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Fußball-Bundesliga : Zeiglers wunderbare Welt des Wohnzimmers

  • -Aktualisiert am

Der Raum ist voll und die Sendung dauert dreißig Minuten: Arnd Zeigler in seinem Wohnzimmer Bild: Matthias Sandmanm

Er macht jeden Sonntag eine lustige Fernsehsendung über die Fußball-Bundesliga. Er hat sein Studio in den eigenen vier Wänden. Und er ist Stadionsprecher bei Werder Bremen. Ein Hausbesuch bei Arnd Zeigler, dem Fan und Fachmann.

          Schauen Sie ruhig mal hin. Tiefer. Noch tiefer. Ja genau, auf die Schuhe des Studiogastes. Wie - der hat keine an? Das war Ihnen noch gar nicht aufgefallen? Dabei ist es in diesem TV-Studio Gesetz. Die Gäste ziehen die Schuhe aus. Alle. „Na ja“, sagt Studiochef Arnd Zeigler, „eine Ausnahme würde ich wohl machen: Uli Hoeneß.“ Nicht etwa, weil Zeigler Bayern-Fan wäre - Gott bewahre. Aber vor Leuten, die ihr Herzblut für einen Verein geben, habe er nun mal Respekt.

          Und mit Herzblut ist auch Zeigler dabei. Andere würden ihn wahrscheinlich sogar als fußballverrückt einstufen. Und zwar schon als eher schweren Fall. So jemand eben, der auf Anhieb weiß, dass Stegmayer vier Tore beim 6:1-Sieg des FC Saarbrücken über Bayern München erzielte: „1977 war das.“ Widerspruch zwecklos; genauso gut könnte man die Encyclopedia Britannica anzweifeln. Natürlich wüsste er auch, dass Hannes Nowak von Schalke über Bayern 1968 zu Kickers Offenbach wechselte, aber oft genug verkneift er sich so etwas. Schließlich will er ja nicht als Wissensprotzer dastehen - was er ja auch nicht ist.

          Zeigler ist mehr: Er ist Fan und Journalist. Und das beweist er jede Woche: in „Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs“. Sonntags 23.45 Uhr im WDR. Eine der wenigen Live-Sendungen des deutschen Fernsehens. So gut, dass sie in diesem Jahr um ein Haar den Grimme-Preis bekommen hätte. So unterhaltsam, dass man den Macher dahinter für alles halten könnte - bloß nicht für einen Sportmoderator.

          Die nächste Sendung ist immer die schwerste: Spielzeug auf dem Schreibtisch

          „Soll ich noch was sagen? Nee? Auch okay.“

          Sein Studio sieht denn auch eher aus wie ein ehemaliges Jugendzimmer, das irgendwie mit seinem Bewohner mitgewachsen ist. Oder würden Sie sich etwa zwei Schreibtischlampen hinstellen, die den Flutlichtmasten von Werder Bremen nachempfunden sind? Und die Panini-Alben? 46 Jahre alt ist Zeigler. Und geschieden. Die besten Voraussetzungen, wenn man übergangslos aus einem Jugendzimmer ein Wohnzimmer machen möchte. Und daraus wiederum ein Fernsehstudio. Untergebracht ist es in einem sogenannten Bremer Haus. Kleiner Vorgarten. Ein paar Stufen hoch. Alles sehr gediegen. An der Klingel ein Zettel: Pakete bitte bei der Apotheke abgeben.

          Jede Woche reist ein WDR-Team für die Sendung ins Bremer Steintorviertel. „Ein netter Zug“, findet Arnd Zeigler. Doch dann verrät er auch, dass er den WDR ein klitzekleines bisschen erpresst hat. Oder wie sonst soll man es nennen, wenn sich der Moderator kurzerhand weigert, regelmäßig ins Studio nach Köln zu fahren - weil er einfach genügend Zeit für seinen Sohn haben will? Na klar, dann muss der Sender eben nach Bremen kommen. Das macht der nun schon seit vier Jahren. Und da sitzt er jetzt in Form eines Technikers, einer IT-Fachkraft und eines Redakteurs. Heute ist es Alexander Reker. Der macht auch die Regie, und das Drehbuch ist auch von ihm. Aber was heißt schon Drehbuch in einer Sendung, in der es vor allem auch auf Spontaneität ankommt?

          „Wir müssen noch den Einspieler drehen“, mahnt Reker. „Wo denn?“, will Zeigler wissen. „Ich denk, auf der Treppe, das geht schon.“ Klar geht das. Schließlich sind wir hier nicht beim WDR. Sondern bei Zeigler. Und der macht das schon. Irgendwie. „Soll ich noch was sagen? Nee? Auch okay.“ Und wenn mal was schiefgeht? „Ich mach ja hier keine Herzverpflanzung, es geht ja schließlich um Fußball.“

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