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Heimvorteil ist weg : Wie ist denn nun der Geisterfußball in Corona-Zeiten?

Auch wenn Hasan Salihamidzic die Bundesliga mit anderen Augen verfolgen dürfte: Der Fußball hat sich in Corona-Zeiten weniger verändert als befürchtet.

Sie registrierten zudem, dass die Schiedsrichter Auswärtsteams unter Zuschauerausschluss tendenziell mit 0,5 weniger Gelben Karten sanktionierten. Unparteiische scheinen also weniger hart mit den Auswärtsteams ins Gericht zu gehen, wenn sie nicht von den Zuschauern beeinflusst werden. Die zusätzlichen Geisterspiele in aller Welt könnten die Heimvorteilsforschung nun revolutionieren. „Vielleicht kann der aktive Fan aufatmen“, sagt Spieleanalytiker Görsdorf. „Seine Unterstützung könnte mehr wert sein als bislang angenommen.“

Corona könnte Heimvorteilsforschung revolutionieren

Das Spiel selbst hat sich indes nach der Analyse seines Potsdamer Instituts für Spielanalyse in der Bundesliga erstaunlich wenig verändert: Nachdem vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs große Zweifel herrschten, ob die Spieler nach kaum zehn Tagen im Mannschaftstraining und ohne ein Testspiel gegen einen fremden Gegner ihr Topniveau erreichen können, legt die Tiefenanalyse der Daten nun nahe, dass die Bedenken unberechtigt waren. Zu beobachten ist dies etwa anhand der Passquote: In den Spielen ohne Fans wurden bislang im Schnitt pro Team 426 Pässe gespielt mit einer Erfolgsquote von 83,6 Prozent.

Das liegt ganz minimal über den vor der Krise erfassten Durchschnittswerten der laufenden Spielzeit. „Am ersten Spieltag nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs gab es noch eine Tendenz zu sicherheitsbetontem Spiel, also dem einfachen Querpass. Die Quote der erfolgreichen Pässe lag da noch etwas höher. Das hat sich aber mittlerweile wieder eingependelt auf normalem Niveau, auch bezüglich der Passgeschwindigkeiten, die ein gutes Indiz sind für das Spielniveau“, sagt Görsdorf.

Ähnliches gilt auch für die athletischen Daten: Nachdem die Teams am ersten Spieltag läuferisch mit einer Gesamtdistanz von 116 Kilometern bereits auf dem Durchschnittsniveau aus der Zeit vor der Corona-Krise lagen, ist der Schnitt nach vier Spieltagen nun sogar um drei Kilometer gestiegen. Die für Trainer noch wichtigere Zahl der intensiven Tempoläufe pro Team ist bei 485 pro Team pro Spiel um 32 höher als zuvor – und das trotz einer englischen Woche mit drei Spielen in sieben Tagen.

Bayern Münchens Joshua Kimmich erreichte im Spitzenspiel bei Borussia Dortmund mit 13,7 Kilometern übrigens einen Spitzenwert, der zwei Kilometer über seinem Durchschnittswert liegt. Und Vladimir Darida von Hertha BSC stellte am Wochenende mit 14,2 Kilometern sogar einen Bundesliga-Rekord seit Beginn der Datenerfassung in der Saison 2012/13 auf. Die Zwangspause könnte für die Akteure also unverhofft wie eine Frischzellenkur gewirkt haben. Wobei die Ausnahmegenehmigung, die derzeit fünf statt normalerweise drei Wechsel pro Spiel erlaubt, ebenfalls einen Effekt haben dürfte.

Eine Hoffnung von Fußball-Puristen scheint sich derweil trotz der Geisterspiele nicht zu erfüllen: dass sich die Profis nämlich angesichts des fehlenden Publikums auch unnötige Theatralik und Spielverzögerungen sparen würden und dadurch unterm Strich mehr Fußball gespielt würde. Nach dem ersten Geisterspieltag lag die Nettospielzeit pro Spiel noch mehr als zwei Minuten über dem Saisondurchschnitt. Inzwischen hat sich der Wert bei 56 Minuten, in denen der Ball tatsächlich rollt, wieder normalisiert. Zumindest auf dem Rasen scheint der Fußball also auch ohne Fans erstaunlich normal – allerdings ist das Ergebnis eben oftmals ein anderes.

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