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1:0 gegen die Bayern : Der BVB macht die Bundesliga spannend

  • -Aktualisiert am

Auf dem Boden der Tatsachen: Bayern-Stürmer Lewandowski an alter Wirkungsstätte. Bild: dpa

Aus der jahrelangen Solotour wird ein Mehrkampf: Die Bayern verlieren ein spannendes Topspiel in Dortmund und sind nicht mehr Erster der Bundesliga. Das liegt auch an einem klugen BVB-Schachzug.

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          Vor dem Anpfiff versuchte Thomas Müller, der eloquente Stürmer des FC Bayern, den Stellenwert des deutschen Fußball-Klassikers einzuordnen. „Gegen Borussia Dortmund zu spielen, ist nicht ganz so besonders wie ein Papstbesuch, aber sportlich gesehen natürlich extrem spannend.“ Beim Duell der beiden größten deutschen Klubs wurde es in einem Maße spannend, die Müller überhaupt nicht gefallen hat. Nach dem frühen Tor des Dortmunder Stürmerstars Pierre-Emerick Aubamenyang (11. Minute) liefen die Bayern bis zum Schluss einem Rückstand hinterher und verließen als Verlierer den Platz.

          Das 0:1 in Dortmund bedeutete für den deutschen Meister nicht nur die erste Saison-Niederlage in der Bundesliga, sonder auch den Verlust der Tabellenführung. Der BVB, der auch im 27. Heimspiel nacheinander ungeschlagen blieb, rückte bis auf drei Punkte an die Münchner heran, die nun Zweiter hinter Aufsteiger Leipzig sind. „Ist doch schön für die Liga. Das haben sich doch alle gewünscht“, sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm ironisch beim Pay-TV-Sender Sky. Angesichts des umjubelten Sieges war es für die Dortmunder zu verschmerzen, dass ihr Hoffnungsträger Marco Reus sein Comback wegen einer Blessur an der Ferse hatte verschieben müssen.

          Kurz vor Spielbeginn legte sich traurige Stille über das größte deutsche Fußballstadion; die Mannschaften formierten sich am Mittelkreis und gedachten gemeinsam mit achtzigtausend Fans eines berühmten Borussen. Alfred „Aki“ Schmidt, Meisterspieler der fünfziger und sechziger Jahre, war vor kurzem verstorben. Als die Gedenkminute vorüber war, bildeten wieder laute Gesänge den atmosphärischen Hintergrund einer mit Spannung erwarteten Partie. Obwohl sich beim Anpfiff diesmal „nur“ der Sechste und der Zweite der Tabelle gegenüberstanden, herrschte eine ähnliche atmosphärische Dichte, wie sie sonst zu spüren ist, wenn sich Dortmund und Bayern als die beiden führenden Mannschaften der Liga zum Klassiker treffen.

          Das 1:0 – Aubameyang spitzelt den Ball in Neuers Tor. Bilderstrecke

          In die Gesänge mischten sich aber auch Pfiffe. Sie richteten sich vor allem gegen Mats Hummels. Manche BVB-Fans haben dem Verteidiger noch nicht verziehen, dass er im Sommer nach achteinhalb Jahren von Dortmund nach München zurückgekehrt war, wo er schon in der Jugend gekickt hatte. Hummels versah seinen Dienst im Zentrum einer Abwehr, die erstaunlich früh in Bedrängnis geriet. Das hing auch mit einem anderen Spieler zusammen, der im Sommer die Seiten gewechselt hatte. Mario Götze war den umgekehrten Weg gegangen und hatte sich nach drei freudlosen Jahren beim FC Bayern wieder den Dortmundern angeschlossen, bei denen er in der Frühphase seiner Karriere groß herausgekommen war.

          Nach seiner Rückkehr brauchte Götze eine Weile, um wieder Tritt zu fassen, aber als er sich nun seinen früheren Kollegen aus München gegenübersah, war er sofort voll da. Beim ersten gefährlichen Vorstoß seiner Elf versetzte der Mittelfeldstratege Aubameyang mit einem flachen Pass in die Lage, Dortmund in Führung zu schießen. Einen Treffer dieser Art und Güte lassen die Münchner nicht oft zu. Er wurde auch deshalb möglich, weil Aubameyang den Ball im Strafraum mit der Hacke zu Piszczek befördert hatte, der dann Götze anspielte. Obendrein stand der Torschütze auch noch frei an der Fünfmeterlinie, als er die Kugel mit links über die Linie lenkte. „Es ist eine große Freude für mich, dieses Tor der Mannschaft geschenkt zu haben“, sagte Aubameyang.

          Das frühe Tor belohnte den Mut, mit dem Dortmund ins Spiel gegangen war. BVB-Trainer Thomas Tuchel hatte neben Aubameyang in Adrian Ramos von Beginn an einen zweiten Stürmer aufgeboten. André Schürrle hätte den Vorsprung ausbauen können; sein wuchtiger Direktschuss landete aber in den Armen von Torhüter Manuel Neuer. Im Laufe des ersten Durchgangs bemühten die Bayern sich darum, ihrem Spiel mehr Struktur zu verleihen, sie setzten sich mehr und mehr in der gegnerischen Hälfte fest, blieben dabei aber unproduktiv.

          Den Angriffen des Rekordmeisters fehlte es an einer zündenden Idee und somit an Durchschlagskraft. Erst kurz vor der Pause wurde es zum ersten Mal brenzlig für die Borussen, doch sie kamen mit dem Schrecken davon, weil Kimmich nach Lewandowskis scharfer Hereingabe zu überrascht wirkte, um dem Ball noch den richtigen Kick zu geben. Sonst war in der ersten Halbzeit nicht viel davon zu sehen, dass die torgefährlichsten Mannschaften der Liga aufeinandertrafen.

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          Unmittelbar nach dem Seitenwechsel trat Aubemeyang abermals als Störenfried in Aktion, brachte den Ball aber nicht an Neuer vorbei. Danach verlagerte sich das Geschehen alsbald wieder in die Dortmunder Hälfte. Die Bayern kamen dem Ausgleich nun näher. Franck Ribéry beförderte die Kugel mit der Hacke sogar ins Tor, stand dabei aber im Abseits. Auch Xabi Alonso unterstrich die nun deutlich erkennbaren Ambitionen der Münchner, doch sein Distanzschuss nach gut einer Stunde prallte gegen die Latte.

          Dortmund ließ sich zwar zurückdrängen, hätte bei einem Gegenstoß aber dennoch das 2:0 erzielen können. Alonso, der wenig später ausgewechselt wurde, spielte die Kugel mit einem haarsträubenden Rückpass Aubameyang unfreiwillig in den Lauf – der Gabuner steuerte allein auf Neuer, ließ sich vom Nationaltorhüter aber zu einem überhasteten Abschluss verleiten. Was die Bayern auch anstellten, es reichte nicht, um wenigstens einen Punkt zu ergattern, So wurde für die Dortmunder ein Abend, der mit einem traurigen Gedenken begonnen hatte, zu einem Festtag des Fußballs. „Wir genießen das natürlich jetzt, es ist ein schöner Tag“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

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