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Fußball-Bundesliga : Schalke befreit sich von Magath

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Die achte Trainerentlassung in der Bundesliga ist perfekt. Schalke trennt sich von Magath. Grund für das Ende der Zusammenarbeit sind wohl nicht nur sportliche ründe. Die Gerüchte um Rangnick halten sich hartnäckig.

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          Die Servicekraft im Medienzentrum der Arena hatte wie immer eine Batterie Teebeutel auf der Theke plaziert. Als ein Reporter dieses gewohnte Bild sah, sagte er süffisant: „Den Tee können sie wegräumen, der wird hier nicht mehr gebraucht.“ Die Frau aber erwiderte, sie traue „dem Braten noch nicht“. Wenige Minuten später betrat der Aufsichtsrat des FC Schalke 04 den Raum, und Clemens Tönnies, der Vorsitzende des Gremiums, verkündete, was allgemein erwartet wurde.

          Der Bundesligaklub hat sich mit sofortiger Wirkung von Felix Magath getrennt, der bis Mittwochmorgen Trainer, Manager, Vorstandssprecher und Chef-Teetrinker des FC Schalke war. Entgegen seiner Ankündigung war Magath der Sondersitzung des Aufsichtsrates ferngeblieben und hatte auf sein Anhörungsrecht verzichtet. Tönnies sagte, die einstimmige Entscheidung des Kontrollgremiums sei „richtig und wichtig für die Zukunft des Vereins.“ Bei der Verpflichtung Magaths im Frühjahr 2009 hatte er gehofft, den Mann gefunden zu haben, der Schalke binnen vier Jahren zur ersten deutschen Meisterschaft nach mehr als fünf Jahrzehnten führen würde.

          Am späten Nachmittag läutete Magath die nächste Runde in diesem Scheidungsverfahren ein. Überraschend ließ er dem Verein seinerseits eine schriftliche Kündigung zukommen. „Herr Magath hat die unberechtigte und unwirksame Abberufung als Vorstand zum Anlass genommen, seinen Anstellungsvertrag mit sofortiger Wirkung zu kündigen“, teilte sein Anwalt mit. Der Klub interpretierte diesen Satz zu seinen Gunsten: „Durch das heutige Verhalten von Felix Magath fühlen wir uns bestätigt und stellen fest, dass er keine Ansprüche mehr gegen den FC Schalke 04 hat.“

          Keine Zukunft „auf” Schalke: Der Verein trennt sich von Felix Magath
          Keine Zukunft „auf” Schalke: Der Verein trennt sich von Felix Magath : Bild: dpa

          „Innerhalb von einer Sekunde um 180 Grad gedreht“

          Magath war mit Schalke im ersten Jahr überraschend Bundesliga-Zweiter geworden. In der aktuellen Saison fiel die Mannschaft zwar ins Mittelfeld zurück, erreichte aber das Endspiel des DFB-Pokals und steht im Viertelfinale der Champions League. Die Entscheidung habe „mit sportlichen Ergebnissen überhaupt nichts zu tun“, sagte Tönnies. „Ich habe schließlich auch, als wir auf Platz 16 standen, den Kopf aus dem Fenster gehalten und gesagt, wir gehen mit diesem Meistertrainer weiter.“ Warum der Weg nach nicht einmal der Hälfte der Distanz zu Ende ist, wollte Tönnies mit Blick auf eine offenbar anstehende juristische Auseinandersetzung nicht im Einzelnen erläutern.

          Der Chef des Aufsichtsrates sprach nur von einem „Schlüsselerlebnis“, das ihn vor Kurzem dazu veranlasst habe, sich „innerhalb von einer Sekunde um 180 Grad zu drehen“. Schalke habe Wirtschaftsprüfer beauftragt, eine Revision vorzunehmen. Die Ergebnisse dieser Prüfung will der Verein jetzt offenbar gegen Magath verwenden, um die Kosten für eine Abfindung einzusparen, bis zu zwölf Millionen Euro, wie es heißt. „Bei der Revision haben wir Dinge nicht so vorgefunden, wie wir sie hätten vorfinden müssen“, sagte Tönnies.

          Dieser Hinweis enthält den verklausulierten Vorwurf, Magath könnte Unregelmäßigkeiten zu verantworten haben. Der Fußball-Lehrer indes hatte mehrmals behauptet, die Personalkosten gesenkt und den Wert der Mannschaft gesteigert zu haben. Mit Blick auf Personalaufwand widersprach Tönnies am Mittwoch. „Dass wir die Kosten der Mannschaft nachhaltig reduziert hätten, halte ich für die Aussage von jemandem, der vielleicht nicht ganz genau hingesehen hat.“ Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist der Personalaufwand im ersten Halbjahr 2010 aber um knapp 8,5 Millionen Euro gestiegen.

          „Die Wirtschaftsprüfer waren noch nicht fertig“

          Das Abrücken von Magath wurde in der Öffentlichkeit teilweise als „Entlassung in Raten“ wahrgenommen. Tönnies indes behauptet, der jüngste sportliche Aufschwung habe die Entscheidung „nicht erschwert“. Die Verzögerung im Vergleich zum ursprünglichen Fahrplan sei darauf zurückzuführen, „dass die Wirtschaftsprüfer noch nicht fertig waren“.

          Deutlicher als die wirtschaftlichen Hintergründe beleuchtete Tönnies die sportliche Seite der Trennung. In dieser Saison habe der Mannschaftsrat sich zweimal massiv über den autoritären Führungsstil Magaths beschwert. Daraufhin sei es zu einem Gespräch zwischen Tönnies und Magath gekommen. „Viel gesagt hat er nicht, er hat hauptsächlich im Tee gerührt“, berichtete der Vorsitzende des Aufsichtsrates. Einige Zeit später hätten die Spieler gesagt, „es wird immer schlimmer“. Daraufhin wurde Tönnies energischer, und es entwickelte sich eine „ziemliche Auseinandersetzung“ mit dem Trainer.

          Rangnicks Rückkehr nach Schalke ist wahrscheinlich

          Um Magaths Arbeitsstil Rechnung zu tragen, hatte der Aufsichtsrat ihn mit Entscheidungsbefugnissen ausgestattet, wie sie noch kein Trainer des FC Schalke für sich in Anspruch nehmen konnte. Nach dem Scheitern dieses Konzepts kündigte Tönnies die Rückkehr zu einer Aufgabenverteilung an, wie sie in der Bundesliga üblich ist. Danach übernimmt Horst Heldt, im Vorstand zuletzt überwiegend mit Marketing befasst, von Magath die Ressorts Sport und Kommunikation, Finanzvorstand Peter Peters zeichnet nun auch für das Marketing verantwortlich. Heldt soll nun möglichst rasch „eine Toplösung finden“, sagt Tönnies.

          Es wird damit gerechnet, dass Ralf Rangnick, zuletzt in Hoffenheim beschäftigt, nach Schalke zurückkehrt, wo er schon von September 2004 bis Dezember 2005 erfolgreich gearbeitet hat. Rangnick bestätigte Gespräche, ob er sich für Schalke entscheidet und noch in dieser Saison zur Verfügung steht, ist offenbar noch zu klären. Vorerst leiten Magaths bisherige Assistenten das Training. Einer von ihnen, Seppo Eichkorn, wird beim Bundesligaspiel an diesem Sonntag in Leverkusen als Interimstrainer auf der Bank sitzen.

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