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2:2 gegen Hoffenheim : Ein kleines Gladbacher Fußball-Wunder

  • -Aktualisiert am

Gladbach und Hoffenheim schenkten sich nichts. Bild: AP

Die TSG Hoffenheim führt Gladbach vor, vergibt Chance um Chance – und muss sich am Ende im Kampf um die Plätze für die Champions League mit einem 2:2 begnügen. Das Ergebnis eine Karikatur des Spielverlaufs.

          Es passiert nicht oft, dass die meist nur spärlich besetzte Ecke mit den Fans von 1899 Hoffenheim in einem Auswärtsspiel bei einem großen Traditionsverein die akustische Herrschaft im Stadion übernimmt. Doch am Samstagnachmittag waren die Anhänger von Borussia Mönchengladbach nach einer halben Stunde ähnlich leise wie ein Mathematik-Leistungskurs während der Abitur-Klausur. Bis weit hinein in die zweite Hälfte lähmte ein Gefühl des kollektiven Entsetzens weite Teile des Publikums. Denn die Borussia wurde regelrecht demontiert. Nur der brillant haltende Torhüter Yann Sommer schien sich zu wehren, zwischenzeitlich regte das Publikum sich dann doch und brüllte: „Wir wollen euch kämpfen sehen“. Es war ein kleines Wunder, dass das Team nach dieser Leistung in der Schlussphase tatsächlich noch ein 2:2 erkämpfte, das eine Karikatur des Spielverlaufs ist.

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          Denn in den meisten Phasen war das Spiel der Borussia von klassischen Krisensymptomen geprägt, einfachen Kombinationen im Spielaufbau fehlte die Präzision, kompliziertere Pässe flogen ins Leere, ein Spielkonzept war nur selten erkennbar. Die Hoffenheimer, die nach starken Wochen im April wieder ganz nah an die Champions-League-Zone der Tabelle herangerückt waren, pressten, übten viel Druck aus – und verschwendeten allerbeste Torchancen. Noch vor Pavel Kaderábeks 1:0 (33.) scheiterten Andrej Kramaric (24., 30.) und Adam Szalai (32) aus besten Lagen an Sommer, die Führung nach einer halben Stunde war hoch verdient. Kurz darauf köpfte Szalai noch an die Latte (36.), Ermin Bicakcic verfehlte aus bester Position das Tor (37.), die ganz und gar leblosen Gladbacher wurden vorgeführt. Es ist ein rätselhafter Zusammenbruch, den diese Mannschaft in diesem Frühjahr erlebt.

          Denn eigentlich hätte diese Partie ein ganz wunderbares Topspiel kurz vor Saisonende vor eigenem Publikum werden können. Es ging um die Qualifikation für die Champions Leauge, die für beide noch möglich war. „Das Reizvolle an der Konstellation ist, dass alles offen ist“, hatte der Hoffenheimer Trainer Julian Nagelsmann vor dem Anpfiff gesagt, „die Tür ist noch nicht zu. Unser Ziel ist es, die internationalen Plätze zu erreichen, unser Wunschtraum ist natürlich der vierte Platz.“ Freude an dieser schönen Ausgangslage hatten aber lange Zeit nur die Hoffenheimer.

          Bis zum Januar hatte die Borussia all ihre Heimspiele gewonnen und mit zwölf Bundesligasiegen vor heimischem Publikum in Folge einen neuen Vereinsrekord aufgestellt. Seither warten sie jedoch auf ein echtes Erfolgserlebnis im Borussia-Park. Längst steht auch Trainer Dieter Hecking zur Debatte, der seinen Posten im Sommer ohnehin räumen muss. Einen „populistischen Trainerwechsel“, werde es nicht geben, hatte Sportdirektor Max Eberl zwar am Montag auf der Mitgliederversammlung erklärt, „das ist nicht der Weg von Borussia Mönchengladbach“.

          Allerdings liefern derzeit weder der Trainer noch die Mannschaft Argumente, mit denen sich diese Position stützen ließe. In der Halbzeit nahm Hecking dann die angeschlagenen Tony Jantschke und Patrick Herrman vom Feld, Ibrahima Traoré und Jordan Beyer kamen ins Spiel, und natürlich wussten die Gladbacher, dass sie jenseits ihrer fußballerischen Unzulänglichkeiten wenigstens etwas engagierter spielen mussten. Das taten sie zunächst auch, aber die klaren Chancen hatten nach einem kurzen Aufbäumen weiterhin die Hoffenheimer. Szalai (54., 59.) und Ishak Belfodil (60.) hätten dieses vollkommen einseitige Spiel schon entscheiden müssen, und als Kramaric aus fünf Metern das leere Tor verfehlte (70.), wurde der verschwenderische Umgang der TSG geradezu grotesk. Es folgte der Klassiker – ein Tor für die Vorgeführten.

          Irgendwie geriet der Ball in den Hoffenheimer Strafraum, und aus einer unübersichtlichen Situation stocherte Matthias Ginter den Ball zum vollkommen unverdienten 1:1 über die Linie (73.). Aber Hoffenheim hatte die passende Antwort, Nico Schulz traf die Unterkante der Latte (79.), und Sekunden später schoss Nadien Amiri dann doch mit einem satten Fernschuss das hoch verdiente 1:2 (79.). Doch auch das reichte nicht, Josip Drmic traf tatsächlich noch zum 2:2 (84), das im Kampf um die Champions-League-Teilnahme keinem der beiden Klubs wirklich weiter hilft.

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