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2:1 gegen Leverkusen : Ein schönes Finale für Gladbach zum Start

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Hahn brachte die Gladbacher im Topspiel gegen Leverkusen in Führung. Bild: dpa

Die Borussia und Bayer zeigen, warum sie auch in dieser Saison zur Creme de la Creme der Bundesliga gehören. Die Hitze des Gefechts entlädt sich in einem dramatischen Finale.

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          Es war das Duell zweier Champions-League-Teilnehmer, und entsprechend intensiv begegneten sich am Samstagabend zum Bundesliga-Saisonauftakt auch Borussia Mönchengladbach und Bayer 04 Leverkusen. 52.000 Zuschauer im Borussia-Park erlebten ein jederzeit spannendes, faszinierendes Spiel zwischen dem Vierten und Dritten der vorigen Spielzeit, in dem schließlich die Gladbacher als etwas bessere Mannschaft 2:1 gewannen. Hahns Führungstor für die Gladbacher (45.+1) egalisierte der eingewechselte Leverkusener Pohjanpalo (79.), ehe Stindl (83.) den Treffer zum vollen Erfolg für die Borussia schoss. Beide Teams dokumentierten über neunzig Minuten, dass sie auch in dieser Serie zur Creme de la Creme der Bundesliga gehören dürften. „Ich bin glücklich, ich freue mich total“, sagte Gladbachs Trainer André Schubert.

          Am Samstag stand zunächst ein Spieler im Blickpunkt, dessen Arbeit vor allem darin besteht, den Stars den Rücken freizuhalten: Christoph Kramer, der offensivere der beiden Gladbacher Sechser. Der für 15 Millionen Euro verpflichtete Rückkehrer nach einem wenig auffälligen Jahr bei Bayer 04, scheute nicht den persönlichen Vergleich zwischen beiden Bundesliga-Spitzenteams: „Hier ist alles noch mal eine Stufe emotionaler und besser“, lobte er das für ihn ganz besondere Fluidum bei der Borussia.

          Kramer, der ein gutes, ab und zu leicht übermotiviertes Spiel gegen die ehemaligen Kollegen machte, ist dazu auserkoren, auf seine unbeugsame Art die Lücke zu schließen, die der schweizerische Kapitän und Anführer Granit Xhaka bei seinem mit einer Summe von 45 Millionen Euro golden verzierten Wechsel zum FC Arsenal hinterlassen hat. Xhaka und sein norwegisches Pendant Havard Nordtveit, der sich jetzt für West Ham United ins Zeug legt, waren die einzigen Stammspieler, die Mönchengladbach verließen. Dafür kam in diesem Sommer neben Kramer auch der Bremer Innenverteidiger Jannik Vestergaard gegen eine Ablöse von elf Millionen Euro.

          „Es wird Zeit, mit Bayer einen Titel zu holen“

          Was blieb und noch verfeinert werden soll, ist der hochklassige Mix aus Balleroberungs- und Kombinationsfußball, der aus den „Fohlen“ der Neuzeit wieder eine Topadresse des deutschen Fußballs gemacht hat. Wie bei der „Elf vom Niederrhein“ setzen sie auch bei der Werkself vom Mittelrhein inzwischen auf die beständige Weiterentwicklung eines Aufgebots, das vor dieser Saison stark wie seit langem keine Bayer-Mannschaft anmutet.

          „Jetzt wird es langsam Zeit, mit Bayer einen Titel zu holen“, hat Mittelfeldspieler Kevin Kampl vor ein paar Tagen gesagt und dabei auch an starke Neuzugänge wie den aus Hoffenheim gekommenen Angreifer Kevin Volland (Ablöse: 20 Millionen Euro), Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger (für 4 Millionen Euro von Mainz 05 verpflichtet) und Aleksandar Dragovic (wechselte für 18 Millionen Euro von Dynamo Kiew).

          Gut gespielt, gut gekämpft – und doch verloren: Leverkusen steht mit leeren Händen da. Bilderstrecke
          Gut gespielt, gut gekämpft – und doch verloren: Leverkusen steht mit leeren Händen da. :

          Da diesmal alle Spieler, die Bayer lieb und teuer sind, blieben, rechnet so mancher damit, dass der Dritte der vorigen Saison zumindest Borussia Dortmund, den im Spieljahr 2015/16 um 18 Punkte enteilten Zweiten, attackieren kann. In Mönchengladbach fehlten indes Dragovic, der erst nach der Länderspielpause seinen Dienst antritt, Chicharito, der sich auf der heimischen Treppe einen Mittelhandbruch zuzog, und dessen zuletzt an einer Hüftprellung leidende Stürmerkollege Stefan Kießling.

          Borussen-Trainer André Schubert schöpfte nach dem triumphalen 6:1 über Young Boys Bern in der mehr als nur geglückten Champions-League-Qualifikation aus der Tiefe seines Kaders und ließ zum Beispiel Thorgan Hazard, den dreifachen Torschützen vom Mittwoch erst einmal auf der Bank wie die gegen Bern ebenfalls wirbelnden Patrick Herrmann und Fabian Johnson. Dafür waren diesmal André Hahn, Ibrahima Traoré und Oscar Wendt erste Wahl. Diese Drei setzten im Verbund mit Raffael die Leverkusener immer dann unter Druck, wenn sich für die Gladbacher Kontermöglichkeiten auftaten. Dabei erwies sich Torhüter Leno als größter Rückhalt von Bayer 04, als er sich kapitalen Schüssen von Raffael, Wendt und Hahn entgegenwarf.

          Erst trifft Pohjanpalo, dann kommt Stindl

          Dann aber, nach einem Leverkusener Fehlpass, war der wie so oft besonders zielstrebige Hahn nach Kramers Freistoß und Tahs Unachtsamkeit noch einmal in bester Schussposition und ließ Leno mit einem plazierten Flachschuss aus 15 Metern keine Chance (45.+1). Bei Halbzeit führte die bessere von zwei vielversprechenden Mannschaften. Auch die Leverkusener, die unter Trainer Roger Schmidt inzwischen kultivierter kicken als zuvor mit ihrem manchmal arg anarchischen Fußball, hatten ihre Gelegenheiten. Sie waren aber, von Tahs Lattenkopfball abgesehen (41.), bei weitem nicht so zwingend wie die der Borussia.

          Nach dem Wechsel erhöhte Bayer den Druck auf Sommers Tor. Insgesamt aber fahndete Leverkusen weiter nach dem Loch in der nun tiefer gestaffelten Gladbacher Abwehr. Inzwischen auch mit dem olympischen Silbermedaillengewinner Julian Brandt, der für den diesmal noch bemühten Volland kam (64.). Das Prestigeduell nahm an Härte zu, was sich in drei Gelben Karten binnen einer Minute für die Leverkusener Ballarabi und Wendell sowie für den Gladbacher Kapitän Stindl spiegelte (74.). Die Hitze des Gefechts entlud sich schließlich in einem dramatischen Finale, als zunächst der eingewechselte Pohjanpalo nach Christensens Beinahe-Eigentor zum 1:1 ausglich (79.) und dann Stindl mit seinem Siegtreffer zum 2:1 (83.) zuschlug. Aus Gladbacher Sicht hätte es kein schöneres Finale geben können.

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