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Nachfolger von Wout Weghorst : Frischer Wind im Sturm des VfL Wolfsburg

  • -Aktualisiert am

Jonas Wind (Mitte) jubelt nach seinem Tor zum 3:0 im Spiel gegen den SC Freiburg. Bild: dpa

Ob als Torschütze, Vorbereiter oder charmanter Plauderer: Jonas Wind belebt das Offensivspiel des VfL Wolfsburg. Seine Einsatzfreude führt den Stürmer in Grenzbereiche der Belastbarkeit.

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          Bei ihm darf man das. Denn abseits des Spielfeldes hält sich seine Angriffslust in Grenzen. Bestimmt wurde Jonas Wind deshalb mit den im Profifußball üblichen Erhöhungen und Übertreibungen belästigt. Frage an ihn: Schafft es der VfL Wolfsburg in dieser Saison noch bis in die Champions League? Die meisten seiner Teamkollegen hätten darauf geantwortet: Guter Witz.

          Bundesliga

          Nächste Frage. Was soll der Quatsch? Wind dagegen geriet ins Schwärmen. „Wir dürfen von Großem träumen. Ich würde es lieben, in der Champions League zu spielen“, sagte der 23 Jahre alte Angreifer. Der VfL Wolfsburg hatte den SC Freiburg gerade 6:0 besiegt. Wind steuerte zwei Tore bei. Er stufte das Erlebte als verrückt und herrlich ein.

          Eigentlich war das ein merkwürdiger Tausch. Mit dem Niederländer Wout Weghorst gab der VfL Wolfsburg im vergangenen Jahr einen überragenden Torjäger ab. Der sehr kopfballstarke Angreifer gefällt sich vor allem in der Rolle des klassischen Mittelstürmers, der seinen Stammplatz im gegnerischen Strafraum sucht. Wind dagegen, für rund 12 Millionen Euro vom FC Kopenhagen verpflichtet, stellte sich in Wolfsburg mit einer entwaffnend ehrlichen Selbsteinschätzung vor.

          Tadelloses Auftreten

          „Ich bin kein klassischer Stürmer. Ich möchte am Spiel teilnehmen“, sagte der Neuzugang. Wer das live im Stadion überprüfen wollte, war am Samstag im Duell mit dem SC Freiburg genau richtig. 25.849 Zuschauer sahen einen Jonas Wind, der in der Rolle des ersten Angreifers, des Chancenverwerters und des Vorbereiters in Personalunion glänzte. Als sein Arbeitstag nach 67 Minuten beendet war, gab es jede Menge Applaus für ihn.

          Einen Spielertypen wie Wind möchte jeder Trainer in seinem Kader haben. Seine Einsatzfreude führt ihn in Grenzbereiche der Belastbarkeit. Sein tadelloses Auftreten macht ihn zum Traum aller Schwiegermütter. Dass Wind seit seinem Wechsel beim VfL Wolfsburg nur bedingt in Erscheinung getreten ist, lag vor allem an einer hartnäckigen Oberschenkelverletzung.

          Zwei Tore erzielt Jonas Wind im Spiel gegen Freiburg.
          Zwei Tore erzielt Jonas Wind im Spiel gegen Freiburg. : Bild: dpa

          „Er war unser Pechvogel in der ersten Saisonhälfte. Aber wir kennen seine Qualitäten. Ich hoffe, er kann sie bestätigen“, sagte der Wolfsburger Cheftrainer Niko Kovac. Seinem Team gelang der fünfte Bundesligasieg nacheinander. Kovac legt Wert darauf, dass trotzdem keine neuen Parolen und Ziele ausgegeben werden. Doch wer will dem charmant plaudernden Wind schon verbieten, von einem erhofften Einzug in einen europäischen Wettbewerb zu träumen?

          Das Verblüffende an Wind bleibt seine Vielseitigkeit. Den Wolfsburger Führungstreffer von Patrick Wimmer hatte er durch ein gutes Abschirmen des Balles und ein schnelles Weiterleiten vorbereitet. Seine eigenen Treffer zum 2:0 und 3:0 per Kopf und Knie waren seinem guten Stellungsspiel zu verdanken. In die Statistik der Partie wird nicht eingehen: Wind war nach seiner langen Verletzungspause nie müde geworden, des Gegners Abwehr und Torwart immer wieder stören. Was die Aufgabe der deutlich zurückliegenden Freiburger gewesen wäre, übernahm der Wolfsburger Stürmer fast in Eigenregie.

          Gegner nicht zu beneiden

          Dazu ist er in der Lage, den Ball zu behaupten, gekonnt zu halten und im richtigen Moment weiterzupassen. „Ich bin gut in Form. Wenn wir fokussiert und hungrig bleiben, sind wir ein gefährliches Team“, sagt Wind über sich und den VfL. Der Mann des Tages wurde trotz seines tadellosen Auftritts früh ausgewechselt. Er sollte mit Blick auf das Auswärtsspiel am Dienstag bei Hertha BSC Berlin nicht gleich wieder überfordert werden.

          Die Gegner des VfL Wolfsburg sind nicht zu beneiden. Darf Wind von Anfang an stürmen? Oder eher Lukas Nmecha? Oder Omar Marmoush? Es gibt im Mittelfeld und der Offensive der Niedersachsen sehr viele Optionen. Erst wenige Stunden vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg hatte Wind erfahren, dass er von Anfang an mitspielen darf. VfL-Cheftrainer Kovac gelingt es immer besser, eine kluge Mischung aus gutem Teamgeist und gesunder Rivalität zu generieren.

          Er treibt sein Team hartnäckig an. In der Schlussphase der Partie steckte Kovac ständig seine Finger in den Mund, um trotz der hohen Führung ein frühes Pressing zu erwirken. Als Wind noch auf dem Platz war, musste an der Außenlinie niemand brüllen, antreiben oder pfeifen. Der wendige Stürmer ist auch beim Stören des Gegners, für das es öffentlich deutlich weniger Blumen als für erzielte Tore gibt, ein vorbildlicher Profi.

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