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3:1 bei Hoffenheim : Die Leipziger Erfolgswochen gehen weiter

  • -Aktualisiert am

Der passt genau: Leipzigs Christopher Nkunku überwindet Hoffenheims Torwart Oliver Baumann Bild: dpa

RB eilt von Sieg zu Sieg und klettert in der Tabelle der Bundesliga vor der WM-Pause. Das liegt auch daran, weil Nkunku seinem Trainer Rose „auf die Sprünge hilft“ – und Olmo die Werner-Lücke füllt.

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          Marcel Halstenberg kennt dieses Gefühl aus seinen nun schon bald siebeneinhalb Jahren bei RB Leipzig. Deshalb beschrieb er den momentanen Flow der Sachsen nach ihrem ersten Bundesliga-Auswärtssieg dieser Saison, dem 3:1 bei der TSG Hoffenheim, so: „Wir hatten schon ein paar Mal das Gefühl, jetzt marschieren wir, jetzt können wir nicht mehr verlieren.“ So ergeht es dem 31 Jahre alten Außenverteidiger und seinen Kollegen in diesen Erfolgswochen nach mittlerweile elf Pflichtspielen ohne Niederlagen momentan wieder. „Wir spielen, wir haben Spaß, wir schießen Tore“, beschreibt der Niedersachse das um sich greifende Gefühl, derzeit jede Aufgabe lösen zu können.

          Bundesliga

          In Sinsheim, gegen einen nach dem Knöchelbruch ihres Mittelfeldspielers Grischa Prömel (14. Minute) lange verunsicherten Gegner, war es eine der leichteren Übungen für das Kollektiv von Trainer Marco Rose. Der Nachfolger des Anfang September entlassenen Kollegen Domenico Tedesco hat die Freude am dynamischen Leipziger Spiel wiederbelebt und nach Kräften gefördert. Dabei praktiziert der gebürtige Leipziger einen eher partnerschaftlichen Führungsstil innerhalb seines hochbegabten Kollektivs.

          Christopher Nkunku zum Beispiel, der die Torjägerliste der Liga mit nun elf Treffern anführt und in Hoffenheim mit einem kunstvollen Freistoß zum 1:0 (17.) sowie einem Volleyschuss zum 2:1 (57.) erfolgreich war, hat Rose, wie der Fußballlehrer vor ein paar Tagen sagte, „auf die Sprünge geholfen“, als er darum bat, von der Linksaußenposition weg wieder „näher zum Tor“ rücken zu dürfen, „weil er sich dort wohler fühlt“.

          Wie wohl, das sah man am Samstagnachmittag exemplarisch, als der feinfühlige Ballartist als Mittelstürmer vom Dienst die von ihm erwarteten ansehnlichen Treffer wie auf Bestellung lieferte und seine Glücksgefühle in ein kleines Tänzchen nach vollbrachter Tat münden ließ.

          „Heute bist du der Pilot“

          Dem Franzosen, laut Rose „ein Unterschiedsspieler“, assistierte am Samstag sein kongenialer Partner Dani Olmo, der von einem Innenbandriss im linken Knie genesene Spanier. Er füllt nach ein paar Kurzeinsätzen die Lücke, die sein deutscher Kollege, der bei der WM in Qatar nun nicht mehr einsetzbare Timo Werner, hinterlassen hat. Werner hatte sich beim jüngsten 4:0-Erfolg in der Champions League gegen Schachtar Donezk einen Syndesmosebandriss im linken Sprunggelenk zugezogen.

          Mit seiner erlesenen Technik und seinem Drang zum Tor, den er gegen Hoffenheim mit einem fulminanten Distanzschuss zum 3:1 (69.) stillte, setzt Olmo eigene hochwertige Akzente. Auch dem spanischen Nationalspieler räumte Rose ein Mitspracherecht ein. „Er hat schon mit den Hufen gescharrt und war ein bisschen unzufrieden mit seinen – zwecks Formaufbaus nach zweimonatiger Verletzungspause – kürzeren Einsatzzeiten. Ich habe ihm gesagt, heute bist du der Pilot, heute sagst du, wie lange es geht.“ Es ging bestens bis zur 75. Minute, als Kampl den neben Nkunku zweiten Matchwinner ablöste.

          Dass die Hoffenheimer mit diesem Gegner aus „den ersten 16 in Europa“, wie deren Trainer André Breitenreiter den Champions-League-Achtelfinalteilnehmer nannte, nicht mithalten konnten, war evident. Bis auf eine kurze Phase, in der Rutters Kopfball zum 1:1 führte (50.). Die Lücke zu den Besten der Bundesliga zumindest punktuell schließen zu können, nehmen sich die derzeit ins Mittelfeld abgesackten Nordbadener nach zuletzt sieben Bundesliga-Auftritten mit nur einem vollen Erfolg für das neue Jahr fest vor.

          RB Leipzig dagegen muss nur so weiter machen, will der an Jahren junge Verein auch ohne seinen in die Red-Bull-Konzernspitze wechselnden Geschäftsführer Oliver Mintzlaff ein weiteres Kapitel seiner fast schon notorischen Erfolgsgeschichte schreiben. „Die Jungs“, lobte Rose sein Team nach vollbrachter Tat in Sinsheim, „haben heute durchgezogen. Das ist schon außergewöhnlich und stark gegen eine gute Hoffenheimer Mannschaft.“

          Folgenschwere Kollision für Prömel

          Das Unglück geschah im Kampf um den Ball, den zuerst der Hoffenheimer Grischa Prömel und ihm nach auch sein Mittelfeldkollege Christoph Baumgartner dem Leipziger Linksaußen Dani Olmo abluchsen wollten. Während der Spanier seinen Gegenspielern in dieser wegweisenden Szene auf und davon rannte, rauschte der Österreicher in die Beine seines Kollegen Prömel.

          Der erlitt einen Knöchelbruch am rechten Fuß und wurde noch am Samstagabend in Heidelberg operiert. Der schwer verletzte Spieler, aufgeführt in der 55 Profis umfassenden Kandidatenliste, die Bundestrainer Hansi Flick an den Internationalen Fußball-Verband geschickt hatte, musste den Traum, für Deutschland bei einer WM dabei zu sein, aufgeben und wird dazu der TSG monatelang fehlen. Kollege Baumgartner tat der von ihm ausgelöste Arbeitsunfall seines Partners im zentralen Mittelfeld sehr weh.

          „Es tut mir extrem leid“, sagte er, „wir sind zwei Spieler, die in die Duelle reingehen. So etwas kann passieren, wenn zwei Spieler versuchen, den Ball für ihr eigenes Team zu erobern.“ Der Hoffenheimer Moment des kollektiven Erschreckens führte zu einer spürbaren Verunsicherung, die sich die ohnehin stärkeren Leipziger zunutze machten. Am Ende sprach Trainer André Breitenreiter von einem „sehr traurigen Tag“ für die TSG Hoffenheim. (r.z.)

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