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Mönchengladbach in Bundesliga : Die Borussia und der Reiz des Neuen

  • -Aktualisiert am

Einer der Erfolgsfaktoren: Manu Koné Bild: Sportphoto by Laci Perenyi

Mit Trainer Daniel Farke und Sportdirektor Roland Virkus hat sich die Stimmung beim Fußball-Bundesligaklub in Mönchengladbach grundlegend verbessert. Die Spieler finden: „Es entsteht hier wieder was.“

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          So eine Sommerpause hilft den Vereinen der Fußball-Bundesliga fast immer dabei, die Schwere einer unbefriedigenden Saison abzuschütteln und neue Zuversicht zu entwickeln. Insofern ist bei Borussia Mönchengladbach niemand von der gegenüber dem Mai deutlich verbesserten Laune überrascht. Dass die Atmosphäre sich allerdings derart radikal ins Gegenteil verkehren würde, konnte niemand erwarten.

          Bundesliga

          Schließlich liegt ein Frühjahr im Abstiegskampf hinter dem Klub, es gab den Rücktritt des langjährigen Sportdirektors Max Eberl, die Trennung von Trainer Adi Hütter und einen Rückzieher von Lucien Favre kurz vor Vertragsunterschrift als neuem Chefcoach. All das scheint nun überwunden zu sein. Überall auf dem Klubgelände ist ein neuer Optimismus spürbar. Und als Daniel Farke am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel der Borussia beim FC Schalke an diesem Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) gefragt wurde, ob er immer so gut gelaunt sei, erwiderte der neue Trainer: „Das liegt einfach daran, dass ich ein freundlicher Mensch bin.“

          Farkes auch in solchen Presserunden spürbare positive Energie vermengt sich mit dem Jubel zum Sieg im ersten Spiel gegen die TSG Hoffenheim und der Freude über die jüngsten Ergebnisse der Arbeit des seit Februar amtierenden Sportdirektors Roland Virkus.

          Pléa und Hofmann verlängern

          Virkus hat in den vergangenen Tagen zunächst den Vertrag mit dem Stürmer Alassane Pléa verlängern können, bevor dann eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit Nationalspieler Jonas Hofmann verkündet werden konnte. „Es entsteht hier wieder was. Es geht wieder in die Richtung, die die Borussia immer ausgezeichnet hat“, sagte Hofmann. Diese Aufbruchstimmung soll dazu beitragen, dass die Zusammenarbeit mit weiteren Spielern, deren Verträge 2023 auslaufen, verlängert wird, damit der Kader nicht ausblutet. Aber Farke sprach auch jetzt schon mal ein „riesengroßes Lob“ an Virkus aus, der zunächst mit großer Skepsis betrachtet wurde.

          Es ist kein Geheimnis, dass die Mönchengladbacher Klubführung eigentlich lieber Rouven Schröder vom FC Schalke an den Borussia-Park geholt hätte. Als nach dessen Absage dann Virkus vom Leiter des Nachwuchsleistungszentrums zum Sportdirektor befördert wurde, wirkte dieser eher blass. Das lag einerseits daran, dass er automatisch mit dem charismatischen Eberl verglichen wurde, der sich zum Gesicht der Borussia entwickelt hatte, und andererseits daran, dass er kein großer Entertainer ist. Aber bislang ist das auch gar nicht notwendig in dieser Position. Virkus’ Facharbeit ist überzeugender, als viele dachten, auch, was seine Ideen zum Spielstil der Mannschaft betrifft.

          Nationalspieler in Reihen der Borussia: Jonas Hofmann
          Nationalspieler in Reihen der Borussia: Jonas Hofmann : Bild: nordphoto GmbH / Bratic

          In Eberls Spätphase wurde der Plan verfolgt, die Borussia auf Balljagd zu schicken und den hochintensiven Fußball von Klubs wie Union Berlin, dem SC Freiburg oder Eintracht Frankfurt spielen zu lassen. Dafür wurde Hütter geholt, es fehlten jedoch die geeigneten Spieler. Also verordnete Virkus jetzt eine „Rückbesinnung auf den Borussia-typischen Fußballansatz“. Eine Spielweise mit viel Ballbesitz passt besser zu Spielern wie Pléa, Hofmann, dem derzeit verletzten Kapitän Lars Stindl, Florian Neuhaus oder Christoph Kramer.

          Die Krise der vergangenen Saison beruhte nicht zuletzt auf den Problemen der Mannschaft, sich auf den Stil einzulassen, der den Verantwortlichen vorschwebte, mit Farke ist dieses Thema erst mal aus der Welt. Womöglich wird diese Trainerwahl sogar einmal als Virkus’ größter Coup gelten. Der 45 Jahre alte Farke ist nach gut vier Jahren bei Norwich City in England, wo er zweimal in die Premier League aufstieg und Erfahrungen in Spielen gegen Pep Guardiola, Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Arsène Wenger oder José Mourinho sammelte, ein gestandener Trainer.

          In Deutschland ist er trotzdem noch vollkommen unverbraucht, unbelastet von irgendwelchen trüben Karrierephasen beim HSV, Hertha BSC oder dem VfL Wolfsburg. Und er scheint die Spieler zu begeistern. Denn ohne passenden Trainer hätten sich Pléa und Hofmann kaum überzeugen lassen, sich mittelfristig an diesen Klub im Umbruch zu binden, von dem mancher glaubt, ihm drohe ein Schicksal wie dem SV Werder Bremen, der nach etlichen Jahren im oberen Bundesligadrittel und auf der europäischen Bühne bis in die zweite Liga abgestürzt ist.

          Das wollen Virkus und Farke unter allen Umständen verhindern, und dazu sollen demnächst auch Marcus Thuram und Yann Sommer ihre 2023 endenden Verträge verlängern. Gleiches könnte für Ramy Bensebaini gelten, sofern dieser nicht noch in diesem Sommer verkauft wird.

          Dass Leute wie Hofmann und Pléa sich zur Borussia bekannt haben, könne „dabei helfen, auch noch mit weiteren Spielern die Verträge zu verlängern“, sagte Virkus, der seinem Trainer gerne noch den Wunsch nach mindestens einem wuchtigen Stürmer erfüllen möchte. Derzeit wirkt die Borussia wieder so attraktiv, dass sich Verstärkungen womöglich nicht nur vom Gehalt, sondern auch vom Reiz eines vielversprechenden Neustarts beeindrucken lassen.

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