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Fußball-Bundesliga : Triumph für Bayern - Rot für Lehmann - Rekord für Hannover

Die Szene des Spieltags: Lehmann tritt Bance, sieht Rot - und Stuttgart spielt nur 1:1 Bild: dpa

Bayern München tritt in Bochum auf wie bei Juve. Schalke beendet die Serie der Bremer. Hamburg gewinnt mal wieder. Lehmann verdirbt Stuttgart den Sieg. Wolfsburg leidet. Und Hannover erzielt drei Eigentore. Der 16. Spieltag der Bundesliga.

          Im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ spricht der Mainzer Trainer Thomas Tuchel davon, dass er die Gesetzmäßigkeiten des Fußballs nicht einfach klaglos anerkennen mag. „Wenn wir einen Klub überholen wollen, brauchen wir entweder mehr vom Gleichen - also mehr Geld, mehr gute Spieler, mehr Zuschauer - oder wir gehen einen anderen Weg“, erklärt der 36 Jahre alte Hinrunden-Aufsteiger sein Trainer-Rezept.

          Am sechzehnten Spieltag akzeptierten die Klubs die Gesetze der Herrschenden und die Rangfolge der Bundesligatabelle - mehr oder weniger. Es gab keinen echten Überraschungssieg, lediglich der Schalker Auswärtstriumph bei den punktgleichen Bremern nach Toren von Kuranyi und Moravek hätte bei den Wettanbietern in Asien oder andernorts vielleicht für eine nennenswerte Quote gesorgt.

          Das Geld, um Siege gegen Bayern München wahrscheinlicher zu machen, hat der VfL Bochum sicher nicht. Den von Tuchel empfohlenen Umweg suchten sie vergeblich gegen die seit ihrer magischen Nacht von Turin wieder großen Bayern. Die traten beim 5:1-Auswärtssieg plötzlich wieder wie der lange vermisste Dominator auf und könnten nun nach genau 50 Spieltagen ohne Tabellenführung sogar noch die Herbstmeisterschaft nach München holen. Am Ende durfte dann sogar der bislang erfolglose Danijel Pranjic sein erstes Saisontor schießen - dank dieses Treffers muss er nicht zum Einlösen einer verlorenen Wette als Weihnachtsmann für Ivica Olics Söhne Luca und Toni auflaufen.

          Dortmunder Feiertag in Wolfsburg: Der BVB siegte beim Meister mit 3:1

          Lehmann begleicht die Rechnung spät

          Vielleicht könnte Jens Lehmann bei den Olics einspringen. Viel Zeit für eine ausgedehnte Winterpause hat er nach seinem Platzverweis in Mainz jedenfalls. Lange führten die Stuttgarter im zweiten Spiel des neuen Trainers Christian Gross bei Tuchels Aufsteigern durch den Treffer von Pogrebnjak. Doch dann wollte der Torwart spät noch eine Rechnung mit FSV-Stürmer Bance begleichen. Für den Tritt auf dessen Fuß sah Lehmann Rot, Polanksi verwandelte den Elfmeter zum 1:1-Endstand. Manchmal reicht trotz weniger Geld, weniger Zuschauern eben auch einfach weniger Dummheit zum späten Punktgewinn.

          Dumm stellte sich auch der deutsche Meister an. Zur Halbzeit lag Wolfsburg gegen Dortmund im Sonntagabendspiel schon mit 0:3 im Hintertreffen. Barrios mit zwei Treffern und Owomoyela mit einem Tor sorgten für eine komfortable Halbzeitführung des BVB. Nach dem Wechsel schaltete die Borussia vier Gänge zurück, der VfL einen hoch - Grafite war zum 1:3-Endstand erfolgreich. Wolfsburg rutscht ins Niemandsland ab, Dortmund hingegen schnuppert am internationalen Geschäft.

          Der 1. FC Nürnberg fügte sich der tabellarischen Überlegenheit seines Gegners aus Hamburg voll und ganz und ließ sich ähnlich wie der Bochumer Konkurrent im Abstiegskampf zu Hause demütigen: Beim Hamburger 4:0-Sieg traf Elia zweimal, Jansen und Torun unterstrichen die Machtverhältnisse und sicherten dem HSV nach sieben sieglosen Spielen den ersten Sieg.

          Hannovers Bundesligarekord

          Hannover 96 hat sich fast schon mutwillig selbst darum gekümmert, nicht gegen die Rangordnung aufzubegehren. Bei den vor dem Spieltag nur einen Punkt und einen Rang besser postierten Gladbachern sorgten Florian Fromlowitz, Karim Haggui und Constant Djakpa mit drei denkwürdigen Fehlleistungen selbst für die 3:5-Niederlage. Fromlowitz schoss zunächst Karim Haggui so unglücklich an, dass der Ball ins eigene Netz kullerte (15.); nach 58 Minuten überlistete dann Djakpa seinen Keeper mit einem feinen Trickschuss - locker mit dem Außenrist aus rund 25 Metern; Haggui grätschte schließlich in der Schlussminute den Ball ins gebeutelte Netz. Drei Eigentore gab es übrigens zuvor nur einmal in der ersen Bundesligasaison 1963/64.

          Der Gladbacher Jaures machte diese Fehlleistungen mit einem kuriosen Alleingang vor dem eigenen Tor bei weitem nicht wett - auch wenn er das daraus resultierende Gegentor durch Christian Schulz fahrlässig verursachte.

          Hoffenheim beendet Serie

          Die TSG Hoffenheim hat ebenfalls nicht gegen die Gesetze der Unbesiegbarkeit durch einen schlechter postierten Gegner verstoßen, aber dennoch eine fast schon an Gesetzmäßigkeit grenzende Serie beendet: Gegen alle Teams aus der unteren Tabellenhälfte hatten die Badener vor dem Duell mit Eintracht Frankfurt gewonnen, in den acht Spielen gegen die Teams aus der oberen Hälfte langte es nur zu drei Unentschieden. Da war es eigentlich klar, dass Frankfurt nur als Punktelieferant nach Sinsheim kommen konnte - zumal die Eintracht ohnehin gerne die Worte ihres Vorstandschefs Heribert Bruchhagen beherzigt und gegen Mannschaften aus der oberen Hälfte nur selten einmal die Hierarchie auf den Kopf stellt.

          Aber ausgerechnet im Duell dieser beiden gesetzestreuen Teams verstießen die Spielpartner gegen die Regeln und spielten unentschieden. Nach dem 1:1 hinkt die Hopp-TSG weiter ihren Erwartungen hinterher - die Eintracht bleibt trotz des Gesetzesbruchs auf dem von Bruchhagen prophezeiten Rang zehn.

          Unglaubliche Kölner Null-Serie

          Über das 0:0 zwischen Freiburg und Köln dürfen sich unterdessen beide Teams aufrichtig freuen: Für die bereits fünfmal zuhause unterlegenen Aufsteiger aus Baden ist ein Punktgewinn im heimischen Stadion fast wie ein Sieg. Die Kölner halten hingegen ihre bemerkenswerte Serie: Seit nun sieben Auswärtsspielen hat der FC kein Gegentor mehr hinnehmen müssen. Selbst haben die Kölner freilich auch nur dreimal getroffen.

          Am Freitag gab es einen halben Aufstand gegen die Gesetzmäßigkeiten: Der Tabellenletzte Hertha BSC Berlin nahm Spitzenreiter Bayer Leverkusen beim 2:2-Unentschieden einen Punkt ab. Dadurch muss das weiterhin ungeschlagene Leverkusen um die Herbstmeisterschaft bangen.

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