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Aus für Beierlorzer und Veh : Köln zieht die Reißleine

  • -Aktualisiert am

Konnte die Niederlage gegen Hoffenheim nicht abwenden: Achim Beierlorzer Bild: dpa

Er kam erst im Sommer, nun muss Achim Beierlorzer beim 1. FC Köln schon wieder gehen. Die sportliche Bilanz mit acht Niederlagen in elf Spielen ist ernüchternd. Auch die Zeit des Sportchefs ist abgelaufen.

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          Selbstverständlich hatte am Ende auch noch der Videoschiedsrichter seine Finger im Spiel, als das Drama des 1. FC Köln einen neuen Tiefpunkt erreichte. Weit in der Nachspielzeit, wenige Sekunden nachdem Simon Terrodde den Siegtreffer auf dem Fuß hatte, pfiffen die Unparteiischen nach Ansicht der Fernsehbilder einen Elfmeter für 1899 Hoffenheim. Statt im letzten Moment ein 2:1 feiern zu können, ging diese als „Trainerendspiel“ titulierte Partie trotz einer leidenschaftlichen Leistung 1:2 verloren.

          Bundesliga

          „Das ist schon etwas Bitteres, was momentan mit uns passiert“, sagte Trainer Achim Beierlorzer, der von Reportern darüber in Kenntnis gesetzt wurde, dass der Klub soeben die Trennung von Sport-Geschäftsführer Armin Veh bekannt gegeben habe. Am Samstag folgte dann die Entlassung Beierlorzers. Die bisherigen Assistenztrainer André Pawlak und Manfred Schmid übernehmen vorerst die Betreuung der FC-Profis. „Wir arbeiten ab sofort daran, einen neuen Cheftrainer zu finden, der mit unserem Team einen Neustart und die sportliche Wende schafft“, kommentierte Frank Aehlig, der Sportliche Leiter des FC. Beierlorzer wurde in einer Mitteilung des Vereins mit den Worten zitiert: „Ich bedauere, dass ich den FC in diesen vier Monaten nicht zum gewünschten sportlichen Erfolg führen konnte.“

          Der Effzeh steckt mal wieder bis zum Hals im Strudel des Niedergangs. Innerhalb weniger Stunden hat der Verein die beiden wichtigsten Verantwortlichen für die Bundesligamannschaft verloren. Beierlorzer war nicht in der Lage, konstant ordentliche Leistungen zu erarbeiten, in guten Momenten wirkte sein Werk solide, aber es folgten immer wieder schwere Enttäuschungen. Und Veh hatte ohnehin schon einen Großteil seines Einflusses eingebüßt, nachdem er sich entschieden hatte, seinen im kommenden Sommer endenden Vertrag nicht zu verlängern.

          Der eigenwillige bayrische Schwabe hat dem Verein durch seinen lässigen Umgang mit der fiebrigen Öffentlichkeit gutgetan. Auch sein Plan, nach dem Abstieg 2018 mit einem auf die Anforderungen der zweiten Liga zugeschnittenen Kader sofort wieder aufzusteigen, war gut. Mit seinen Trainern Markus Anfang und Achim Beierlorzer lag er jedoch zweimal daneben. Und ob der Kader dieser Saison genug Qualität für den Bundesligaverbleib enthält, ist fraglich. Komplett gescheitert ist Veh allerdings an der Herausforderung, diesen durch und durch zerstrittenen Verein zu befrieden.

          Bis ein neuer Sportchef gefunden ist, führt Frank Aehlig die Geschäfte. Am Freitagabend sagte Vehs engster Mitarbeiter der zurückliegenden Monate, die Lage sei „schwierig, nicht prekär. Prekär wäre sie, wenn wir deutlich weniger Spiele zu bestreiten hätten.“ Dennoch türmen sich die unerfreulichen Vorkommnisse am Geißbockheim mal wieder zu einer Art Wolkenkratzer des Unheils.

          In der Nacht zum Samstag wurde bekannt, dass es nach der Partie Ausschreitungen mit sechs Verletzten gegeben hatte. Und vor dem Anpfiff hatten die Anhänger in der Südkurve mit Transparenten und Plakaten auf die vielen Vorgänge hingewiesen, die sie kritisch sehen. Die Stimmung sei „angespannt“, erklärte Aehlig, „die meisten Leute machen sich Sorgen – auch nicht zu Unrecht. Das ist alles nachvollziehbar.“ Veh und Finanzchef Alexander Wehrle standen im Mittelpunkt der Protest-Choreographie, die mit „Wir haben die Schnauze voll“-Gesängen untermalt wurde.

          Der Klub habe sich im Sommer mit 15 Millionen Euro verschuldet, wurde in der Kurve moniert, bislang deutet vieles darauf hin, dass das geliehene Geld nicht besonders klug investiert wurde. Die Rückholaktion des formschwachen Anthony Modeste, die bis Vertragsende angeblich 15 Millionen Euro bindet, entpuppt sich mehr und mehr als kolossaler Fehlgriff. Gedankenspiele der Klubführung, möglicherweise ein neues Stadion außerhalb der Stadt zu bauen, haben viel Unmut hinterlassen, und eine dringend nötige Erweiterung des Geißbockheims wurde derart schlampig geplant, dass nun nicht mehr nur vereinzelte Aktivisten, sondern auch immer mehr Lokalpolitiker und Bürger Widerstand leisten. Darüber hinaus wurden in der Choreographie „Machtspiele“ hinter den Kulissen kritisiert und der Vorwurf erhoben, es habe einen Erpressungsversuch von Alexander Wehrle gegeben.

          Unglaubliche Kunststück des 1. FC Köln

          Lokalmedien hatten berichtet, der Finanzgeschäftsführer habe zu Beginn der Woche für den Fall einer sofortigen Trennung von Veh und Beierlorzer mit seinem eigenen Rücktritt gedroht. Das bezeichnete Wehrle als „infame Unterstellung“, aber auch mit einem Verbleib der einzigen Konstante im Verein hat der Effzeh sich mal wieder auf imposante Art und Weise demontiert. Nach der schmerzlichen Niederlage in Düsseldorf eine Woche zuvor hatten alle Gremien im Klub sich für eine sofortige Trennung von Beierlorzer ausgesprochen, nur Veh stellte sich dagegen und setzte sich durch. Solche Signale der Zwietracht treffen in der Fußballstadt einen wunden Punkt. Der zähe Prozess der Selbstzerfleischung, der in den vergangenen zweieinhalb Jahren extrem viel Energie kostete, sollte mit der Wahl des neuen Vorstandes im September endlich zu Ende gehen. Nun sieht es so aus, als würde alles beim Alten bleiben.

          Der 1. FC Köln hat das unglaubliche Kunststück vollbracht, schon zum dritten Mal in diesem Jahrzehnt sowohl den Trainer als auch den Sportchef zu verlieren. 2012 wurde zunächst Volker Finke entlassen, bevor wenig später Stale Solbakken folgte. 2017 wiederholte sich der Vorgang mit Jörg Schmadtke und Peter Stöger, nun sind Veh und Beierlorzer weg. Derzeit gibt es viele Stimmen, die sich über die vielen Gremien und die komplexen Strukturen beklagen, allerdings zeigen sich in diesen Krisentagen auch die Vorteile eines solchen Konstruktes. Mit Jörg Jakobs und Erich Rutemöller, die den neuen Vorstand in sportlichen Fragen beraten, sowie Aehlig verfügt der Verein immer noch über eine Menge Fachkompetenz. Nun brauchen die Herren dringend ein gutes Händchen bei der Suche nach einem neuen Sportchef und dem passenden Trainer.

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