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Bundesliga in Quarantäne : „Das Hotel ist wie ein Geisterhotel“

  • Aktualisiert am

Die Bundesliga geht weiter – aber vorerst nur mit Geisterspielen. Bild: dpa

Bevor die Fußball-Bundesliga am 16. Mai startet, müssen die Teams in die Quarantäne. Jeder Verein hat sein eigenes Konzept. Und ein Trainer berichtet nach dem Einzug ins Hotel, wie schwierig die Lage ist.

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          Trainer Markus Gisdol vom 1. FC Köln hat nach dem Umzug ins Mannschaftshotel zum Quarantäne-Trainingslager bis zur Fortsetzung der Fußball-Bundesliga gemischte Emotionen eingeräumt. „Es war ein eigenartiges Gefühl“, sagte Gisdol: „Das Hotel ist wie ein Geisterhotel. Und du bist plötzlich in deiner Freiheit viel mehr eingeschränkt als in den letzten Wochen schon. Das ist schon nochmal eine andere Dimension.“

          Bundesliga

          Es werde sicher noch einige Tage dauern, dass „man sich hin- und hergerissen fühlt zwischen dem Gefühl, eingeengt zu sein und der Vorfreude auf das Spiel“, sagte der 50-Jährige: „Aber wir waren uns alle einig, dass wir sehr, sehr viel in Kauf nehmen wollen, um wieder spielen zu können.“ Der FC steigt am 17. Mai mit einem Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 wieder in die Saison ein. Den beiden Spielern und dem Mitarbeiter, die positiv auf Corona getestet wurden und derzeit in Quarantäne sind, zeigen laut Gisdol weiterhin „in keinster Weise Symptome. Sie würden am liebsten wieder ins Training einsteigen.“

          Bei der Rückkehr ins Mannschaftstraining hätten sich viele Spieler noch unsicher gefühlt. „Das ist vergleichbar mit kleinen Kinder, die zum ersten Mal wieder auf den Spielplatz gehen“, sagte Gisdol: „Sie freuen sich genauso wie meine Spieler. Aber wenn sie das erste Mal an die Schaukel gehen, sind sie zunächst ein bisschen vorsichtiger. Aber es dauert nicht lange, bis sie wieder bis nach oben schaukeln oder die Rutsche auf dem Bauch herunterrutschen.“

          Ein bisschen erinnerte die Szenerie zuvor schon an Jugendliche, die brav ins Schullandheim einziehen. Mit schweren Taschen bepackt und Schutzmasken im Gesicht trotteten die Kölner Profis in ihr Quarantäne-Hotel in der Innenstadt. Toni Leistner rückte mit einem Geschicklichkeitsspiel unterm Arm ein, Brady Scott brachte seine Gitarre mit, und Thomas Kessler hatte die Playstation eingepackt. Schließlich gilt es, zehn Tage bis zum ersten Bundesligaspiel seit der Corona-Unterbrechung zu überbrücken – völlig abgeschottet von der Außenwelt.

          „Mindestens die letzten sieben Tage vor Saisonbeginn“, so sieht es das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) für den Restart am 16. Mai vor, sollen „als Trainingslager in Quarantäne verbracht“ werden. Heißt: Zum täglichen Training dürfen Spieler und Betreuer raus, danach geht es ohne Umwege mit dem Mannschaftsbus wieder zurück ins Hotel. Dort sind die Teams strengstens abgeschirmt, direkte Kontakte nach außen sind verboten – Familie und Freunde gibt es nur per Videocall zu sehen.

          Die Kölner hatten es am Donnerstagabend als erster Bundesligaklub vorgemacht, die Konkurrenten ziehen dieser Tage nach. So wird Rekordmeister Bayern München am Samstag ein Hotel in Unterschleißheim beziehen. „Von da an wird gewährleistet sein, dass die Mannschaft exklusiv mit dem Betreuerstab untereinander ist in dieser Quarantäne“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge bei Sky. Am Donnerstag hatte Trainer Hansi Flick seinen Spielern freigegeben, damit diese nochmals einen Tag mit ihren Familien genießen konnten.

          Noch strikter hält es Aufsteiger Union Berlin, der den Spitzenreiter aus München am 17. Mai in der Hauptstadt empfängt. Statt in Berlin bereiten sich die Eisernen im 326 Kilometer entfernten Barsinghausen in Niedersachsen vor. Die Gefahr, dass Spieler für einen Abstecher nach Hause aus der Isolation ausbüxen, ist damit freilich minimiert.

          RB Leipzig zieht die Quarantäne hingegen ab Samstag auf dem eigenen Vereinsgelände durch, gegen einen möglichen Lagerkoller sieht sich Trainer Julian Nagelsmann gut gerüstet. Stürmer Yussuf Poulsen habe „im Spielwarenladen um die Ecke“ ein paar Spiele gekauft, dazu habe sich das Team „schnelleres Internet gewünscht“, erzählte Nagelsmann und zeigte sich guter Dinge: „Ich habe keine große Sorge, dass wir in der Quarantäne alle durchdrehen.“

          „Es war ein eigenartiges Gefühl“: Kölns Trainer Markus Gisdol lebt mit seinem Team derzeit in der Hotel-Quarantäne.
          „Es war ein eigenartiges Gefühl“: Kölns Trainer Markus Gisdol lebt mit seinem Team derzeit in der Hotel-Quarantäne. : Bild: dpa

          Natürlich fordert die besondere Situation den Betroffenen aber viel ab. „Du bist in deiner Freiheit eingeschränkt – und das viel mehr als vorher. Es ist kein normaler Hotelaufenthalt“, sagte FC-Trainer Gisdol nach den ersten Eindrücken. „Klar ist es für keinen angenehm, zehn, 14 Tage im Hotel zu sein, in einem kleinen Zimmer alleine zu leben“, sagte der Kölner Vizekapitän Marco Höger dem Express, jedoch sei dies „Meckern auf hohem Niveau“. Eine Alternative gibt es sowieso nicht, schließlich sind Disziplin und die strikte Befolgung der Hygieneregeln neben den engmaschigen Corona-Tests essenziell für das Gelingen des Konzepts.

          „Ich erwarte von jedem Einzelnen, dass er seiner Verantwortung gerecht wird“, hatte DFL-Boss Christian Seifert eindringlich betont. Zwölf Infektionsfälle waren bei den Klubs der beiden Bundesligen in den ersten beiden Testwellen offenbar geworden. Und jeder weitere positive Fall brächte das fragile Konstrukt mehr in Gefahr. Auch Bilder wie von Hertha-Spieler Salomon Kalou, der filmte, wie er und seine Berliner Kollegen die Corona-Regeln nicht so genau nehmen, dürfen nicht wieder vorkommen.

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          Bislang gelten Mitspieler und Betreuer bei einem positiven Corona-Fall im Konzept der DFL gemäß der Einstufung des Robert Koch-Instituts nicht automatisch als direkte Kontaktpersonen der Kategorie eins. Deshalb schickten die Gesundheitsämter nur nachweislich Infizierte in eine zweiwöchige Quarantäne, nicht das gesamte Team. Vorsorglich isoliert werden müssten nur Kontaktpersonen, die aus dem gleichen Haushalt kommen oder insgesamt mehr als 15 Minuten Gesichtskontakt mit dem Infizierten hatten – ob die Behörden kasernierte Mitspieler in Hotels zu dieser Gruppe zählen würden, ist offen.

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