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Darmstadt 98 : Viel Lob, noch mehr Schwachstellen

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„Stabilisieren“: Markus Anfangs Pläne bei Darmstadt 98 Bild: Florian Ulrich/Jan Huebner

Das Spiel der „Lilien“ gefällt oft – findet aber keine Konstanz. Nun steht in der zweiten Fußball-Bundesliga das Aufeinandertreffen mit dem FC Heidenheim bevor – es droht Ungemach.

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          Rüdiger Fritsch hat den sportlichen Betrieb am Böllenfalltor unlängst daran erinnert. „Es kann nicht unsere Ambition sein, mit Platz zwölf zufrieden zu sein“, sagte der Vereinspräsident. Doch genau um diesen Rang kreisten die „Lilien“ an den ersten 15 Zweitligaspieltagen beharrlich. Mal zwei Plätze drüber, mal zwei drunter. Oft wähnte man sie nach überzeugenden, erfolgreichen Spielen auf dem Sprung nach oben, doch genauso oft folgte die Trendumkehr auf den Fuß.

          2. Bundesliga

          Bestes Beispiel sind die Partien vor und nach dem Jahreswechsel: 2020 beendete Darmstadt 98 mit drei Pflichtspielsiegen in Serie ohne ein Gegentor, 2021 begrüßten sie mit zwei Niederlagen in Folge. Und bei den äußerst heimstarken Heidenheimern (21 Partien zu Hause ungeschlagen) droht den ersatzgeschwächten Südhessen an diesem Sonntag (13.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Liga sowie bei Sky) weiteres Ungemach.

          Aber: Zu der „Lilien“-Geschichte dieser Spielzeit gehört auch, dass sie manches Mal gerade dann ihre beste Leistungen zeigten, wenn die Vorzeichen gegen sie sprachen. Dieses wankelmütige Kollektiv, aus dem man kaum schlau wird, ist jedenfalls ein Graus für jeden Freund von Sportwetten. „Kontinuität und Stabilität haben wir noch nicht ausreichend in unserer Mannschaft“, sagt Cheftrainer Markus Anfang. Der Befund des 46-Jährigen bezieht sich ausdrücklich sowohl auf den Verlauf der einzelnen Partien als auch die Ergebnisse insgesamt.

          Es spricht für Anfang und seine Profis, dass sie ihren erarbeiteten offensiven, auf Dominanz und Ballbesitz ausgerichteten Spielstil bislang beibehalten haben und sich von Rückschlagen nicht haben entmutigen lassen. Insgesamt führte dieser Ansatz zu vielen Momenten, in denen „Lilien“-Fans mitunter mit der Zunge schnalzen konnten wie seit langem nicht mehr ob vieler gelungener Spielzüge und schön herausgespielter Tore. Er führte aber auch dazu, dass sich der geneigte Anhang häufiger denn je die Haare raufen konnte ob der wiederkehrenden individuellen (Abwehr-)Fehler, welche das Team einige Male um durchaus verdiente Sieg gebracht haben.

          Es wirkt, als wenn die „Lilien“ schon längst ins obere Tabellendrittel hätten vordringen können, hätte Coach Anfang etwas mehr individuelle Qualität im Kader. Bei seinem letzten Zweitligaprojekt, dem 1. FC Köln in der Aufstiegssaison 2018/19, fand Anfang weitaus bessere Möglichkeiten für seinen Spielstil vor. Zumal von der Darmstädter Bank kommende Profis – beispielsweise Seydel, Berko, Platte, Stanilewicz, Herrmann und Honsak – in der Regel keinen Gewinn für das SVD-Spiel darstellen. Der zweite Darmstädter Anzug sitzt nicht.

          Und so spielen die Südhessen Fußball wie eine Topmannschaft, ohne in allen Mannschaftsteilen die adäquate individuelle Qualität für erforderliche 90-minütige hohe Aufmerksamkeit und niedrige Fehlerquote zu haben. Das birgt Risiken. Und bringt Lob – von vielen gegnerischen Trainern, die über das, gemessen an Zweitligamaßstäben, schöne Darmstädter Spiel schwärmen. Auch wenn das Lob mitunter halb gönnerisch, halb vergiftet klingt.

          Denn die Schwachstellen im Darmstädter Spiel sind, gerade wenn die Verletztenmisere die „Lilien“ mehr piesackt, sind bekannt. Beispielsweise das Fehlen eines Linksfußes auf der linken Seite in Abwesenheit des zuletzt regelmäßig ausgefallenen Kapitäns Fabian Holland. In diesem Wissen konzentrierten sich die Gegner bei ihrem Pressing auf diese Seite, so Anfang. Der aber klarstellt: „Die Mannschaft glaubt daran, dass wir mit diesem unseren Fußball erfolgreich sein können. Sie hat das Gefühl, jedes Spiel für sich entscheiden zu können.“

          Auf dem Wintertransfermarkt sind die Südhessen nun schon zwei Mal aktiv geworden: Zwei Neuzugänge und ein Abgang stehen zu Buche, weite Aktivitäten sollen folgen. „Von den Ergebnissen her müssen wir uns stabilisieren“, so Anfang. „Das ist wahnsinnig wichtig.“ In der vorigen Saison hatten die „Lilien“ zu diesem Zeitpunkt gleich viel Punkte (18) gesammelt und standen, richtig: auf Rang zwölf. Dann ließen sie eine richtig starke Rückrunde folgen und erreichten noch Rang fünf.

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