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Fußball-Bundesliga : Rekordquote für Sky – mit Einschränkungen

Großes Interesse: Konferenz von zu Hause Bild: dpa

Das Freispiel zieht: Sky bejubelt beim Wiederbeginn der Fußball-Bundesliga Rekord-Einschaltquoten und freut sich über gute Zahlen. Das gilt aber längst nicht für alle Partien.

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          Für Karl-Heinz Rummenigge war die Sache geradezu logisch. Dem ersten Bissen Bundesliga nach 66-tägiger Fußball-Fastenzeit prophezeite der Vorstandschef von Bayern München schon vor dem ersten Anpfiff eine nie dagewesene Reichweite. „Wenn die Bundesliga als einzige Liga rund um den Globus im TV übertragen wird, dann gehe ich davon aus, dass wir auf der ganzen Welt ein Milliardenpublikum haben werden“, hatte Rummenigge im Interview mit der „Sport-Bild“ gesagt, kurz bevor die Liga den Spielbetrieb am Wochenende wiederaufnahm. Eine Prognose, die sich im Nachhinein schwer überprüfen lässt. Selbst die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat in die Einschaltquoten der mehr als 200 Länder, in denen sie die TV-Rechte an der Bundesliga verkauft hat, nur bedingt Einblick.

          Bundesliga

          Zumindest hierzulande gaben die Kennzahlen des Wochenendes Rummenigge allerdings auf den ersten Blick recht. Der erste reine Geisterspieltag der Bundesliga-Geschichte, der somit vor allem auch ein Fernsehspieltag war, bescherte vor allem dem Pay-TV-Sender Sky eine enorme Resonanz für seine Live-Übertragungen. Für den Samstag vermeldete der Sender einen Rekord. Die Zuschauerzahlen waren doppelt so hoch wie an einem normalen Samstagnachmittag. Allerdings hatte sich der Rechteinhaber auch entschlossen, die Konferenz der fünf 15.30-Uhr-Spiele ausnahmsweise im Free-TV zu zeigen. Auch für den nächsten Spieltag soll das noch der Fall sein.

          Im Schnitt 3,81 Millionen Fans hatten laut Senderangaben die Live-Übertragungen der Spiele im TV und im Internetstream verfolgt. Allein 2,45 Millionen davon letztlich die frei empfangbare Konferenz bei Sky Sport News HD, der Rest Einzelspiele oder die Konferenz im Pay-TV. Wie das Branchenmagazin „DWDL“ vorrechnete, kam Sky damit auf herausragende 27,4 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es demnach sogar 37,7 Prozent. Ein absolut außergewöhnlicher Wert.

          „Sendungskonzept voll aufgegangen“

          „Mit dem Comeback sind wir äußerst zufrieden“, ließ sich Sky-Sportchef Jacques Raynaud entsprechend in einer Pressemitteilung zitieren. „Die überragenden Quoten zeigen, dass unser Sendungskonzept voll aufgegangen ist.“ Dass am Sonntag immerhin 1,16 Millionen Zuschauer die Konferenz der zweiten Bundesliga verfolgten, die ebenfalls frei empfangbar war, scheint diesen Eindruck zu bestätigen. Da fällt auch nicht weiter ins Gewicht, dass sich das Samstagabendspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach 789.000 Zuschauer ansahen, das Spiel zwischen dem 1. FC Köln und FSV Mainz 700.000 und Bayerns Erfolg gegen Union Berlin 1,29 Millionen. Alles Werte auf eher normalem Niveau.

          Wie die Zahlen einzuordnen sind, ist deshalb auch eine Glaubensfrage. Sind sie der Beleg, dass der Durst des Volkes nach Fußball-Unterhaltung doch größer war, als ihn manch kritischer Begleiter der Bundesliga vermutet hatte? Noch am Donnerstag vor dem Wiederbeginn hatte schließlich die „Deutschlandtrend“-Umfrage im Auftrag des ARD-„Morgenmagazins“ ergeben, dass 54 Prozent der Bevölkerung die Fortsetzung der Saison für falsch halten. Mancher Kritiker, der den Neustart ohnehin für verfrüht hielt oder gar eine Vorzugsbehandlung des Fußballs durch die Politik anmahnte, dürfte sich bestätigt gefühlt haben.

          Oder ist der große Zuspruch doch eher der Ausdruck besonderer äußerer Umstände? Zuvörderst natürlich der freien Empfangbarkeit. Dazu dürfte auch der Reiz des Neuen eine Rolle gespielt haben. Geisterspiele in dieser geballten Form waren für alle Zuschauer Neuland. Auch die mehr als 350.000 Fans, die an Wochenenden der präcoronalen Zeit im Schnitt in die Bundesliga-Stadien pendelten, dürften zumindest zum Teil eingeschaltet haben. Hinzu kommt, dass die fürs Zuschauen in Gruppen prädestinierten Gaststätten – sofern überhaupt geöffnet – starken Hygiene-Vorschriften unterliegen. Und ein Wegfall alternativen Freizeitprogramms ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.

          Das gesteigerte Interesse an der Rückkehr des Live-Sports hatte allerdings auch Folgen für andere Fußball-Sendungen. Die ARD-„Sportschau“ etwa kam mit ihren Spielzusammenfassungen am Samstagabend im Schnitt auf 4,11 Millionen Fans. Das liegt deutlich unter dem normalen Niveau von fünf bis sieben Millionen Zuschauern. Das „Sportstudio“ im ZDF sahen am späten Abend derweil 2,11 Millionen Zuschauer. Ein guter, aber nicht außergewöhnlicher Wert. Zum Vergleich: In der Vorwoche hatten immerhin 1,69 Millionen eingeschaltet – in einer Zeit noch ganz ohne aktuellen Sport.

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