnen Ende März war die letzte Schlappe für die seitdem ungeschlagene Eintracht. „Wir wollen vorne und hinten sehr konsequent agieren und es dem VfL so schwer wie möglich machen“, sagt Doorsoun. So, dass bei der Silvester-Sause mit ehemaligen Wolfsburger Teamkolleginnen von Doorsouns Jubel die Rede ist – und nicht von ihren Pöbeleien.

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