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Erlöse aus TV-Vertrag : So werden die Milliarden in der Bundesliga verteilt

  • -Aktualisiert am

Die Deutsche Fußball-Liga gibt die Einnahmen aus dem TV-Vertrag an die Bundesligaklubs weiter. Bild: Picture-Alliance

Ab Sommer 2017 erhalten die Bundesliga-Klubs in vier Jahren aus dem neuen TV-Vertrag 4,64 Milliarden Euro. Bei der Verteilung gibt es nun neue Kriterien – und es beginnt das große Rechnen.

          Mehr Geld. Das ist klar. Doch wie viel? Für die 36 Fußballklubs der ersten und zweiten Bundesliga begann am Donnerstag das große Rechnen, nachdem die Deutsche Fußball Liga (DFL) den Verteilerschlüssel der TV-Gelder für die Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21 vorgestellt hatte. Zuvor war das Werk den Vereinen präsentiert worden, deren Vertreter sich sodann eilig zurückzogen, um zu versuchen, die Größe des Stückes zu ergründen, das sie künftig vom großen Kuchen bekommen werden.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Pro Saison sind 1,16 Milliarden Euro zu verteilen, bisher waren es 680 Millionen – eine gewaltige Steigerung, die allenthalben Begehrlichkeiten weckte, vor allem beim „Team Marktwert“, zu dem sich die Traditionsvereine Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, Hertha BSC, 1. FC Köln und VfB Stuttgart zusammengeschlossen hatten. Sie wollten das bislang gültige Zweisäulenprinzip, das vor allem die Tabellenplätze anhand einer Fünfjahreswertung bei der Geldvergabe berücksichtigte, durch „weiche“ Faktoren ergänzt sehen: Zuschauer, TV-Reichweite, Fan-Potential und Erfolge bei Social-Media-Aktivitäten.

          Daraus wurde nichts. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert würdigte den Marktwert-Vorstoß als interessant, bezeichnete die einzelnen Vorschläge aber als „nicht sinnvoll“. Beispiel Fan-Potential, auf das Fernsehen bezogen: Wenn es darum ginge, sagte er, müssten zwei Vereine – Bayern München und Borussia Dortmund – den überwiegenden Teil des Geldes bekommen. Das DFL-Präsidium präsentierte ein anderes, einstimmig beschlossenes, kompliziertes Konzept. Die „Marktwert“-Vorschläge spielten keine Rolle.

          Die nationalen Einnahmen werden künftig nach vier statt zwei Kriterien verteilt. Wie bisher werden 70 Prozent des Geldes nach einer Fünfjahreswertung an die Klubs verteilt. Je besser der Tabellenstand, desto mehr Millionen fließen in die Kasse. Als zweite „Säule“ präsentierte Seifert das Kriterium „Nachhaltigkeit“. Fünf Prozent des Geldes wird anhand einer Tabelle aus den vergangenen 20 Spielzeiten der ersten und zweiten Liga verteilt. Ein „Plastiklub“ wie Bayer Leverkusen, den das „Team Marktwert“ gern kleiner gehalten hätte, belegt in dieser Wertung hinter Bayern München Platz zwei, auch Vereine wie der SC Freiburg (12.) und der 1. FC Kaiserslautern (11.) stehen gut da.

          Dritte „Säule“ des DFL-Konzeptes honoriert die Nachwuchsarbeit der Vereine, auch sie ist neu. Dabei werden pro Saison zwei Prozent der nationalen Einnahmen, 24 Millionen Euro, für den Einsatz im Verband ausgebildeter U23-Spieler ausgeschüttet, errechnet nach Einsatzminuten. Die letzte „Säule“ nennt die DFL „Wettbewerb“, in diesem Topf finden sich 23 Prozent der nationalen Medienerlöse. Die Bewertung erfolgt wiederum auf Grundlage einer Fünfjahreswertung, allerdings durchgängig für beide Ligen und mit anderen Prozentsätzen bei der Verteilung. Dabei definiert die DFL erstmals sogenannte „Wettbewerbszonen“, die ersten sechs Teams der Bundesliga zum Beispiel erhalten den gleichen Anteil: jeweils 6,5 Prozent des zu verteilenden Geldes.

          Auch das Ende der ersten und die Spitze der zweiten Liga rücken finanziell zusammen. Das Bild der einen großen Schere, sagte Seifert, das immer wieder bemüht werde, um den Geldfluss in die Profiligen zu beschreiben und zu kritisieren, habe ausgedient. Wenn man Bayern München etwas wegnehme und es Darmstadt 98 gebe, sei der Bundesliga nicht geholfen. Die DFL geht künftig von mehreren Scheren aus, die zu schließen sind. In allen Wettbewerbszonen, an der Spitze, im Mittelfeld, im Abstiegs- und Aufstiegskampf, will sie die finanziellen Unterschiede klein halten, um spannende Positionskämpfe zu fördern.

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          Von den internationalen Medienerlösen werden 25 Prozent gleichmäßig auf die 18 Bundesligaklubs verteilt, weitere 50 Prozent anhand einer Fünfjahreswertung mit Blick auf das Abschneiden der Vereine in Europa. Die Verteilung der restlichen 25 Prozent basiert auf Starts in der Champions und Europa League. In die zweite Liga fließen – nach bisher 1,8 Millionen – in der kommenden Saison fünf Millionen Euro. Die zweite Liga, bislang mit 20 Prozent der Fernsehgelder bedacht, wird in der Summe ungefähr in dieser Größenordnung bleiben.

          Welcher der 36 Lizenzvereine nun wie viel Geld bekommt, wer prozentual weniger oder mehr als in der laufenden Saison erhält, das werden die Finanzexperten der Vereine in den kommenden Tagen zu ergründen suchen. Sicher ist angesichts der exorbitanten Steigerung der Gesamtsumme nur eines: „Alle werden sehr viel mehr bekommen“, sagt Seifert. In der fiktiven Berechnung für einen Bundesligaklub gehobenen Durchschnitts kommt er auf eine Summe von 47,9 Millionen Euro pro Jahr, das sind zehn Millionen mehr, als der FC Bayern München aktuell bekommt.

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