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Fußball-Bundesliga : Mainz auf der Suche nach dem Lauf

Ein Mainzer Kämpfer für den Abstiegskampf: Pablo de Blasis. Bild: dpa

Der FSV steckt in der Bundesliga tief im Abstiegskampf. Nun folgt das wichtige Heimspiel gegen Gladbach. Und der Mainzer Trainer hat sein Team in der Länderspiel-Pause von Fesseln befreit.

          Bei Mainz 05 läuft es in dieser Saison nicht wirklich rund. Und das liegt auch am Laufen. Zumindest sind die Laufwerte die großen statistischen Auffälligkeiten, wenn man vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach am Ostersonntag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) nach den Gründen für die Misere beim Tabellen-Sechzehnten der Fußball-Bundesliga sucht. Rannten die Mainzer früher regelmäßig 120 oder mehr Kilometer pro Spiel, so erreichen sie in dieser Spielzeit im Schnitt nur selten die Marke von 115 Kilometern. Auch die Zahl der Sprints ist geringer als früher, so niedrig wie nie seit dem Abschied des glück- und erfolglosen Kasper Hjulmand.

          Der Däne führte 2014 mit seiner damals offenkundig allzu ambitionierten Idee des Ballbesitzfußballs, bei der der Gegner mit Ballstaffetten bis zur Erschöpfung übers Feld getrieben und dann mit Toren bestraft werden soll, die Laufwerte systembedingt auf das niedrigste Niveau der Mainzer Bundesligageschichte. Der Ballbesitzfußball führte in Mainz eher zur Ermüdung des an Umschaltfußball gewöhnten Publikums und vor allem zu einem gefährlich niedrigen Punktekontostand. Seit der Trennung von Hjulmand galt deshalb das Credo, dass Mainz 05 sich an den Laufwerten messen lassen will. Unter Trainer Martin Schmidt galten im vergangenen Jahr noch die Sprints als wichtigstes Kriterium für die ergebnisunabhängige Bewertung einer Leistung. Schon damals war auffällig, dass die Mannschaft in sportlichen Krisen nicht ins Laufen kamen.

          Warum also laufen die Mainzer auch jetzt wieder weniger? Ein wenig ist das Defizit bei Schwarz sicherlich der häufig gewählten Grundformation mit drei statt nur zwei Innenverteidigern geschuldet, die positionsbedingt ein geringeres Laufpensum aufweisen. An der Kondition liegt es hingegen nicht, die Mainzer sind fit. An der Bereitschaft liegt es auch nicht, wie Steigerungen in der Schlussphase von Spielen nahelegen und Trainer Sandro Schwarz immer wieder betont. „Die Jungs haben mir nicht vermittelt, dass es ein Einstellungsproblem ist. Es geht vielmehr um eine gewisse Schwäche, Widerstände im Spiel zu überwinden“, sagt Schwarz. Mainz 05 lässt sich im Spiel vom Gegner beeindrucken, Kopf und Muskeln sind dann wie gelähmt. Kollektive Erstarrung vor dem Gegner setzt ein, was am Ende in der Statistik Kilometer kostet.

          In der zurückliegenden Länderspielpause wollte der 39 Jahre alte Trainer sein Team nun von diesen Fesseln befreien, indem er seine Spieler im Training „aus guten Gründen“ mit ungewohnten Laufeinheiten provozierte. „Intensität ist die Grundlage für Leistung“, sagte er. Er wollte auf diese Weise Spieler ausfindig machen, die derzeit bereit sind, Widerstände zu überwinden. Gegen Mönchengladbach sollte deshalb eine bessere Laufleistung als zuletzt zu erwarten sein. Immerhin dominierten die Rheinhessen beim 1:1 in der Hinserie sowohl bezüglich der Laufdistanz mit 119,5 Kilometern wie auch in der Sprintwertung so sehr wie in keinem anderen Spiel dieser Saison. Damals hatten sie jenen Lauf, den Mainz 05 nun sucht.

          Gegen Mönchengladbach, das wie Mainz 05 in der Rückserie bislang nur acht Punkte eingespielt hat, dürfte nun zudem die Zeit von Pablo de Blasis gekommen sein. Der nur 1,65 Meter kleinen Argentinier mit dem großen Kämpferherzen und der oftmals lausbubenhaften Spielweise ist die Personifizierung jenes „Widerstandskämpfers“, den Schwarz nun auf dem Feld haben will. „Es ist ein Faktor, wer Leistung abrufen kann in dieser Situation. Neben taktischen Erwägungen ist das sicher ein Kriterium, um ein Spiel zu gewinnen“, sagte er. Zudem ist die Personalauswahl an einer entscheidenden Stelle eingeschränkt, da sich Abdou Diallo in einem Länderspiel seiner französischen U21-Auswahl einen Nasenbeinbruch zugezogen hat. Der Innenverteidiger soll bis zu drei Wochen ausfallen.

          Im Tor hat Schwarz derweil die Wahl der Qual. Alle drei in dieser Spielzeit bereits eingesetzten Schlussmänner, also auch der nach einer Handverletzung von der deutschen U21 abgereiste Florian Müller sind fit. Schwarz will erst am Sonntag entscheiden, ob Müller trotz der zwischenzeitlichen Malaise wie in den jüngsten Spielen im Tor bleibt oder durch René Adler oder gar Robin Zentner abgelöst wird. Vermutlich spricht einiges für den dank seiner Routine lautesten der drei Torhüter. René Adler könnte seine Vorderleute vermutlich am glaubwürdigsten zur gewünschten Intensität antreiben.

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