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Fußball-Bundesliga : Willkommen im Mittelstand

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Autsch, das tat weh: Sebastian Kehl und Borussia Dortmund erfahren in der Bundesliga viel Gegenwehr Bild: dpa

Das Remis gegen den VfB Stuttgart ist ein weiterer Rückschlag für die Ambitionen des Meisters in der Bundesliga. Borussia Dortmund gewinnt keine engen Spiele mehr und muss sich nach dem 0:0 um neue Konkurrenten kümmern.

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          Im Rückblick fiel es beiden Parteien schwer, das Ergebnis als das einzuordnen, was es war: ein torloses Unentschieden. Jürgen Klopp saß da und konnte seine Enttäuschung kaum verbergen. Er wirkte, als hätte seine Elf verloren. Gerade bei Heimspielen müsse er als Trainer von Borussia Dortmund „damit leben, dass sich Unentschieden anfühlen wie Niederlagen“, sagte Klopp. Auf der Gegenseite wurde der Gewinn eines Punktes fast so empfunden wie ein voller Erfolg. Sven Ulreich, der Torhüter des VfB Stuttgart, sprach - unbewusst - sogar von einem Sieg, ehe er sich mit einem Grinsen selbst korrigierte: „Wenn man vor so einer Kulisse punktet, kann man zufrieden nach Hause fahren.“

          Während die Stuttgarter am Samstag ihren Aufwärtstrend spielend bestätigten, mussten die Dortmunder abermals einräumen, dass sich ihre Konjunktur im Kerngeschäft Bundesliga eintrübt. Gegen Stuttgart hatten sie vor sieben Monaten zwar auch nicht gewonnen, beim 4:4 gemeinsam mit den Schwaben aber das wohl spektakulärste Spiel der Saison gezeigt - das ihre meisterlichen Ambitionen nicht zu bremsen vermochte. Dieses Mal waren nicht nur Spielverlauf und Ergebnis weniger aufregend - und der Teilerfolg wirkte aus Dortmunder Sicht wie ein Teilmisserfolg.

          Eine Weile hatten die Westfalen sich selbst und das Publikum damit beruhigt, im Grunde (fast) alles richtig gemacht und bloß die Tore verpasst zu haben; diesmal hätten die Lattenschüsse von Mats Hummels und Robert Lewandowski dafür herhalten können. Doch inzwischen summieren sich die Versäumnisse so, dass es nicht mehr darum geht, die Leistung in Relation zum (spielerischen und finanziellen) Vermögen des FC Bayern München zu setzen, wie die Dortmunder es gerne tun. Das Thema Meisterschaft dürfte sich für den Titelverteidiger erledigt haben. Zumal die Borussen schon vor Saisonbeginn so getan hatten, als wäre das Ziel, zum dritten Mal zu triumphieren, gar kein Thema gewesen. Elf Punkte Rückstand auf den Tabellenführer sind ein schmerzliches Übel, aber eines, das sie in ihr eigenes Kursziel für diese Spielzeit längst eingerechnet hatten.

          Früher Verlust meisterlicher Perspektiven

          Schwerer als der frühe Verlust meisterlicher Perspektiven wiegt die Schwierigkeit, enge Spiele zu gewinnen. Dortmund lässt Punkte „liegen“, wie es im Ligajargon heißt. „Unsere 16 Punkte sind zwar kein Desaster, aber auch kein Traum“, sagt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Wir müssen nicht nur nach oben schauen, sondern auch auf die Mannschaften hinter uns.“ Diese Aussicht hatten die Dortmunder lange nicht. Statt Bayern und Schalke könnten neben Leverkusen, das mit dem 3:2 gegen Düsseldorf schon vorbeigezogen ist, Hannover oder Mainz zu Vergleichsgrößen werden, vielleicht auch Stuttgart, Gladbach oder Hamburg, der Bundesliga-Mittelstand also.

          Insofern war das Remis gegen den VfB ein weiterer (Rück-)Schlag - nicht nur in das Gesicht von Sebastian Kehl, dem der Stuttgarter Mittelfeldspieler Raphael Holzhauser in einem Luftduell mit dem Ellenbogen die Nase brach. Die unabsichtliche und doch rücksichtslose Armbewegung, die statt der Gelben auch eine Rote Karte hätte nach sich ziehen können, lockte Klopp abermals aus der Reserve. Er lieferte sich mit der Stuttgarter Bank Wortgefechte, wie sie inzwischen zum Alltag gehören, wenn der BVB-Trainer davon überzeugt ist, seine Elf sei ungerecht behandelt worden. Doch Einzelurteile wie bei diesem Zusammenstoß sind nicht ursächlich für die Schieflage in der Liga; sie lenken ab vom Verlust an Souveränität.

          Selbst Klopp zeigt sich genervt

          In der Pressekonferenz wurde Klopp gefragt, was der BVB gegen Real besser machen müsse als gegen Stuttgart - an diesem Dienstag (20.45 Uhr / Live im FAZ.NET-Ticker) tritt Dortmund in der Champions League in Madrid an. Klopp, sonst mit Witz, Wut oder Charme antwortend und stets schlagfertig, zeigte sich genervt und bat um Bedenkzeit. „Es ist schön, dass Sie mir so viel Zeit geben, mich auf das Spiel gegen Real Madrid vorzubereiten“, sagte er und empfahl dem Frager, es am nächsten Tag noch einmal zu versuchen. Am Sonntag war Klopp auf dem Trainingsgelände für Journalisten nicht zu sprechen.

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