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FC Schalke 04 : Ist das noch Heldts Klub?

  • -Aktualisiert am

Mit dem Heft des Handelns: Horst Heldt greift Schalkes Aufsichtsratschef Tönnies vor Bild: dpa

Sportlich läuft es derzeit ziemlich gut beim FC Schalke 04. Dennoch verdichten sich die Gerüchte, dass Manager Horst Heldt keine Zukunft mehr in Gelsenkirchen hat.

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          Für ein paar Augenblicke wirkte Schalke am Samstag so ausgelassen wie nach einem bedeutenden Sieg, einem epochalen Erfolg. Mit dem Tor zum 2:1 in der Nachspielzeit hatte Max Meyer zwar nur einen glanzlosen Sieg sichergestellt – gegen eine Berliner Hertha-Mannschaft, die mehr als siebzig Minuten mit zehn Mann auskommen musste. Aber die Freude über das späte Gelsenkirchener Glück war so groß, dass auch Trainer André Breitenreiter und die anderen Bank-Angestellten auf den Rasen stürmten, um den Torschützen zu feiern.

          Auch Manager Horst Heldt, der von der Tribüne aus zuschaute, zeigte sich beeindruckt von diesem Torjubel. „Zu erleben, wie das ganze Stadion bebt, ist einzigartig. Solche Momente voller Inbrunst machen mich stolz.“ Auch dieser kollektive Gefühlsausbruch habe dokumentiert, dass Schalke „ein besonderer Verein“ sei.

          Deutliche Worte im „Doppelpass“

          Ob Heldt die emotional wie sportlich positive Entwicklung des Revierklubs noch lange mitgestalten darf und ob er das überhaupt will, erscheint zweifelhaft, ja unwahrscheinlich. Der aktuelle Trend beim Bundesliga-Dritten mag (auch) für den Manager sprechen, dennoch verdichten sich seit Tagen Gerüchte, die darauf hindeuten, dass Heldt auf Schalke keine Zukunft mehr hat. Bei aller Loyalität zum Verein, die er immer wieder versichert, ging er nach dem Hertha-Spiel auf Distanz. „Ich bin hier aufrecht reingegangen, und ich gehe hier auch erhobenen Hauptes wieder raus. Wann das sein wird, werden wir sehen.“

          Am Sonntag wurde Heldt in der Fernsehsendung „Doppelpass“ deutlicher. Die vergangenen Tage seien nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Gerade nach einer schlechten Saison sei es legitim, wenn der Aufsichtsrat prüfe, was über Juni 2016 hinaus geschehe, sagte er. „Entscheidend ist aber die Art und Weise. Und das hat bei mir dazu geführt, dass ein Denkprozess stattgefunden hat. Ich habe die Entscheidung für mich schon getroffen.“ Das weitere Vorgehen werde er gemeinsam mit Clemens Tönnies, dem Chef des Aufsichtsrats, in dieser Woche besprechen.

          Da Schalke am Donnerstag in der Europa League gegen Sparta Prag antritt, ist damit zu rechnen, dass die Entscheidung in der ersten Wochenhälfte fällt. Es erfordert nicht viel Kombinationsvermögen, die Ankündigung so zu deuten: Heldt wird Tönnies mitteilen, dass er, unabhängig von dessen Plänen, für Gespräche über eine Verlängerung seines bis Juni 2016 gültigen Vertrages nicht mehr zur Verfügung stehe.

          Der Kandidat Heidel

          Der Aufsichtsratsvorsitzende sieht sich seit längerem nach Kandidaten um, die Heldt spätestens zum Ende dieser Saison ablösen könnten. Genannt wurden Max Eberl von Borussia Mönchengladbach und Michael Reschke von Bayern München. Aktuell gilt der Mainzer Manager Christian Heidel als Favorit. Harald Strutz, der Präsident des 1. FSV Mainz 05, hat jüngst bestätigt, Heidel liege ein Angebot aus der Bundesliga vor, zu vermuten sei, dass Schalke 04 es unterbreitet habe.

          Es wird sogar darüber spekuliert, auf der Vorstandssitzung an diesem Montag würden Szenarien durchgespielt, die einen baldigen Wechsel Heidels ins Ruhrgebiet betreffen. Als wahrscheinlicher gilt jedoch, dass die Mainzer erst einmal versuchen, die Szenerie zu beruhigen und Zeit zu gewinnen. Heidel selbst hielt sich zuletzt bedeckt, sagte jedoch, er werde nichts tun, was Mainz 05 schaden würde. Das deutet nicht auf einen fliegenden Wechsel hin.

          Heldt will mit Heidel nicht Abendessen gehen

          Heldt wiederum wird seine Bereitschaft bekunden, seinen Vertrag auf Schalke zu erfüllen. Das macht die Sache für Tönnies, der schon länger nicht mehr von ihm überzeugt ist, überaus schwer. Bis die Sache (diesmal wohl ausnahmsweise nicht von Schalker Seite) an die Öffentlichkeit gelangte, konnte der Aufsichtsratsvorsitzende zweigleisig fahren. Seit den jüngsten Äußerungen hat er Heldt nicht mehr als Ersatzkandidaten in der Hinterhand für den Fall, dass alle anderen Pläne fehlschlagen sollten.

          Keine zwei Manager für ein Abendessen: Horst Heldt (r.) und Christian Heidel

          Auf verschiedene Art zeigt sich, dass Heldts Tage gezählt sind und seine Ablösung allmählich konkret wird. Vor dem Hertha-Spiel sei er „kurioserweise nicht so aufgeregt gewesen wie sonst“, sagte er. Mit Max Eberl, im Sommer von Tönnies angefragt, pflegt Heldt weiter ein freundschaftliches Verhältnis; er regte sogar ein gemeinsames Essen an. Auf Heidel angesprochen, sagte er dagegen, bei aller fachlichen Wertschätzung: „Es gibt Leute, mit denen man gern essen geht, und es gibt Leute, da bleibt man lieber zu Hause.“ Auf Schalke dagegen lobt Heldt, taktisch und juristisch nicht ungeschickt, jeden, der mit dem Aufschwung zu tun haben könnte: den Trainer, die Mannschaft, Tönnies, die Nachwuchsabteilung und nicht zuletzt sich selbst. Aber es dürfte ihm nicht mehr viel nützen.

          Das zeigt auch die Reaktion des Cheftrainers. André Breitenreiter, vor einem halben Jahr mit Paderborn abgestiegen, hat sich in Schalke, dank Heldt, als Erneuerer etabliert, nimmt aber, wenn überhaupt, nur geschäftsmäßig Anteil am Schicksal seines Vorgesetzten. „Das ist nicht meine Baustelle. Ich kümmere mich um die Mannschaft“, sagt Breitenreiter. Er habe „ein gutes Verhältnis“ zu Horst Heldt, „aber das sind Personalien, mit denen ich mich nicht beschäftige“. Auch das sagt einiges aus über Schalke im Herbst 2015.

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