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Spitzenspiel gegen Leverkusen : Nagelsmann will nicht nachlassen!

  • -Aktualisiert am

Hat aus den vergangenen Fehlern gelernt: Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann Bild: Reuters

Nur sieben Punkte aus fünf Spielen: Die Leipziger sind gemessen an den eigenen Ansprüchen nicht besonders erfolgreich ins neue Jahr gestartet. Gegen Leverkusen steht die Mannschaft nun unter Druck.

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          Eine Strafe im klassischen Sinn war es nicht, die Julian Nagelsmann da verhängte, aber ganz ohne Folgen blieb die jüngste Niederlage in Mainz (2:3) für seine Spieler dann doch nicht. Am Montag, dem einzigen freien Tag der Woche, bat der Trainer von RB Leipzig am Abend zur Videoanalyse. Das Geschehene wollte er gern in großer Runde aufarbeiten.

          „Ich habe während der ersten Corona-Phase den Fehler gemacht, dass ich die Jungs zu lange in Ruhe gelassen habe. Das passiert mir nicht noch mal“, sagte Nagelsmann. Jetzt bloß nicht nachlassen, nicht die Intensität zurückschrauben, das war die Botschaft, die der Leipziger Trainer an seine Mannschaft senden wollte! Nagelsmann weiß, wie wichtig dieser Abschnitt des Jahres gerade für den weiteren Verlauf der Saison ist.

          Bundesliga

          RB ist gemessen an den eigenen Ansprüchen nicht sonderlich gut ins neue Kalenderjahr gestartet, aus den ersten fünf Spielen holte der Klub nur sieben von möglichen 15 Punkten. Der Rückstand des Zweiten auf Tabellenführer Bayern München wuchs auf sieben Zähler an. Allein deshalb erscheint eine Einschätzung von Nagelsmann glaubwürdig, die sonst unter branchenübliches Understatement zu verbuchen gewesen wäre.

          Vor dem Spitzenspiel gegen Verfolger Bayer Leverkusen an diesem Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) sagt der Leipziger Trainer: „Das Spiel hat keinen direkten Einfluss auf die Meisterschaft, was an dem Team liegt, das vor uns steht.“ Soll heißen, solange die Bayern gewinnen, kann der Rest dahinter, also auch RB, spielen, wie er will. So gehe es gegen Leverkusen in erster Linie „nach wie vor um die Champions League“.

          „Mental ist es nicht so einfach“

          Das hatte Mitte Dezember, erst recht nach dem aufregenden 3:3 in München, noch ganz anders ausgesehen. Aber sechs Wochen können eine lange Zeit sein in dieser an Spielen so vollgepackten Saison. Dass seine Mannschaft irgendwann in ein Leistungstief fallen würde, hatte Nagelsmann immer wieder angedeutet. Er wusste, dass diese Zeit kommen würde. Die kurze Pause zwischen den Spielzeiten, der dicht gedrängte Terminkalender, die Auftritte in drei Wettbewerben – all das zehrt an den Spielern, nicht nur körperlich. „Mental ist es nicht so einfach, alle drei Tage immer wieder auf die gleiche Spannung zu kommen“, sagt Nagelsmann.

          Unliebsame Erfahrung gemacht hat Nagelsmann damit bereits während seiner Leipziger Debüt-Saison. In der vergangenen Spielzeit holte RB in der Rückrunde acht Punkte weniger und schied früh aus dem Rennen um die Meisterschaft aus. Vor allem im Winter und dann im Frühjahr nach der pandemiebedingten Unterbrechung tat sich die Mannschaft schwer und verschenkte gegen kleinere Klubs wichtige Punkte. Mainz glich in dieser Hinsicht einem Déjà-vu. Schwächere Rückserien sind ein aus Leipziger Sicht bekanntes Ärgernis, in drei von vier Jahren seit der Bundesligazugehörigkeit war das so und damit der Grund, dass RB trotz meist hervorragender Ausgangsposition noch nie ernsthaft um den Titel mitspielen konnte.

          Kraftraubende Spielweise

          Verantwortlich gemacht für den Einbruch wurde oft die kraftraubende Spielweise. Das aggressive Pressing und die schnellen Konterattacken fordern ihren Tribut. Aber unter Nagelsmanns Führung hat sich das Leipziger Spiel weiterentwickelt, es gibt deutlich längere Ballbesitzzeiten und mehr Kontrolle. Nagelsmann sagt: „Die körperliche Komponente sehe ich aktuell noch nicht als so dramatisch an.“

          Der Trainer steht auch nicht im Verdacht, seine Spieler mit seinen Vorgaben vollständig zu erschöpfen. In Hoffenheim holte er als Verantwortlicher in keiner Rückrunde weniger Punkte als in der Hinrunde. Die Gründe sind also am ehesten in der hohen Belastung zu sehen. Seit Anfang August hat außer dem FC Bayern keine andere deutsche Mannschaft so viele Pflichtspiele bestritten wie RB Leipzig.

          Anders als der Münchner Kader ist der Leipziger aber nur bedingt für dieses hohe Pensum geschaffen. Verletzungssorgen und Anpassungsprobleme der Zugänge haben dafür gesorgt, dass Nagelsmann immer wieder Spieler aufbieten musste, die eigentlich eine Pause gebraucht hätten. Das macht sich nun bemerkbar. Dani Olmo, Emil Forsberg, Dayot Upamecano, Angeliño und Torwart Peter Gulacsi standen fast immer auf dem Feld. Da überrascht es kaum, dass selbst die sonst fehlerfreien Gulacsi und Upamecano zuletzt schwächelten. Promt setzte es acht Gegentore in den vergangenen vier Spielen. Davor hatte Leipzig gerade mal neun Treffer in vierzehn Begegnungen hinnehmen müssen.

          Auch auf der anderen Seite des Spielfeldes ist die Leichtigkeit abhandengekommen. Angeliño schüttelt längst nicht mehr so locker seine Gegenspieler ab wie noch vor dem Jahreswechsel, Yussuf Poulsen zwickten kürzlich die Adduktoren, Hwang kämpft noch immer mit den Folgen seiner schweren Corona-Erkrankung, und nun fällt auch noch Emil Forsberg aus. Zur Leipziger Verletzungsmisere passt, dass sich Winterzugang Dominik Szoboszlai kurz nach seiner Ankunft verletzte und frühestens Mitte Februar eine Alternative sein dürfte.

          Trotzdem plant RB im Winter keine weiteren Zugänge. „Es gibt keinen Spieler auf dem europäischen Markt, der in unser Profil passt“, sagt Nagelsmann. Man suche jemanden, „der einfach nur Tore schießt“, und solche Spieler seien nun mal schwer zu bekommen. Gut für Nagelsmann, dass zumindest Poulsen gegen Leverkusen wieder dabei ist. Auch wenn der dänische Stürmer sich in der Liga zuletzt schwertat in seiner Kernkompetenz, dem Toreschießen. Mit vier Treffern ist er neben Forsberg und Angeliño Leipzigs erfolgreichster Torschütze.

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