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Fußball-Bundesliga : Hoffenheim schafft sich langsam ab

Kopflos auf dem Platz: Symbolbild mit Eren Derdiyok Bild: dpa

Auf dem Platz desolat, in der Führung planlos: Welchen Grund gibt es noch, diese Mannschaft zu lieben? Das Konzept des etwas anderen Bundesligaklubs Hoffheim gilt nur noch für den Nachwuchs.

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          Markus Babbel hätte sich ohne weiteres eine Notlüge ausdenken können. Er machte sich aber gar nicht erst die Mühe, die Dinge irgendwie schlüssig aussehen zu lassen. Er räumte schlicht und einfach ein, nicht die Wahrheit gesagt zu haben, als er kurz vor dem ersten Saisonspiel gegen Mönchengladbach versichert hatte, er werde den Managerposten bei 1899 Hoffenheim nicht so schnell aufgeben. Intern, sagte Babbel am Donnerstag, als der neue Mann, Andreas Müller, schon an seiner Seite saß, habe er da längst Gespräche mit den Verantwortlichen geführt. „Ich gebe zu“, sagte Babbel, „dass ich Ihnen etwas anderes erzählt habe als intern - aber das kommt öfter vor.“

          So viel Offenheit ist selten im Fußballgeschäft, das zwar schnelllebig ist, aber eben auch nicht so schnell vergisst. Es war zugleich nicht die einzige Offenbarung während der Pressekonferenz am Donnerstag. Die größte blieb Alexander Waldi vorbehalten, dem Geschäftsführer des Bundesligaklubs. Der bestätigte, ebenfalls ohne mit der Wimper zu zucken, eine reichlich unkonventionell anmutende Version, wie die TSG an ihren neuen Manager gekommen sei. Den Kontakt zu Müller, so berichtete Waldi, habe Jürgen Harder hergestellt. Harder ist ein Name in der Region, erfolgreicher Geschäftsmann, liiert mit Franziska van Almsick. Etwas nicht ganz Unwesentliches aber, was ihn für die Rolle als Kontaktmann qualifizieren würde, fehlt ihm: eine Funktion im Verein. „Das ist einfach ein privates Netzwerk“, sagte Waldi lapidar. „Er ist bekannt mit Herrn Hopp.“ Selbst wenn man hier nicht gleich Unrechtes nach den Buchstaben der DFL-Vorschriften wittert - nach moderner Unternehmensführung und Good Governance sieht das nicht gerade aus.

          Hoffenheim ist anders. Das war schon früher so. Wobei dieses „anders“ noch vor gar nicht allzu langer Zeit sehr positiv besetzt war. Als die Verbindung von Hopps Geld und Ralf Rangnicks Konzept für ein märchenhaft anmutendes halbes Jahr die Kraft zu besitzen schien, den deutschen Fußball aus den Angeln zu heben. Der rasante und erfolgreiche Fußball der Hinrunde 2008 half, eine andere - die vielleicht größte - Herausforderung des Projekts Hoffenheim zu bewältigen: Das zunächst als kühl und künstlich empfundene Produkt mit Emotionen zu füllen. Sympathien zu gewinnen. Ein Publikum. Das alles ist heute in Gefahr. Hoffenheim, so scheint es auch, wenn man den spärlichen Besuch gerade bei Auswärtsspielen sieht, ist vielen inzwischen nur noch egal. Wenn es nicht gerade zum Gespött taugt. Und dazu hat die jüngere Vergangenheit reichlich Anlass gegeben.

          Der Fan in der Führungsposition: Dietmar Hopp regiert sprunghaft
          Der Fan in der Führungsposition: Dietmar Hopp regiert sprunghaft : Bild: dpa

          Rein sportlich betrachtet, mag der desolate Saisonstart das größte Problem sein: 1:2 in Mönchengladbach, 0:4 gegen Frankfurt, 3:5 gegen Freiburg - und als Dreingabe das 0:4 im Pokal beim Berliner AK, einem Viertligisten. Darüber hinaus hat Hoffenheim jedoch längst ein erhebliches Imageproblem. Nicht mehr geschäftsmäßig clever, sondern chaotisch. Und einige Beobachter glauben, dass beides, sportliche und Ansehenskrise, in Wahrheit das Ergebnis einer Führungskrise auf höchster Ebene ist. Dietmar Hopp, so wird hinter vorgehaltener Hand beklagt, führe den Verein wie ein Fan. Was neben der engen Verbundenheit eben auch bedeuten kann: emotional, launisch, irrational.

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